Frankfurter Buchmesse 2011 

Tag #1 (12.10.2011)

Erster Tag der Buchmesse Frankfurt 2011 - von Hannah Klein

So viele interessante Veranstaltungen, so viele Menschen, die sich durch die Gänge bewegen und so viele verschieden Sprachen an einem Ort. Endlich, die Frankfurter Buchmesse 2011 hat heute wieder ihre Pforten geöffnet.

Man weiß gar nicht recht, wo man anfangen soll. Bücher, wohin das Auge blickt, da fragt man sich schon, wer das eigentlich alles lesen soll. Am ersten Messetag ist es noch verhältnismäßig ruhig, das wird sich an den Besuchertagen am Wochenende vermutlich ändern. Heute trifft man allerorts sowohl auf gut gelaunte Fachesucher, bepackt mit diversen Verlagstaschen und Giveaways, als auch freundlich lächelnde Servicekräfte. Dass vor den Toren unfreundliches Herbstwetter herscht, das vergisst man in den riesigen Hallen schnell.




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In den Pausen meines prall gefüllten Veranstaltungskalenders schlendere ich durch die Hallen und begutacht die vorgestellten Neuerscheinungen. Bei einigen der netten kostenlosen Mitgaben konnte auch ich natürlich nicht widerstehen. Dabei kann es schnell passieren, dass man einen Großteil der Zeit zwischen Parfumwolken und Menschenmassen festsitzt. Hierbei dringen dann die unterschiedlichsten Sprachfetzen ins Ohr, hauptsächlich Isländisch und Englisch - denn Island ist dieses Jahr der Ehrengast der Buchmesse.

 

Schon gleich der erste Tag bot den Messe-Besuchern eine Fülle an Angeboten, bei denen man sich am liebsten einen Zeitumdreher wie in Harry Potter gewünscht hätte, um auch alles sehen und hören zu können. Letztendlich musste ich mich dann aber doch für einige ausgewählte Veranstaltungen entscheiden.

 

Während Manuel und Bastian im Laufe des Tages Gespräche mit den Velagen Piper, Carlsen, DTV und Reprodukt führen, verbringe ich meine Zeit größteneils im ARD-Forum.

Dort präsentiert und kritisiert Denis Scheck mit gewohntem Charme Bücher in seiner Literatur-Sendung „Druckfrisch“ und führt Gespräche mit Antje Rávic und Wilhelm Genanzino zu deren Neuerscheinungen. Auffällig oft fällt dabei der Name Max Frisch.

Als ein weiteres Highlight der ARD-Bühne stellt sich die „Literaturlese“ mit Roger Willemsen heraus, bei der er von lesenswerten Büchern berichtet, die heute kaum noch Beachtung finden. Voller Euphorie muss Willemsen, der ebenfalls mit Charme, Witz und Begeisterung unter den heutigen Gästen auffällt, anmerken „Ich rede jetzt schneller, damit ich mehr unterbringen kann!“

 

Zu den weiteren Veranstaltungen meines impressionsgeladenen Tages zählen die Lesung von Sebastian Schony „Lass uns Feinde bleiben“ und das Gespräch mit Wladimir Kaminer zu „Liebesgrüße aus Deutschland“, die, wie könnte es anders sein, das Publikum ebenfalls begeistern.

 

Eine Etage über dem ARD-Forum präsentiert sich der Ehrengast Island. Dort können die Besucher riesige Leinwände bestaunen, auf denen die Landschaft und das Leben in Island mit passender Musik dargestellt wird. An anderen Stellen sieht man Isländer auf die Leinwände projiziert, die still und für sich ein Buch lesen oder dem Besucher auf Isländisch vorlesen. Das ist atmosphärisch wie visuell absolut beeindruckend. Hier noch meine persönlichen Buchempfehlungen des Tages:

Sebastian Schony „Lass uns Feinde bleiben“
Wladimir Kaminer „Liebesgrüße aus Deutschland“
Wilhelm Genanzino „Wenn wir Tiere wären“
Harry Rowohlt „Rumba, Rumba, Rumba ist modern“ (Hörbuch | Denis Scheck: „Das beste Buch des Jahres ist eine CD“)
Max Frisch „Homo Faber“
Antje Rávic „Sturz der Tage in die Nacht“


Tag #2 (13.10.2011)

Zweiter Tag der Buchmesse Frankfurt – von Bastian Appel

Spannende und intensive Lesungen, wiederbelebte Kindheitserinnerungen, intime Geständnisse und ein Comic Autor ganz persönlich; unter diesen Stichworten lässt sich mein zweiter Tag auf der Frankfurter Buchmesse vielleicht am besten kurz zusammenfassen. Aber der Reihe nach: Nachdem ich gestern zwischen den zahlreichen Terminen bei Verlagen mit Manuel schon erste Eindrücke auf der Messe sammeln konnte, hatte ich heute die Gelegenheit, mich noch intensiver auf der Messe umzuschauen.




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Und obwohl ich mich kaum bei der riesigen Auswahl von Lesungen und Veranstaltungen entscheiden konnte, führte mich mein erster Gang zum 3sat-Stand in Halle 4.1, wo Doris Dörrie ihr neues Buch „Alles inklusive“ vorstellte. Die Schriftstellerin und Opernregisseurin beschrieb die verschiedensten Charaktere ihres Romans und deren Streben nach Glück, das sich nicht einfach buchen lässt wie ein Urlaub unter der Sonne Spaniens. Doris Dörrie ließ es sich auch nicht nehmen, nach Ablauf der Sendezeit (nach aufforderndem Zuruf aus dem Publikum) noch einen kurzen Auszug aus ihrem Buch zu verlesen; die Geschichte des selbstmörderischen Mopses.

 

Im Anschluss daran führte mich mein Weg durch dichter werdendes Gedränge zurück in Halle 3.1, von wo ich meine Reise durch das bunte Labyrinth der Bücher und Stände begonnen hatte. Hier konnte ich mich setzen, und in aller Ruhe der Lesung der für den Deutschen Buchpreis nominierten Autorin Angelika Klüssendorf lauschen. Ihr neuer Roman „Das Mädchen“, der die bedrückende und kaum als solche zu bezeichnende Kindheit einer 12-Jährigen erzählt, wurde unlängst von Matthias Kremp für das LZG rezensiert und ist hier jederzeit nachzulesen.

 

Die nächste Lesung, oder besser gesagt Buchvorstellung, lag mir persönlich sehr am Herzen, da ich mit den ersten der sechs Vorläufer des präsentierten Buches aufgewachsen bin. Am Stand des Verlags Friedrich Oetinger stellte Paul Maar die neue Geschichte des Sams „Das Sams im Glück“ vor. Das quirlige, reimende und stets hungrige Wesen mit seinen blauen Wunschpunkten im Gesicht soll zurück in die Sams-Welt geholt werden. Da es sich weigert dahin zurückzukehren, verwandelt sich der menschliche „Papa“ des Sams, Herr Taschenbier, immer wieder, zumindest teilweise, selbst in ein Sams. Die Bücher, die vom Autor im Anschluss signiert wurden, fanden sowohl bei den jüngsten, als auch bei den älteren Besuchern reißenden Absatz.

 

Kaum hatte ich dem besuchten Stand den Rücken gekehrt, fiel mir ein großer, kräftiger Mann auf. Die Hände in den Hosentaschen, er trug Jeans und einen lässigen Kapuzen-Sweater, den Blick entspannt über die sich bewegenden Massen schweifend, stand er vor den großen Leinwänden des Carlsen Verlages, als würde er dort einfach hingehören. Und in der Tat; ich erkannte in ihm Ralph Ruthe, den Ralph Ruthe, über dessen neuen Comic ich mich mit Manuel an gleicher Stelle gestern köstlich amüsiert hatte. Nach einem kurzen Plausch gab es noch ein gemeinsames Foto für den Buchmesse-Blog des LZG und weiter ging meine Entdeckungstour in Richtung der Aussteller des diesjährigen Ehrengastes Island.

 


 

Zu erwähnen wären an dieser Stelle noch weitere bekannte Persönlichkeiten (auch aus Funk und Fernsehen), die mir an den ersten beiden Tagen der Messe unverhofft und unerwartet über den Weg gelaufen sind; neben dem ehemaligen Tagesschausprecher Ulrich Wickert, dem Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen und der Bergsteigerlegende Reinhold Messner, habe ich mich vor allem gefreut Odile Kennel zu sehen. Sie wird zu Beginn des nächsten Jahres bei uns im LZG in Kooperation mit dem ZiBB aus ihrem Roman „Was Ida sagte“ lesen.

 

Auf meinem Weg zur Island- Ausstellung lief ich noch einmal am 3sat-Stand vorbei und kam nicht umhin, mich der Traube von Menschen anzuschließen, bei denen die hinteren Reihen gespannt die Hälse über die Köpfe ihrer Vorderleute reckten. Auf der Couch saß die Bestsellerautorin Charlotte Roche und stellte ihr neues Buch „Schoßgebete“ vor. Sie bezog Stellung zu den kontroversen Diskussionen ihrer beiden Bücher und sprach vor laufender Kamera über intimste Ängste, Lampenfieber, und „gephotoshopte Models“ als falsches Frauenideal.

 

Endlich bei der Island Ausstellung angekommen, war mir nach einem kurzen Rundgang schon klar; ich kann Hannahs gestriger Beschreibung voll und ganz zustimmen. Die gigantischen Leinwände zeigen lesende Menschen, und würden sie nicht hier und da den Kopf bewegen, könnte man meinen, man stehe vor riesigen Fotografien auf Leinwänden. Durch den sehr dunkel gehaltenen Raum und die gezielt eingesetzten Spots auf historische Bücherregale oder antike Schreibmaschinen wird eine ehrfürchtige, beinahe mystische Stimmung erzeugt, getreu dem Motto „Sagenhaftes Island“. Um diesen Eindruck noch weiter auf mich wirken zu lassen, betrat ich eine Art Quader aus Leinwänden, auf dem die imposantesten bewegten Bilder der isländischen Natur projiziert wurden; weite grüne Landschaften wurden abgelöst von gewaltigen Vulkanausbrüchen, gefolgt von Landstrichen aus der Vogelperspektive, deren Ansicht sich in den Wolken und dem blauen Himmel verloren.

 

Diese beeindruckende Präsentation und das besondere Ambiente des Ehrengastes Island bildeten für mich den großartigen Abschluss eines ereignisreichen und aufregenden zweiten Tages auf der Buchmesse. Ich bin gespannt und freue mich auf morgen…!


Tag #3 (14.10.2011)

Dritter Tag der Buchmesse Frankfurt – von Bastian Appel

Drei Tage Buchmesse- das bedeutet drei Tage staunen, drei Tage in den Regalen der Verlage stöbern, drei Tage Lesungen lauschen, drei Tage Slalom-Parcours vorbei an Trollies und übergroßen Tüten voller Give-aways, aber vor allem bedeutet es drei Tage voller Begeisterung für Bücher und alles was dazugehört.

Da es für mich der letzte Tag der Messe sein sollte, hatte ich mir vorgenommen nochmal besonders viele Veranstaltungen zu sehen, möglichst alle Autoren zu fotografieren, in jedes angebotene Hörbuch hinein zu lauschen und selbstverständlich jedes einzelne Buch auf der Messe zu lesen.




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Und auch wenn ich noch gerne in das eine oder andere Buch hineingeschaut hätte, ich würde lügen, behauptete ich die letzten Tage hätten nicht auch ein wenig Spuren an mir hinterlassen. „Läufer sind schlechte Geher“- so sprach einst Mariane von Ebner Eschenbach und so entschied ich mich dafür, heute das Gehen dem Laufen vorzuziehen. Zwar hatte ich durchaus so manchen sehenswerten Punkt auf meinem mentalen Messeplan, wichtiger war mir aber heute noch einmal das besondere Flair der Buchmesse und seiner Gäste auf mich wirken zu lassen.

 

So dauerte es nicht lange und ich fand mich am Diogenes-Stand wieder, wo Benedict Wells für seine (meist weiblichen) Fans geduldig mit seitenlangen Widmungen deren Exemplare seines Romans „Fast Genial“ signierte. Ein Highlight für das LZG wird mit Sicherheit Anfang nächsten Jahres sein Besuch bei uns im Zentrum, wenn er aus seinem Roman liest.

Als nächstes zog es mich zum 3sat-Stand, bei dem ich ja auch gestern schon mal vorbeigeschaut hatte; heute nahm der diesjährige Gewinner des renommierten Georg-Büchner-Preises Friedrich Christian Delius auf der Couch bei Ina Hartwig Platz und sprach über seine literarische Vergangenheit, die 68er Bewegung und ließ sich auch von einem defekten Mikro nicht aus der Ruhe bringen.

 

Eine ähnliche, wenn auch etwas „lebhaftere“ Souveränität begegnete mir im ARD-Forum bei der zuletzt mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Literatursendung „druckfrisch“ mit Denis Scheck. Sein heutiger Interviewpartner war kein geringerer als Umberto Eco, der mit seinem Roman „Im Namen der Rose“ im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte geschrieben hat. Bevor er jedoch näher auf seinen neuen Roman „Der Friedhof in Prag“ einging, sprach er mit Scheck über seine Leidenschaft des Büchersammelns. So bezeichnete er sich selbst als „bibliophil“, verglich zwinkernd das haptische Gefühl eines Buchs in den Händen mit den Berührungen einer wunderschönen Frau. Nach dem Gespräch wurde der Autor durch die Menge an einen kleinen Stand geleitet, an dem er noch geraume Zeit Bücher signierte.

 

Auch kulinarisch wurde einiges geboten, so konnte ich TV-Koch Steffen Henssler in der Gourmet Gallery bei der Zubereitung einer Garnelenpfanne beobachten und lerne nebenbei den Unterschied zwischen „fresh-water“ (nicht so gut)- und „sea-water“ (gut)- Garnelen. Leider konnte ich keine der Kostproben ergattern. Bis der Teller bei mir ankam, war er schon leer…

 

Nachdem ich meinen geschürten Heißhunger auf die prächtigen Garnelen mit einer Portion Pommes vom Imbiss enttäuschen musste (die Preise waren dabei das einzig gesalzene), ließ ich mich durch die Hallen 3 und 4 treiben. Besonders auffällig war im Foyer der Halle 4 der Bereich „LitCam!“. Zunächst zeigten die unterschiedlichsten Wort-Akrobaten ihre Kunststücke beim Poetry Slam, allen voran Tilman Döring, der mit dynamischen, durchdachten und anregenden Texten seine Zuschauer zu bannen wusste.


Als ich kurze Zeit später wieder an selber Stelle vorbeikam, hatte sich eine Gesprächsrunde eingefunden, die über die erschreckend große Zahl von Analphabeten in Deutschland und die Gründe dafür diskutierten. Einer der Teilnehmer dieser Runde war Christoph Biemann, besser bekannt als „der mit dem grünen Pullover aus der Sendung mit der Maus“. Eifrigen Verfolgern der LZG-Aktivitäten dürfte er außerdem noch von seiner Lesung im Rahmen der Gießener Bilderbuchtage vor kurzer Zeit in guter Erinnerung sein.

 

Und auch eine junge Gießener Autorin, Marlene Röder, stellte ihr Buch „Melvin, mein Hund und die russischen Gurken“ vor und las noch einen kurzen Auszug des Romans, in dem ein Hund mit einem grünen Irokesen eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt.

Neben einer Autogramm-/Zeichen-/Fotostunde mit dem Autor und Zeichner der „Nicht lustig“- Reihe Joscha Sauer, einem Interview mit Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit oder der Verleihung des „Cartoon Preises für junge Talente“ gäbe es noch einiges mehr zu erzählen.

 

In die mit Abstand skurrilste Szene der letzten Tage bin ich unverschuldet (!) heute geraten; ich nahm wohl eine Treppenabzweigung zu früh, niemand achtete auf mich. Nachdem ich um die Ecke kam, sah ich mich einer Unmenge von Reportern und mehreren riesigen Fernsehkameras gegenüber, die sich alle auf der Jagd nach dem besten Foto an ein Absperrungsseil drängten. Eine ziemlich perplexe Sekunde (und ich möchte wetten einen großartigen Gesichtsausdruck) später, wurde ich aber auch schon von einer Dame mit Kopfhörern freundlich aber bestimmt zu einem Seitenausgang gebeten. Wie sich herausstellte waren die Reporter wohl doch weniger wegen mir, als mehr wegen Hollywood-Regisseur Roland Emmerich versammelt.

 

Soweit also meine Impressionen der Buchmesse; ich habe viel erlebt, viel gesehen und natürlich viel gelesen. Ich bin gespannt auf Chris‘ Blog von morgen, dem ersten Tag, an dem die Messe für das lesefreudige Publikum seine Pforten öffnet.

 

Ach ja; für mich der wohl interessanteste Buchtitel der Messe: „Ausdruckstanz ist auch keine Lösung“ ;)


Tag #4 (15.10.2011)

Vierter Tag der Buchmesse Frankfurt – von Chris Krizsak

Der vierte Tag der Buchmesse geht zu Ende und wieder wurde dem Besucher so einiges an spannenden Veranstaltungen geboten. Da es für mich erst der zweite Messetag war, lag es mir natürlich besonders am Herzen, möglichst ein paar der isländischen Autoren direkt zu erleben, denn die hiesige Islandbegeisterung erregte wohl so viel Aufsehen wie vermutlich seit dem Jahre 1999 nicht mehr, als Ungarn Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war.




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Vor allem die Lesung mit dem jungen Romancier Steinar Bragi hatte es mir angetan, der seinen neuen Roman "Frauen" vorgestellt hat, in dem er ein sehr radikales Bild Islands vor der Finanzkrise entwirft. Das Buch wurde dort beim Erscheinen heftig diskutiert.

Im Anschluss daran gab es den Animationsfilm "Thor - Legends of Valhalla" zu sehen, der in diesem Jahr für wahre Zuschauerfluten in den isländischen Kinos gesorgt hat. "Legends of Valhalla" erzählt mit allerlei Anleihen an die nordische Mythologie die Geschichte des Göttersohnes Thor, der mit einer magischen Waffe ausgestattet sich einer bösen Königin und ihren Heerscharen von Giganten entgegenstellt, dies alles auf eine sehr komödiantische Art. Stellenweise hat mich der Film besonders an die erste Shrek-Verfilmung erinnet, was durchaus positiv gemeint ist.

 

 

Beim anschließenden Schlendern durch die verschiedenen Messehallen traf ich mehr aus Zufall auf den Schweizer Autor Urs Widmer, der am Stand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Gespräch mit dem Redakteur Jochen Hieber führte. Widmer las einige Stellen aus seinem Kurzgeschichtenband "Stille Post" vor und beantwortete danach sehr sympathisch Fragen zu seinem mittlerweile mehr als vierzigjährigen literarischen Schaffens.

Für mich persönlich das Highlight der Messe war das Interview mit Tilman Spreckelsen und Kat Menschik, die ihr jüngst erschienenes Buch "Der Mordbrand von Oernolsdalur" präsentiert haben, das die fünf spannendsten Isländer-Sagas nacherzählt und mit poetischen Illustrationen versehen hat. Ich habe das Buch verschlungen und kann es jedem nur herzlich empfehlen.

 

Auch wenn die Frankfurter Buchmesse für einen Poetry Slam wahrscheinlich den falschen Rahmen bietet, war das "Duell der Dichter" im Foyer dennoch eine gelungene Showeinlage, bei dem sich bekannte wie eher unbekannte Slammer aus dem Rhein-Main-Kreis ein Stelldichein gaben. Besonders die Performance vom Frankfurter Slammer Dalibor hat mir unglaublich gut gefallen, was bei einer solchen Szenegröße auch natürlich zu erwarten war.

 

 

Für die historisch interessierten Besucher bot das Gutenberg-Museum  ein ganz besonders Schmankerl an, denn die Betreiber haben in diesem Jahr eigens eine originalgetreue Druckmaschine herangeschafft. Am Stand konnte man einer Druckvorführung beiwohnen und hautnah erfahren, was für eine Schweißarbeit mit dem Druckerberuf im 15. Jahrhundert verbunden war. Da nimmt es nicht Wunder, dass damals im Jahr nicht mehr als 180 Bibeln von Gutenberg und seinen Mitarbeitern angefertigt werden konnten.

 

Alles in allem hat mir die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr deutlich besser als im Vorjahr gefallen, wenn ich auch aufgrund der großen Besuchertrauben nicht alle Events besuchen konnte, die ich mir vorher im Kalender rot angestrichen hatte. Die Anreise hat sich jedenfalls trotzdem gelohnt und andererseits ist es ja auch ein gutes Zeichen, dass eine Buchmesse auch in Zeiten der immer stärker werdenden digitalen Medien auf eine solch große Resonanz stößt.



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