Frankfurter Buchmesse 2017 

Tag 1: 10.10.2017

Erster Tag der Frankfurter Buchmesse 2017 - eine vielfache Betrachtung

Das LZG besuchte auch in diesem Jahr wieder die Frankfurter Buchmesse. Eindrücke, Erfahrungen und noch mehr "Lesenswertes" finden Sie in den folgenden Berichten. Viel Vergnügen beim Lesen!




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Julias Messeimpressionen
 

 

 

 

Denis Scheck stellt Tops und Flops der Bestsellerlisten vor

 

Unda Hörner mit Kafka und Felice auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage

 

Bloggertreffen beim S. Fischer-Verlag

Mein Buchmessetag – von Julia Lotz

Auch dieses Jahr empfängt Frankfurt zahlreiche Buchbegeisterte in den Messehallen zur Frankfurter Buchmesse. Für mich ging es am Mittwochmorgen ebenfalls los. Schon zum fünften Mal durfte ich dabei sein – sowohl als Privatbesucher, aber auch als Bloggerin. Denn seit über drei Jahren führe ich meinen eigenen Literaturblog „Miss Foxy reads“ und obwohl ich so gesehen „vom Fach“ und ein „alter Messehase“ bin, war ich auch dieses Jahr wieder aufgeregt und voller Vorfreude.


Da wir schon sehr früh auf der Messe ankamen, hatte ich zunächst Zeit, gemütlich durch die Hallen zu schlendern und mir die Stände der verschiedenen Verlage anzuschauen. Bei Carlsen entdeckte ich z.B. viele Bücher aus dem neuen Graphic Novel-Programm und auch der dtv Verlag hat einige interessante Neuerscheinungen ausgestellt.
Um 10:30 Uhr zog es mich direkt zur ARD-Bühne, auf der Bodo Kirchhoff seinen neuen Roman Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt vorstellte. Im Roman geht es um einen Schriftsteller, der als sogenannter Gastkünstler oder Infotainer auf eine Kreuzfahrt eingeladen wird. Diese Einladung schlägt er allerdings aus, aber nicht ohne der Kreuzfahrtgesellschaft zu erklären, warum. Mit viel Humor schrieb Kirchhoff seinen Antwortbrief nieder und baute dabei die Eigenarten einer Kreuzfahrt ein, deren Gäste er als „Bürger eines eigenen Staates“ sieht.

Direkt im Anschluss erwartete uns Denis Scheck mit seinem „Best of Druckfrisch“ ebenfalls auf der ARD-Bühne. In der gleichnamigen Sendung liest und beurteilt er regelmäßig die Bücher der deutschen Bestsellerliste und das auf kritische, aber auch humorvolle Art. Einige Tops und Flops stellte Scheck den Besuchern vor: Besonders das Werk Es ist Liebe, indem der Autor banalste Social Media Postings als literarische Texte identifiziert, konnte bei ihm nicht punkten. Sehr empfehlenswert allerdings seien u.a. die Bücher zweier Preisträger. Die Hauptstadt von Robert Menasse, der erst am Montag mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, begeisterte ihn ebenso wie Der begrabene Riese von Kazuo Ishiguro, der kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. 

 

Danach war kurz Zeit, um weitere Verlagsstände zu besuchen. Zum ersten Mal ging es auch in Halle 4.1 in der neben österreichischen und Schweizer Verlagen auch kleine, unabhängige Verlage aus Deutschland vertreten waren. Dort erwartete mich eine Lesung mit Unda Hörner auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage. Ihr Roman Kafka und Felice erzählt von der fünf Jahre währenden Liebesgeschichte Franz Kafkas und Felice Bauers und den zahlreichen Briefen, die in dieser Zeit gewechselt wurden und dem gut recherchierten Roman als Grundlage dienten. Die kurzen Passagen, aus denen Unda Hörner las, waren fesselnd und sehr atmosphärisch.

 

Nach einer kleinen Mittagspause mit einigen Freunden, die bereits heute schon auf der Messe waren, und einer Diskussionsrunde zum Thema „Literaturkritik im Netz“ wartete ein kleines Highlight auf mich, das den Tag würdig abschließen sollte. Dafür ging es raus aus dem Messegelände und rein in die S-Bahn, die mich nach Frankfurt Süd bringen sollte. Dort ist in der Hedderichstraße der Fischer Verlag ansässig, der mich und ein paar andere Blogger zu einem kleinen Zusammentreffen eingeladen hat. Bei einem gemütlichen Beieinander wurde uns das kommende Programm aus Kinder-, Jugendbuch und Belletristik vorgestellt und außerdem ein kleiner Einblick in das Programm von Fischer TOR gegeben. Danach war die österreichische Autorin Sabine Schoder zu Gast. Ihr Roman Liebe ist was für Idioten. Wie mich. erhielt durchweg positive Kritiken und übertraf alle Erwartungen. Nun ist ihr zweiter Roman frisch auf dem Markt und die Autorin präsentierte sich sehr offen, sympathisch und nett und beantwortete über eine Stunde lang zahlreiche Fragen.

Nach über 12 Stunden – die sich jedoch durchweg gelohnt haben – ging es für mich zurück nach Gießen. Im Gepäck: eine Menge Vorfreude auf die kommenden vier Tage.

 

Thomas Lehr mit Schlafende Sonne

 

Marion Poschmann im Gespräch über Die Kieferninseln

 

Jürgen Becker auf dem blauen Sofa

 

Édouard Louis über seinen Roman Im Herzen der Gewalt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jana Hensel auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage mit Keinland

 

Uwe Timm spricht über seinen Roman Ikarien

 

Mein Buchmessetag – von Katharina Körber 

Ich muss diesen Eintrag mit einem Geständnis beginnen: Das ist meine erste Buchmesse. Ich war dementsprechend aufgeregt, habe wenig geschlafen und bin noch vor dem viel zu früh gestellten Wecker aufgewacht. Die Fahrt von Gießen nach Frankfurt verging für mich in einer Art Dämmerzustand. In Frankfurt angekommen, verschaffte ich mir erst einmal einen groben Überblick über die Hallen 6 und 3, die mich am meisten interessierten. Als ich durch Halle 3 streifte, kam ich am Stand vom Deutschlandfunk vorbei. Mein Interesse wurde dadurch geweckt, dass dort gerade Thomas Lehr interviewt wurde, der mit seinem Roman Schlafende Sonne für den Deutschen Buchpreis 2017 nominiert war. Auf die Frage hin, wie die Komplexität des Romans entstanden sei, und ob ein Leser das überhaupt noch nachvollziehen könne, sagte Lehr etwas, das mich sehr beeindruckte: „Das Chaos ist komponiert.“ Je komplexer die Handlungs-, Erzähl- und Zeitebenen, desto umfassender sei auch die Planung eines Romans. Die Leserinnen und Leser sollen, so Lehr, anschließend das Vergnügen haben sich im Roman zu verlieren – und im besten Falle auch wiederzufinden.


Im Anschluss wurde ein weiterer Roman der Shortlist des Deutschen Buchpreises vorgestellt, nämlich Die Kieferninseln von Marion Poschmann. Die Autorin berichtete über ihre eigene Japan-Erfahrung und inwieweit diese eine Inspiration für ihr Werk war. Sie beschrieb Die Kieferninseln als zauberhafte Geschichte, die ihren Ursprung in einer japanischen Dichtertradition hat. Seit Jahrhunderten, so sagte Poschmann, pilgerten japanische Dichter zu den Kieferninseln, weil diese als einer der schönsten und poetischsten Orte Japans galten. Doch die zwei Helden des Romans, der mit einem Roadmovie verglichen wurde, sind weder Dichter, noch auf der Suche nach Poetik. Genau genommen stehen beide an einem Tiefpunkt in ihrem Leben, als sie sich begegnen. Da mehr nicht verraten wurde, werde ich mir diesem Roman dringend kaufen und ihn lesen müssen, um meine Neugier auf die weitere Handlung zu stillen.

 

Anschließend an dieses Interview wechselte ich die Halle, um zum bekannten blauen Sofa zu gelangen, wo der Büchner-Preis-Gewinner von 2014, Jürgen Becker, sein Journalgedicht Graugänse über Toronto vorstellte. Auf diesen Termin hatte ich mich schon gefreut und wurde nicht enttäuscht. Becker berichtete von seiner vermeintlich verlorenen Kindheit zwischen 1939 und 1947 und davon, wie diese sein Werk nach wie vor beeinflusst. Er erzählte weiter, er sei einen Tag nach dem Mauerfall nach Leipzig gefahren und habe nach dem 9. November 1989 eine Zeit der Entdeckung und Wiederentdeckung seiner Heimat und der dazugehörigen Landschaften erlebt. Um diese Landschaften, die – wie er sagte – „seine Kindheit waren“, geht es in seinem Journalgedicht. Becker wurde gefragt, warum er überhaupt schreibe, und seine Antwort hat mich sehr bewegt. Er sagte sinngemäß: „Wenn der Leser etwas über sich selbst erfährt, über seine Erfahrungen und Erinnerungen, dann hat das Schreiben für mich einen Sinn.“ Da ich ein großer Lyrik-Fan bin, und Jürgen Becker für einen großartigen Autor halte, war dies definitiv eines meiner heutigen Highlights.

 

Nach einer kleinen Mittagspause besuchte ich das Interview der Süddeutschen Zeitung mit Édouard Louis, dem 25-jährigen „neuen Star“ der französischen Literatur. Das Gespräch wurde auf Französisch geführt und zwischendurch auf Deutsch übersetzt. Dass Louis in seinem Alter, er ist immerhin nur knappe drei Jahre älter als ich, bereits so großen Erfolg hat, finde ich wahnsinnig beeindruckend. In seinem zweiten Roman, Im Herzen der Gewalt, geht es, wie auch schon in seinem ersten Werk Das Ende von Eddy, um die Armut der Arbeiterklasse in Frankreich. Louis Werke sind hochpolitisch und greifen auch die kontemporäre Politik Frankreichs an. Didier Eribon, der ebenfalls auf der Buchmesse zu Gast ist und mit dem Louis eine „enge, beinahe symbiotische Arbeitsbeziehung“ pflegt, hatte sich geweigert, die Buchmesseneröffnung zu besuchen, da er Emmanuel Macron als „not my president“ bezeichnete. Auf die Nachfrage, wie Édouard Louis dazu stehe, sagte er nur, er wäre nicht von französischer, sondern von deutscher Seite zur Eröffnung eingeladen worden, weil seine linke Einstellung der französischen Regierung wohl nicht genehm wäre. Ich fand es ungeheuer spannend zu sehen, wie politisch die Buchmesse sein kann, und wie Präsident Macron von manchen Franzosen wahrgenommen wird. Als Loius nach dem Titel seines Romans gefragt wurde, erklärte er, er sei ein Bezug auf Michel Foucaults L’Histoire de la sexualité, in dem Foucault beschreibt, wie sexuelle Normen festgesetzt werden. Alles was dann außerhalb der Norm getan werde, sei pervers und somit verdammt. Louis äußerte, dass genau darin die Gewalt liege, in dem festsetzen einer Realität, die nicht auf jeden zutreffe. Das gelte auch für den Diskurs über Armut in Frankreich. Er habe sich bei dem Roman gefragt, wie man den Menschen trotzdem eine Sprache geben könne, und er hoffe, es sei ihm gelungen. Ich finde es unfassbar, wie sich Louis diesen Dingen mit völliger Offenheit stellt und bin mir sicher, dass wir von ihm in den nächsten Jahren noch viel hören werden.

Bei der Leseinsel der unabhängigen Verlage las Jana Hensel aus ihrem Liebesroman Keinland, der gerade bei Wallstein erschienen ist. Ich habe den Roman schon gelesen, war aber auf die Lesung der Autorin gespannt, weil ich finde, dass es immer etwas ganz Besonderes ist, den Text von der Person vorgetragen zu bekommen, die ihn auch verfasst hat. Die Lesung hat mir gut gefallen, da Hensel die ganz besondere Sprache ihres Romans poetisch vermitteln konnte. Obwohl ich – zugegeben – meine Schwierigkeiten mit Keinland hatte, finde ich den Roman sprachlich und thematisch durchaus interessant.

 

Zum Abschluss meines Tages habe ich mir das Interview mit Uwe Timm bei der Süddeutschen Zeitung angehört. Er sprach über seinen neuen Roman Ikarien und die zentralen Figuren des Werkes. Besonders interessant fand ich allerdings, wie Timm von seinen Kindheitserinnerungen im zerbombten Hamburg berichtete, die ihn nach eigener Aussage nachhaltig geprägt haben. Ein Satz, der mir sehr im Gedächtnis geblieben ist, ist der folgende: „Meine Erinnerung ist, dass sich die Erwachsenen mit Kriegsende von einen auf den anderen Tag verändert haben.“ Diese abrupte Wende in den Leben der Menschen, beschreibt Timm auch in Ikarien, welches im Jahr 1945 spielt. Timm hat auch den Einmarsch der Amerikaner in Norddeutschland als Kind bewusst miterlebt und dies – bewusst oder unterbewusst – in seinen Roman einfließen lassen. Der Protagonist Michael Hansen, der gebürtiger Deutscher ist, kehrt als amerikanischer Offizier nach Deutschland zurück und soll herausfinden, welche Rolle ein bedeutender Eugeniker im NS-Deutschland gespielt hat.
Mein Fazit: Die Konsequenzen dieses Tages werden mich einiges kosten; ich werde sehr viele neue Bücher kaufen müssen. Aber das gleicht sich aus, denn ich bin nach den heutigen Erfahrungen und Eindrücken umso reicher. 

Buchpreisträger Robert Menasse mit Die Hauptstadt auf dem blauen Sofa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Denis Scheck lobt die französische Autorin Sophie Divry

 

Uwe Timm im Gespräch mit dem SPIEGEL

 

 

Michel Houellbecqs Lesung aus Unterwerfung war restlos ausverkauft

Mein Buchmessetag - von Rica Burow

Seit Wochen habe ich mich schon auf die Frankfurter Buchmesse gefreut. Zum einen, weil ich zum ersten Mal auf einer Buchmesse sein werde und alles ganz neu sein wird. Zum anderen, weil das diesjährige Gastland Frankreich ist. Und da ich neben deutscher auch französische Literatur studiere, hatte ich umso mehr Spaß an den vielen Lesungen und Gesprächen. Aber alles der Reihe nach.


Hochmotiviert und super neugierig saß ich am Mittwochmorgen im Zug Richtung Frankfurt und Messegelände. Meine erste Veranstaltung, die ich unbedingt besuchen wollte, war die Vorstellung des diesjährigen Buchpreisträgers auf dem blauen Sofa beim ZDF. Dieses Jahr wurde der österreichische Schriftsteller Robert Menasse für seinen Roman Die Hauptstadt ausgezeichnet. Die Geschichte seines Buches spielt in der Stadt Brüssel und behandelt das Leben verschiedener Charaktere in der Großstadt. Im Gespräch berichtete er vor allem von seinen Recherchearbeiten für das Buch. Ein Beispiel: Eine seiner Figuren ist dem Holocaust entkommen, indem sie von einem Zug, der nach Auschwitz fuhr, gesprungen ist. Menasse reiste ebenfalls nach Auschwitz, um dort Eindrücke vor Ort zu sammeln. Er bemerkte, so sagte er im Gespräch, dass dieser tragische Ort, der für Tod und Leid steht, doch auch etwas komisch-groteskes besitzt, was er versucht habe in seinem Roman einzubauen. So berichtet er, dass er bei seiner Ankunft in Auschwitz ganz eingenommen von der Bedeutung des Ortes war, was nur durch Kaffestände im ehemaligen Vernichtungslager gestört wurde, die Becher mit der Aufschrift „Enjoy“ verkaufen würden.


Das Buch sei aber auch eine „Verbeugung vor der Stadt“ Brüssel, in der der Autor zeitweise gelebt hat, sei. Er verbinde mit dieser Stadt ein ganz besonderes Lebensgefühl, das er kaum beschreiben könne.


Danach ging es für mich im Sprint direkt hinüber zur ARD-Bühne. Wobei, eigentlich war es eher ein Lauf durch ein Labyrinth, da ich mich zwischen all den Ständen, Gängen und Hallen natürlich verlaufen hatte. Nach langem Suchen habe ich die ARD-Bühne aber glücklicherweise doch noch finden und Denis Scheck sehen können, der in best of: druckfrisch über aktuelle Bücher auf den Bestsellerlisten sprach und urteilte. Ein gutes Wort sprach er auch der französischen Autorin Sophie Divry zu, deren Roman Als der Teufel aus dem Badezimmer kam nun endlich auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Darin geht es um eine junge Frau, die inmitten des alltäglichen Stress’ versucht, „ihr Leben auf die Reihe zu bekommen“. Das Buch steht jetzt ganz oben auf meiner Leseliste und das nicht nur, weil sie in einer vier Seiten langen Auflistung beschreibt, was sie an Männern nicht leiden kann.


Nach einer kurzen Verschnaufpause – das viele Rennen ist nämlich doch sehr anstrengend – wollte ich mir nun endlich einmal die Verlagsstände genauer anschauen. Da ich ja absolut keine Vorstellung davon hatte, was mich erwarten würde, war ich total begeistert von den liebevoll gestalteten Ständen der einzelnen Verlage. Da mir aber auch nicht bewusst war, wie riesig das Gelände bzw. die einzelnen Hallen sind, hatte ich nun einiges zu tun. Beim Stöbern durch die ganzen Neuerscheinungen musste ich aber feststellen, dass meine Bücherwunschliste um fast 20 Bücher erweitert wurde.... Meine letzte Veranstaltung dieses Tages auf dem Messegelände war ein Gespräch beim Stand des SPIEGELs mit meinem Lieblingsautor Uwe Timm. Dieser hat vor nicht allzu langer Zeit das Buch Ikarien veröffentlicht. Auch wenn ich das Buch bereits besitze und vor wenigen Wochen eine Lesung daraus besuchte, bei der ich sogar eine Signatur des Autors erhaschen konnte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, Uwe Timm noch einmal lesen und sprechen zu hören. Timm erzählte vor allem sehr viel von seiner Familie und wie diese versucht hatte, mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs und der eigenen Verstrickung darin umzugehen. Ein hervorstechendes Detail: Die Figur Alfred Plötz aus Ikarien steht in direkter Verbindung zu Timms Familie. Plötz, der zusammen mit Wilhelm Schallmayer als Begründer der Eugenik in Deutschland gilt, war der Großvater seiner Frau.

Mein Highlight, nicht nur des Tages, sondern wahrscheinlich der ganzen Messe, war allerdings die Lesung am Mittwochabend im Schauspiel Frankfurt. Bereits im August habe ich durch Zufall entdeckt, dass der französische Autor Michel Houellebecq nach Frankfurt kommen und sein Buch Unterwerfung vorstellen wird. Glücklicherweise habe ich die Karten direkt gekauft, denn die Veranstaltung war schnell ausverkauft. Die Moderatorin Julia Encke, die für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung arbeitet, erklärte, dass der scheue Schriftsteller ursprünglich nur ganz kurz auf die Bühne kommen wolle und sich dann schnell wieder in den Hintergrund zurückziehen würde. Allerdings konnte Michel Houellebecq es sich nicht nehmen lassen, dann doch einen längeren Monolog zu halten und dabei über die französische Literaturwelt, die Frankfurter Buchmesse, aber auch über die deutsche Pornoindustrie zu reden. Aus seinem Gesellschaftsroman Unterwerfung wurde ebenfalls ein Auszug gelesen. Die Veranstaltung war für mich ein toller Abschluss eines anstrengenden ersten Messetages. 


Tag 2: 12.10.2018

Zweiter Tag der Frankfurter Buchmesse 2017

Auch am zweiten Tag gab es für uns ein umfangreiches Programm und vielseitige Veranstaltungen auf dem Messegelände zu entdecken. 




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In Frankfurt dreht sich diese Woche alles um die Buchmesse

 

 

 

Auf der Messe gibt es allerhand zu entdecken: Lesungen, Workshops, Vorträge, Diskussionen - ja sogar Kochshows.

Mein Buchmessetag – von Marcel Alber

Obwohl ich am Tag zuvor schon einen kurzen Einblick ins Geschehen hatte werfen können, begann die Frankfurter Buchmesse 2017 für mich am Donnerstag, den 12.10., erst so richtig. Bereits Tage zuvor war die Anspannung jedoch in der ganzen Stadt zu spüren. Die meisten Gespräche, die man in den öffentlichen Verkehrsmitteln belauschen konnte, drehten sich um die Messe. Am meisten fürchtete man den Verkehr, der sich im Laufe der Woche drastisch verändern sollte. Als es dann soweit war, und ich mich auf den – für mich glücklicherweise sehr kurzen – Weg begab, erwiesen sich die Befürchtungen schlagartig als wahr. Es war, als drehe sich die gesamte Aufmerksamkeit meiner Heimatstadt in jenem Moment einzig und allein um die Buchmesse. Dank meines Presse- bzw. Bloggerausweises konnte ich die langen Schlangen an den Kassen und das lästige Gedränge einfach umgehen. Ehe ich mich versah, stand ich inmitten des gigantischen Messegeländes. Spätestens hier wurde mir klar, dass ich die Dimensionen dieses Events maßlos unterschätzt hatte. Ich war überwältigt von der Vielfalt an Menschen, Themen und Kulturen, die sich hier zusammenfanden, um ihrer Liebe zum Buch freien Lauf zu lassen.


Ich verabredete mich mit einer weiteren Praktikantin, um das Abenteuer zu zweit bestreiten zu können. Bereits hier stieß ich auf die erste Hürde. Sich zu finden, erwies sich als schwieriger, als ich erwartet hatte. Nach einigem Hin und Her schafften wir es schließlich doch, uns in Halle 6 ausfindig zu machen. Sofort begaben wir uns auf die Suche nach Lesungen, Diskussionen und Events, die wir uns gerne anschauen würden. Wir folgten den Klängen der Mikrofone und dem Applaus, der aus allen Richtungen zu ertönen schien. Ich war darauf eingestellt gewesen, lange und sorgfältig suchen zu müssen, doch kurzerhand wurde mir klar, dass hier hinter jeder Ecke eine interessante Veranstaltung auf mich wartete:
Ich lauschte namhaften Persönlichkeiten, wie beispielsweise Ulrich Kienzle, der über seine Neuerscheinung Tödlich naher Osten sprach und über seine Zeit als Nahost-Korrespondent reflektierte, oder schaute mir einen Workshop von Matthias Matting für angehende Schriftsteller an, die sich durch den gezielten Einsatz von Metadaten von der grauen Masse im Internet abheben wollen, und besuchte Lesungen aus Romanen rundum Themen aus aller Welt und Zeit, wie Oh Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten, in dem Julia Korbik und Gesine Schwan von Simone de Beauvoir berichten. Zufällig entdeckte ich sogar eine recht unterhaltsame Kochshow des Fernsehkochs Christian Henze, der sein neues Rezeptbuch So kocht man heute vorstellte.


Am Ende des Tages hatte ich das Gefühl, mich langsam, aber sicher zurecht gefunden zu haben und freute mich darauf, am Samstag – dem Tag, an dem die Tore der Messe auch für tausende Privatpersonen geöffnet werden würden – wiederzukehren.


Tag 3: 13.10.2017

Dritter Tag der Frankfurter Buchmesse 2017 - eine vielfache Betrachtung

Die Hallen werden voller: Erlebnisse und Eindrücke von Tag 3 der Frankfurter Buchmesse.




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Podiumsdiskussion anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts 2018

 

Klaus Cäsar Zehrer stellt seinen Debütroman Das Genie im Lesezelt vor

 

Gutenberg-Presse und Comicausstellung im Pavillion des Gastlandes

 

Mithilfe neuester Technik abtauchen in die virtuelle Realität eines Comics

 

Mein Buchmessetag – von Rica Burow

Zwei Tage Messe liegen nun hinter mir und ich habe immer noch Probleme, die richtigen Hallen zu finden. Mein Orientierungssinn scheint wirklich nicht der beste zu sein. Mein Plan für den letzten Messetag bestand darin, den Ehrengast-Pavillon einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und mir das ein oder andere Gespräch anzuhören.


Also habe ich fix die erste Halle und den richtigen Stand gesucht und war dann tatsächlich sogar zu früh. Am Stand von vorwärts, der Zeitung der SPD, fand ein Gespräch zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts statt, das wir im nächsten Jahr feiern können. Die Literaturwissenschaftlerin Isabel Rohner und die Journalistin Rebecca Beerheide haben dazu ein Buch veröffentlicht. Darin versammeln sich Texte von Frauen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, die das Frauenwahlrecht beschreiben und über die heutige Situation der Frau diskutieren. In der Podiumsdiskussion sprachen die beiden Frauen vor allem über die Entstehungsidee des Buches. Isabel Rohner berichtete aber auch, dass die Gleichstellung der Frau noch immer ein Prozess sei und weiter verfolgt werden müsse. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, Elke Ferner, brachte noch weitere Anregungen mit in das Gespräch ein, in welchen Bereichen die Gleichstellung der Frau vorangetrieben werden müsse. Besonders wichtig war ihr der Bereich der Arbeit und des Gehaltes. Dort sieht sie weiterhin einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen und wünscht sich, dass dort Verbesserungen erreicht werden.


Direkt nach dieser Veranstaltung bin ich hinaus auf den großen Platz mitten auf dem Messegelände und hinein in das Lesezelt gespurtet. Dort war bereits Klaus Cäsar Zehrer auf der Bühne, der über sein Romandebüt Das Genie sprach. Dieses Buch steht ebenfalls ganz oben auf meiner Leseliste, da es einen wahren Hintergrund hat: Es geht um das amerikanische Wunderkind William James Sidis, das mit einem speziellen Lernprogramm erzogen wurde und somit zu einem der (wenn nicht sogar dem) intelligentesten Menschen der Welt wurde. William James Sidis, der 1898 bis 1944 gelebt hat, konnte mit eineinhalb Jahren lesen und schreiben, hat mit acht Jahren astrologische Bücher geschrieben und seine eigene Sprache erfunden und mit elf einen Vortrag über die 4. Dimension an der Elite-Universität Harvard gehalten. Nach dem Gespräch war ich noch viel gespannter auf das Buch und sah mich am kommenden Montag schon in der Buchhandlung stehen...


Nun wollte ich die Messe gemütlich ausklingen lassen und verbrachte die letzten Stunden im Ehrengast-Pavillon. Auch dort gibt es einiges zu sehen. Direkt neben der großen Bühne steht eine Gutenberg-Presse, mit der ausgewählte Autoren und Autorinnen jeweils eine Seite ihres zuletzt erschienenen Buches drucken. Auch Valérie Zenatti, die am Mittwoch für eine Lesung im LZG war, gehörte zu den ausgewählten Schriftstellern. Bei dem Andrang konnte man erkennen, dass der Entstehungsprozess eines Buches ohne die Technik, wie wir sie heute kennen, doch große Mühe bedeutete. Aber auch für die Schriftsteller war es eine neue Erfahrung und auch sie waren interessiert bei der Arbeit.


Ein großer Teil der Ausstellung im Pavillon wurde dem französischen Comic, oder auf Französisch bande dessinée, gewidmet. Nicht nur Klassiker wie Asterix waren zu sehen, sondern auch ganz neue und kleine Comics. Und auch die gesellschaftliche Bedeutung des Comics wurde in den Fokus gerückt. Das beste Beispiel dazu ist ein Abschnitt zu Comic und Satire. Die wohl bekanntesten Satirecomics sind die der Zeitschrift Charlie Hebdo, die nach einem Anschlag auf die Redaktion 2015 auf traurige Weise auf der ganzen Welt bekannt wurde. 


Im kompletten Gegensatz dazu standen die technischen Erneuerungen im Literaturbetrieb. Ganz besonders hat es mir eine Virtual-Reality-Brille angetan, mit deren Hilfe man sich in der virtuellen Realität eines Buchs von Kapitel zu Kapitel fortbewegen kann. Das Buch war eine Art Comic, das ganz ohne Sprache auskam. Man bewegte sich dort als ein Mann und folgte Pfeilen. Durch Zwinkern und Anvisieren verschiedener Punkte konnte man sich dann im Raum fortbewegen und umschauen. Definitiv eine Beschäftigung, in die man sich genauso gut verlieren kann wie in das Lesen: Ich habe mich eine ganze Stunde lang nur in dieser Geschichte bewegt und alles um mich herum vergessen.

Nun war es für mich endlich Zeit, zu gehen. Ich konnte es mir aber nicht nehmen lassen, noch ein Buch zu kaufen. Im Ehrengast-Pavillon wurden vor allem französische Bücher verkauft und ich habe dort den Titel Paris mon amour entdeckt und direkt mitgenommen. Schnell noch einmal von oben über das Messegelände geschaut und dann hieß es „Au revoir – et à bientôt!“

 

Lea-Lina Oppermann sprach mit jungen Fans über ihr Buch Was wir dachten, was wir taten

 

 

 

 

Ein Selfie mit Daniel Kehlmann

 

 

 

 

 

 

 

Leïla Slimani im Gespräch über Dann schlaf auch du

 

 

 

Mirko Bonné wird beim Lesen gefilmt

 

Udo Lindenberg präsentiert seinen Bildband Stärker als die Zeit

 

Mein Buchmessetag - von Katharina Körber

Nachdem mein Tag gestern sehr gehetzt begonnen hat, ging heute alles ganz gemächlich zu. Auch wenn der Zug ein bisschen Verspätung hatte und sich meine Pläne dadurch etwas verschoben haben, bin ich gut gelaunt in den Tag gestartet. Ich hatte mir vorgenommen, meinen letzten Buchmessetag zu genießen. Los ging es um 10:30 Uhr mit der ersten Veranstaltung, dem ARTE Wake-up Slam. Zu Gast waren Katinka Buddenkotte und Frank Klötgen. Buddenkotte trug einen sehr lustigen, feministischen Text vor, der davon handelte, dass es die größte Errungenschaft einer Frau sei, wenn man über sie sagt, sie sei „schön bis zum Schluss“ gewesen.


Nach dieser schönen Einstimmung, wechselte ich zum ersten Mal die Halle – das würde ich heute noch sehr oft tun, aber dazu später mehr – und ging zum Stand von Beltz, wo Lea-Lina Oppermann Fragen zu ihrem Debütroman Was wir dachten, was wir taten beantwortete. Leider war dieser Termin nicht so ergiebig für mich, da ich dieses Jugendbuch nicht gelesen hatte, und es keine Einführung zum Roman gab, sondern eher eine Fragestunde für junge Fans. Trotzdem klingt das Thema des Romans ungeheuer spannend: An einer Schule gibt es einen Amoklauf, der alle, Schüler und Lehrer, dazu zwingt, ihre Geheimnisse preiszugeben und darüber nachzudenken, wie viel Unrecht sie selbst in ihren Leben schon getan haben. 

Kurz entschlossen verließ ich den Stand früher und wechselte erneut die Halle, um mir rechtzeitig bei „3sat liest“ einen Platz zu sichern, wo Daniel Kehlmann in einer halben Stunde zu Gast sein sollte. Als ich dort ankam waren die Sitzplätze bereits belegt, aber ich ergatterte einen sehr guten Stehplatz. Als Kehlmann dann dort war, wurde er gefragt, inwieweit Serien sein Erzählen beeinflussen und wie er den zunehmenden Erfolg von Serien durch Netflix und Co. bewerte. Auch wenn ich es spannend fand, die Meinung eines so prominenten Autors zu dem Thema zu hören, war ich doch ein bisschen enttäuscht, dass bei „3sat liest“ gar nicht gelesen wurde. Ich hätte gerne einen Auszug von Kehlmanns neuem Roman Tyll, von ihm selbst vorgetragen, gehört. Nach dem Interview beschloss ich, noch ein bisschen vor dem 3sat-Stand zu warten, und zu sehen, wer als nächstes zu Gast war. Und dann stand plötzlich Daniel Kehlmann neben mir, der sich wohl gerade auf den Weg zu seinem nächsten Termin machen wollte, und ich habe ihn spontan gefragt, ob ich ein Foto mit ihm machen dürfte. Und da haben wir schon das Highlight meines heutigen Tages: mein Selfie mit Daniel Kehlmann.


Ich blieb tatsächlich danach noch beim 3sat Stand um mir Frank Witzel anzusehen von dem ich, wie ich zugeben muss, vorher noch nichts gehört hatte. Sein Roman Direkt danach und kurz davor, aus dem er auch einen kurzen Auszug las, klang ungeheuer spannend und steht jetzt auf meiner Bücherliste. Witzel stellt durch Mehrstimmigkeit die Vielschichtigkeit verschiedener Perspektiven auf den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit dar. In der Episode, die er las, unterhielten sich Kinder über den Tod ihrer Großväter im Krieg, wobei sie Realität und Fantasie vermischten. Witzel ist es gelungen, mich mit diesem Auszug neugierig auf Direkt danach und kurz davor zu machen, weil er es geschafft hat, den kindlichen Blickwinkel auf beeindruckende Art und Weise einzufangen. Ich freue mich schon darauf, den Roman zu lesen.


Nach einem weiteren Hallenwechsel besuchte ich ein Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Leïla Slimani aus dem Gastland Frankreich. Ich habe jeden Tag versucht, auch mindestens eine Veranstaltung zu besuchen, die im Rahmen des französischen Mottos angeboten wurde. Slimanis Roman Dann schlaf auch du beginnt mit einer schockierenden Szene: das Kindermädchen einer wohlhabenden Familie ermordet die Kinder in ihrer Obhut kaltblütig. Slimani sagte, sie habe einen Roman über unsichtbare Frauen schreiben wollen, und der Roman beleuchte vor allem die Beziehung zwischen der Mutter und dem Kindermädchen. Im Interview kritisierte sie, dass Frankreich immer als Vorreiter der Emanzipation der Frau gefeiert werde, aber dass unter der Oberfläche die Patriarchie noch genau so erhalten sei wie überall auf der Welt. Sie habe mit ihrem Roman somit auch zeigen wollen, was Frauen passieren kann, denen gesagt wird, sie könnten alles sein, wenn dies nicht ihrer Realität entspricht. Diese Veranstaltung hat mich sehr beeindruckt und war für mich heute die aufschlussreichste.


Anschließend beschloss ich, auf dem „Balkon“ von Halle 3 eine Mittagspause einzulegen. Als ich dort auf der Bank saß, meinen überteuerten Kaffee trank und die frische Luft genoss, sah ich zufällig, wie Mirko Bonné gerade gefilmt wurde, als er aus seinem Roman Lichter als der Tag (longlisted für den Deutschen Buchpreis 2017) las. Ich weiß nicht genau, wieso ich mich über diese zufällige Begegnung so freute, vielleicht, weil Momente wie dieser die Magie der Buchmesse für mich ausmachen.

 

Als ich danach Halle 3 durchquerte, fiel mir eine Ansammlung von Bodyguards auf. Da ich sowas auf der Messe noch gar nicht gesehen hatte, fragte ich mich, auf wen sie wohl warteten und beschloss der Sache nachzugehen. Kurz darauf wusste ich dann, was los war: Udo Lindenberg war da. Er hatte am Stand von teNeues einen Pressetermin für seinen neuen Bildband Stärker als die Zeit. Auch wenn ich kein wirklich großer Lindenberg Fan bin, war es doch cool, ihn mal aus nächster Nähe zu sehen. Es wurde mir vor dem Stand aber schnell viel zu voll und ich machte mich auf den Weg zu Halle 4, um meinen letzten Termin auf dem Plan rechtzeitig zu erreichen.


Die britische Erfolgsautorin Paula Hawkins las aus ihren neuen Thriller Into the Water. Obwohl ich kein Fan von Thrillern bin, habe ich ihren vorherigen Roman The Girl on the Train regelrecht verschlungen. Leider fand ich den „Übersetzungspart“ dieser Veranstaltung zu groß – das Publikum hatte einstimmig gesagt, das Interview nicht zu übersetzen wäre völlig in Ordnung, trotzdem waren die Leseparts auf Deutsch mehr als doppelt so lang wie die auf Englisch von der Autorin selbst vorgetragenen. Trotzdem war es beeindruckend, sie live zu erleben, und ich denke, dass ihr neues Buch genauso spannend sein wird, wie das letzte. 

Danach habe ich mich auf den Weg zum Ausgang gemacht und obwohl ich echt erschöpft war von den intensiven letzten drei Tagen, war es doch ein bisschen traurig, sich von der Buchmesse verabschieden zu müssen. Eines kann ich auf jeden Fall mit Sicherheit sagen: das war zwar meine erste Buchmesse, aber nicht meine letzte!

 

Tag 4: 14.10.2017

Vierter Tag der Frankfurter Buchmesse 2017 

Unser Praktikant Marcel hat sich als einziger auch an einem der gut besuchten Publikumstage nochmal auf die Messe gewagt. 

Am Ende dieser ereignisreichen Tage sagt das LZG der Messe auf Wiedersehen – gut gelaunt und voller Vorfreude auf das nächste Jahr. 




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Self-Publisher-Workshop mit Sissi Kandziora und Laura Newman

 

Kleine und große Fans von Mein Lotta-Leben stehen am Signiertisch Schlange

 

Rafik Schami liest aus Sami und der Wunsch nach Freiheit

Mein Buchmessetag – von Marcel Alber

Am Samstag, den 14.10, war es dann endlich soweit: Die ganze Welt hatte Zugang zur Frankfurter Buchmesse. Was ich zuvor noch als „schlimmen“ Straßenverkehr empfunden hatte, wurde nun erheblich übertroffen. Auch als ich mich endlich bis aufs Messegelände vorgekämpft hatte, war ich auf das, was mich erwartete, nicht im Geringsten vorbereitet: Menschenmassen drückten sich im Schneckentempo durch die überfüllten Gänge jeder Halle. Nicht nur den Besuchern, sondern auch den Fachleuten und Autoren, die Signierstunden gaben, war die Frustration regelrecht anzusehen. Nichtsdestotrotz machte mich der Anblick ziemlich glücklich. Denn die Leute nahmen die Mühen in Kauf. Und als das Ziel – eine Lesung, ein Workshop oder einfach nur der Stand des Verlags in dem das Lieblingsbuch erschienen war – erreicht war, sah man in den Gesichtern, dass es sich gelohnt hatte.


Diesmal war ich ganz auf mich alleingestellt, hatte jedoch aus meiner vorigen Erfahrung gelernt. Zielstrebig bewegte ich mich auf die Veranstaltungen zu, die ich mir im Programm markiert hatte. Man merkte der Messe – auch neben den vielen Leuten – an, dass heute etwas anders war. Die Verlage gaben sich alle Mühe, den Privatbesuchern mit kostümierten Darstellern und etlichen Gewinnspielen zu imponieren.
Besonders der Bereich, in dem sich alles um das Selfpublishing drehte, war – vor allem von jungen Leuten – reichlich besucht. Sissi Kandziora, Autorin des Romans New World, erzählte im Gespräch mit Laura Newman, Autorin von Alles, was ich mag, davon, wie ihr Videoportale im Internet dazu verholfen haben, ihr Werk erfolgreich zu vermarkten. Beide schlugen einige Techniken vor, mit denen man potentielle Zielgruppen besser ansprechen könne.


Nichts war jedoch mit den Signierstunden zu vergleichen, für die die Leute stundenlang anstanden. Oft war es schwer zu sagen, wo die Schlangen anfingen und wo sie endeten. Für die Kinderbuchautorin Alice Pantermüller und die Illustratorin Daniela Kohl, die gemeinsam die erfolgreiche Reihe Mein Lotta-Leben geschaffen haben, war das Gedränge beinahe am Größten. Ich war überrascht zu sehen, wie viele Kleinkinder geduldig in den Reihen standen, um die Erfinder ihrer Helden um ein Autogramm zu bitten.
 

Zu Gunsten der Autoren hat sich mit der angestiegenen Besucherzahl auch der Beifall erhöht, den eine jede erfolgreiche Lesung auslöst. So lockte mich die Begeisterung des Publikums an den Stand der Süddeutschen Zeitung, wo Rafik Schami gerade aus seinem Roman Sami und der Wunsch nach Freiheit las, der vom abenteuerlichen Alltag in Damaskus berichtet. Die Geschichte ist geprägt von Höhen und Tiefen, zu denen die Zuhörer immer wieder aufs Neue gebührend reagierten.


Zu guter Letzt habe ich mich noch einmal in die Cosplay-Corner begeben, die dieses Jahr in eine größere Halle verlegt worden war. Wo man sich umschaute, sah man riesige Gruppen in bunten Kostümen. Allerlei Merchandise-Artikel von bekannten Animes und Mangas aus aller Welt wurden angeboten. Es war beeindruckend mitanzusehen, wie viel Elan in das Kreieren des besten Cosplay-Kostüms gesteckt wurde. In meiner langweiligen Alltagsklamotte fühlte ich mich beinahe als Außenseiter. Dennoch verließ ich die Frankfurter Buchmesse letztendlich mit dem Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.

 



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