Frankfurter Buchmesse 2012 

Ulf Erdmann Ziegler:
Ulf Erdmann Ziegler: "Nichts weißes"

Tag #1 (10.10.2012)

Erster Tag der Buchmesse Frankfurt 2012 - eine zweifache Betrachtung

Mein Buchmessetag - von Bastian Appel

Bereits ein ganzes Jahr ist es nun her, dass ich staunend durch die Gänge der Frankfurter Buchmesse gelaufen bin, dabei bemerkenswerte Bekanntschaften machte, in den Genuss kurzweiliger wie spannender Lesungen kam und mich durch die Installation des letzten Gastlandes in das sagenhafte Island entführen lies.

Heute war es dann wieder soweit und das Bücher-Wunderland Buchmesse öffnete erneut seine Tore. Für Studierende ist es eine schöne Sache, dass Ihnen nach Vorlage ihres Studentenausweises auch an den Fachbesuchertagen Einlass in die heiligen Messehallen gewährt wird. Wie könnte man sich auch besser auf das in der kommenden Woche beginnende Semester einstellen, als sich mit Büchern, Autoren, Verlegern, Lektoren und noch mehr Büchern zu umgeben?!




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Arnold Schwarzenegger:"Total Recall"

 

Wolf Haas: "Verteidigung der Missionarsstellung"

 

Dr. Eckart von Hirschhausen

 

Welches der Bücher des laufenden Jahres dabei unbedingt in jedes Regal einer Studenten-WG gehört und welches lediglich zur Stabilisierung des wackelnden Fernsehtisches dient, erläuterte Denis Scheck im ARD Forum. Bei der Live-Übertragung einer Best-of Sendung „Druckfrisch“ kommentierte der Literaturkritiker sowohl die bekannten Bestseller der jüngsten Vergangenheit, sowie Neuerscheinungen und brisante Geheimtipps. Während „50 Shades of Grey“ das Prädikat „selten dämliches Buch“ bekam, hob Scheck neben dem verdienten Buchpreisgewinner 2012 „Landgericht“ von Ursula Krechel noch einige weitere Bücher und deren Autoren lobend hervor. Dazu zählten unter anderem Christian Krachts heiß diskutiertes „Imperium“, Salman Rushdies Autobiografie „Joseph Anton“, Vea Kaisers lustiger Roman „Blasmusik Pop“, aber auch Jenny Erlenbecks „Aller Tage Abend“ sowie Ralf Königs „Elftausend Jungfrauen“ – ein Buch, das man sich in Zeiten von Mohammed-Karikaturen und Filmen schnappen solle, so lange es in Deutschland noch zu haben sei. Für ein ganz besonderes Lesevergnügen in diesem Herbst sorgt nach Schecks Meinung „ “ von Wolf Haas und nach einem ersten Blick ins Buch sowie einer kurzen Lesung mit dem Autor kann ich seine Einschätzung gänzlich nachvollziehen. Doch dazu später mehr..

 

Als nächstes auf meinem semi-spontanen Programm stand eine Lesung im Paschen Literatursalon mit einem Autor der Longlist des Deutschen Buchpreises. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um Ulf Erdmann-Ziegler, der es mit seinem Roman „Nichts Weißes“ sogar auf die Shortlist geschafft hatte. Er beleuchtete im Gespräch die Hintergründe seiner Romanfigur Marleen, die schon von Kindesbeinen an auf der Suche nach der perfekten Schrift ist. Doch trotz ihres späteren Berufs als Typografin droht sie sich selbst auf dieser Suche zwischen den Jahrzehnten und dem aufkommenden Computerzeitalter zu verlieren.

 

Gerne hätte ich mir im Anschluss die Geschichte des Ehepaares Grünbaum durch Inge Geilers Buch „Die Schatten unserer Tage“ angehört. Sie berichtet darin, wie sie hinter der Wandverkleidung ihrer Heizung Dokumente findet, die an das Ehepaar gerichtet sind, welches schließlich nach Theresienstadt deportiert wurde. Da die Lesung jedoch kurzfristig vorverlegt worden war, fand die Veranstaltung leider ohne mich. Diesem organisatorischen Fauxpas folgten noch zwei weitere Lesungen bzw. Präsentationen, die entweder am falschen Ort oder zur falschen Zeit ausgeschrieben waren…was bestimmt weniger nervig gewesen wäre, hätte sich nicht die wachsende Menge an Besuchern genau zwischen zwei dieser ausgefallenen Lesungen eine nicht funktionierende Rolltreppe in beide Richtungen teilen müssen. Hatte ich den Glauben an meine Liste und deren semi-korrekten Zeitplan mittweilweile gänzlich verloren, ließ ich mich durch die Gänge der Halle treiben, in der ich mich gerade befand und wurde auf einen Stand aufmerksam, um den sich immer mehr Besucher zu sammeln begannen. Es handelte sich dabei um den Stand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und zu Gast war Wolf Haas, der Autor, dessen Buch Denis Scheck als so großes Lesevergnügen angepriesen hatte. Mit viel österreichischem Charme gab er einen kurzen Einblick ins Buch und ging dabei auch auf die verschiedenen Experimente der grafischen Darstellung von Schrift ein. So finden sich beispielsweise auf einer Doppelseite je nur eine Zeile, von links unten nach rechts oben. Darauf angesprochen führt Haas aus, dass die größte Kränkung eines Autors der Leser sei, der querlese. Wenn schon querlesen, dann solle er selbst als Autor dafür verantwortlich sein, bemerkt er mit einem Augenzwinkern. Doch das Buch ist viel mehr als eine Sammlung von grafischen Besonderheiten; es bietet Unterhaltung auf hohem Niveau, lässt sich dabei entspannt lesen und strotzt dabei vor Humor und Wortwitz (mit dem einen oder anderen Schmankerl für Sprachwissenschaftler und Linguisten, wie Haas einer ist).

 

Ein kurzer Blick auf die Uhr… halb drei… da war doch was… ein Buch... irgendwie schon… eine Lesung… irgendwie nicht… ein Film… irgendwie schon… oder auch nicht. Wenn ich mich nur erinnern…Total Recall!! Die Schwarzenegger Biografie! Noch ein kurzer Blick auf die Uhr… etwas Zeit hab ich ja noch… ist ja gleich da drüben. Mister Universe…der Terminator…die schönsten wenigsten 70 Worte in einem Film… der Gouverneur… der Autor… der Entertainer. Vor der Tür stehen schwarze Limousinen, Männer mit breiten Schultern, schwarzen Anzügen und noch schwärzeren Brillen. Die Tür geht auf und ich sehe… nix! Das gesamte ARD Forum ist bis zum Anschlag gefüllt und es liegt eine beinahe ehrfürchtige Stimmung in der Luft. Hier und dort ein kurzer Blick auf die Ahnung eines Haarschopfes eines Mannes, der Schwarzenegger sein könnte. Doch auch wenn man ihn nicht sieht, man hört ihn. Er ist präsent, laut, nicht unangenehm! Er spricht von seinem Buch, seinem Leben, der jüngsten Vergangenheit in seinem privaten Umfeld und lässt am Ende offen, wie es mit seinem Leben weitergeht; dazu müsse man schon das Buch lesen. Schließlich kann ich doch noch einen kurzen Blick erhaschen. Er steht auf und verabschiedet sich, wie könnte es anders sein, mit einem Versprechen: „I’ll be back!“, und tobender Applaus geht durch die Menge, bevor sie auseinandergeht. Jetzt noch schnell an den Männern mit den schwarzen Sonnenbrillen, den schwarzen Limousinen und den noch schwärzeren Anzügen vorbei und ab zur nächsten und gleichzeitig letzten Lesung des Tages.

 

Wieder zurück in Halle 4.1, der Autor betritt die Bühne; Dr. Eckart von Hirschhausen! Einst praktizierender Arzt, heute Schriftsteller, Moderator, Kabarettist. Schon der Titel seines neuen Buches lässt auf eine Verbindung dieser Tätigkeiten schließen: „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ Dabei widmet er sich wie gewohnt sowohl den medizinischen Aspekten, die das Phänomen der Liebe begründen, aber auch den philosophischen Ansätzen mit einer großen Portion intelligentem Humor, so dass sich bei dem einen oder anderen Zuhörer ein „Ah-ha“ Erlebnis einstellt. Während seines Auftritts zieht es ihn immer wieder ins Publikum, er spricht die Zuhörer direkt an, eine lockere Stimmung, ein Austausch entsteht. Und doch beeindruckt Hirschhausen immer wieder mit seinen bestechenden und entwaffnenden Argumentationen. So etwa wenn er einen Romantiker und einen Realist gegenüberstellt. Der Romantiker vertritt den Standpunkt, es gäbe auf der Welt für jeden Menschen DEN einen Partner fürs Leben. Der Realist dagegen führt an; wenn sich nur einer für den falschen entscheidet, geht`s für alle nicht mehr auf!

Damit neigt sich der Eröffnungstag der Buchmesse 2012 seinem Ende zu und ich habe noch lange nicht alles gesehen! Ich freue mich besonders auf das virtuelle Klassenzimmer, den Pavillon Neuseelands, von dessen Installation mir bereits vorgeschwärmt wurde, und natürlich auf Bücher, Bücher und noch mehr Bücher! Von daher ganz in der Tradition des Terminators: I’ ll be book!!!

 

Im Kinder und Jugendbuchforum

 

Präsentation des Buchmesse-Ehrengastlandes Neuseeland

Mein Buchmessetag - von Hannah Zirkler

Ich muss gestehen, ich war bis gestern ein Buchmesse-Neuling und somit etwas erschlagen von dem, was mich dort erwartete. Nachdem ich bei einem LZG-Gesprächstermin mit dem Aufbau Verlag dabei sein durfte, bin ich zunächst etwas planlos durch die Gegend geschlendert und habe erst einmal alles auf mich wirken lassen. Das Gewusel und Stimmengewirr, die bunten Farben überall. Dann habe ich mich mit dem Veranstaltungskalender beschäftigt und mir einiges herausgesucht, was ich mir gerne anhören mochte. Zuerst habe ich einen Vortrag einer Illustratorin besucht, bei dem Constanze von Kitzing ihren kreativen Arbeitsalltag beschreibt und auch den Wandel, den dieser Bereich in den letzten Jahren durchgemacht hat. So ist sie der Meinung, dass in Deutschland leider viel zu viel veröffentlich wird, weil es sich verkaufen lässt, sich aber auch immer mehr Nischen auftun. Sie findet auch, dass der deutsche Bilderbuchmarkt viel aktiver werden muss.

 

Danach besuchte ich eine Diskussionsrunde zwischen freien und angestellten Übersetzerinnen und Lektorinnen. Hier habe ich viel über diesen Bereich gelernt, vor allem, dass er glücklich machen kann, aber furchtbar schlecht bezahlt ist. Ein Grund dafür sind vor allem die teuer eingekauften Lizenzen, wodurch weniger Geld für die Buchproduktion bleibt.

Anschließend schlenderte ich durch den Kinder- und Jugendbuchbereich, der noch bunter war, aber auch gemütliche Sitzecken bot. Den Abschluss bildete eine Schokoladenverkostung des Schweizer Verlags El Tipico in der Gourmet Gallery.

Natürlich schaute ich auch noch in der Halle des Ehrengastes Neuseeland vorbei und durfte einer neuseeländischen Köchin beim Zaubern zusehen, während ich im Halbdunkeln unter einem Sternenhimmel vor einem spiegelnden See saß. Alles in allem ein spannender, abwechslungsreicher, aber auch anstrengender Tag auf der Frankfurter Buchmesse, bei dem ich auch für mich einiges mitnehmen konnte, und natürlich auch ein leckeres Stückchen Schokolade.


Tag #2 (12.10.2012)

Zweiter Tag der Buchmesse Frankfurt 2012

Mein Buchmessetag - von Bastian Appel

Tag zwei der Frankfurter Buchmesse 2012 – nach den interessanten Lesungen, Gesprächen und Begegnungen gestern warten erneut die riesigen und bunten Hallen der Messe auf ihre zahlreichen Besucher und ich mittendrin.

Um gleich gebührend in den Tag zu starten, ging es mit einer Tasse Kaffee zum traditionellen „Wake-up Slam“ ins Foyer der Halle 3.1 zum Arte-Stand. Die beiden Slam Poetinnen Julia Balzer und Saba Zebe ließen die Wörter fliegen, jonglierten mit Reimen, Metaphern und Wortspielen und regten gleichzeitig zum Nachdenken an. Der Vorhang der Müdigkeit der Besucher wurde in Wortfetzen gerissen und der beginnende literarische Tag warf seine großen Schatten strahlend voraus. Saba Zere erkannte ich gleich wieder, war sie doch vor einigen Wochen beim Bad Nauheimer Poetry Slam im Sprudelhof angetreten und ich freute mich, neue Texte von ihr hören zu können. Moderiert wurde dieser Slam in Bad Nauheim übrigens von Lars Ruppel, dem Organisator der diesjährigen hessischen Poetry-Slam-Meisterschaften in Gießen und Leiter des Workshops an der Theodor Litt Schule Ende September. 




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Wie ich im gestrigen Blog ja schon angedeutet hatte, habe ich mich auch sehr auf das virtuelle Klassenzimmer gefreut und muss gestehen, dass ich wirklich ausgesprochen enttäuscht war. Erwartet hatte ich multimediale Konzepte, virtual realitiy, oder Informationen über das E-book im Schulbetrieb. Doch das virtuelle Klassenzimmer erwies sich als offener Stand mit 2 Flachbildfernsehern und einer Leinwand, auf denen verschwommene Animationen aus dem Physik-Unterricht erschienen. Mit einer 3D Brille aus Papier und Plastikfolien, ähnlich wie die aus dem Mickey Maus Magazin, wurde das Bild scharf und schaffte den Sprung von der zweiten in die dritte Dimension. Ich möchte keine voreiligen Schlüsse ziehen und vielleicht habe ich auch andere Stände des Klassenzimmers der Zukunft übersehen, aber ob die Animation eines dreidimensionalen Destillierkolbens die Revolution in der Lehre der Naturwissenschaften sein soll, bleibt in meinen Augen fragwürdig.

 

Der Stand nebenan zeigte dabei schon wesentlich mehr Hingabe zur Technologie, war es doch die Vertretung des Genfer CERN-Teams, einer Organisation für Kernforschung mit einem der größten Teilchenbeschleuniger der Welt. Aufsehen erregte CERN im Juli diesen Jahres, als die Entdeckung des letzten Bausteins im Standardmodell der Teilchenphysik bekannt gegeben wurde – das Higgs Boson. Bei dieser Messung, die nicht nur in der Fachwelt als Sensation bezeichnet wurde, waren auch Physiker der JLU Gießen beteiligt.

 

Nachdem ich schon gestern mit dem Paschen Literatursalon gute Erfahrungen gemacht hatte, wollte ich mich auch heute wieder von einem Autor der Long- bzw. Shortlist überraschen lassen. Die Plätze um die Sitzgruppe auf der Bühne füllten sich jedoch ungewöhnlich schnell im Vergleich zu den gestrigen Lesungen und meine Neugierde war geweckt. Da sehe ich zwischen den Gästen das bekannte Gesicht einer Frau, die sich unvermittelt und ungezwungen im Zuschauerraum unterhält. Nur wenige Momente später steht Ursula Krechel, die Gewinnerin des diesjährigen Deutschen Buchpreises auf der Bühne. Im Gespräch mit Denis Scheck berichtet sie, welche Bedeutung diese Auszeichnung für sie hat, ist doch der preisgekrönte Roman „Landgericht“ bereits ihr 23. Buch. Scheck merkte zufrieden an, dass es ihn in diesem Jahr ganz besonders freue, denn zum ersten Mal seit der Einführung des Buchpreises hat sein persönlicher Favorit das Rennen gemacht. Auf seine Frage hin, wie Ursula Krechel denn zu der Geschichte gekommen sei, antwortet sie knapp, dass die Geschichte schlicht zu ihr gekommen sei. Schon lange befasste sie sich, meist in lyrischer Form mit dem Schicksal vertriebener Juden in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Bei dieser Recherche sei ihr die Akte eines jüdischen Mainzer Richters in die Hände gefallen, der aus Nazi-Deutschland flieht, dessen Frau in Deutschland bleibt und überlebt, während die gemeinsamen Kinder die Kriegsjahre in England verbringen. Die Familie findet im Nachkriegsdeutschland wieder zusammen und wird doch vor neue Herausforderungen gestellt. Die Form des Romans habe Krechel dehalb der des Sachbuchs vorgezogen, da der Roman die Möglichkeit biete, tief in das Innenleben einer Person hineinzukriechen. Das Sachbuch dagegen sei nunmal an Fakten gebunden und ließe auch nicht die Möglichkeit, etwaige Lücken durch den Autor zu schließen.

 

Juli Zeh im Gespräch mit Iris Radisch

 

Sascha Feuchert (Mitte) im Gespräch zum Thema "Resisting dictatorship - Living as an author in Belarus"

 

Peter Probst und Amelie Fried im Gespräch mit Dieter Moor

Mein Buchmessetag - von Madelyn Rittner

Der zweite Tag war eigentlich der erste Tag auf der Buchmesse dieses Jahr für mich und zugleich der erste Tag auf der Frankfurter Buchmesse überhaupt, denn im Gegensatz zur Leipziger Messe habe ich die Frankfurter bisher noch nicht miterleben können. Das brachte natürlich Aufregung mit sich und vor allem die Frage: Wie sollte ich es schaffen, mich nicht zu verlaufen? Diese Befürchtung bestätigte sich gleich beim Betreten des Messegeländes, denn die Ausmaße waren unglaublich und im ersten Moment gar nicht erfassbar. Während ich gemeinsam mit L.K. LZG-Programmleiter Manuel Emmerich hinterherhastete, fiel mein Blick auf ein großes, völlig mit Büchern zugestopftes Regal, bei dem ich am liebsten auf der Stelle stehen geblieben wäre. So viele Bücher zu lesen!

 

Zuerst aber durfte ich M.E. zum Knaus Verlag begleiten und ein bisschen von der Arbeit ‚hinter den Kulissen‘ erleben. Danach war es dann an der Zeit, die Messe zu erkunden, bewaffnet mit dem Veranstaltungskalender und einem (dringend nötigen) Lageplan. Ein kurzer Abstecher zu Juli Zeh, die mit Iris Radisch ihr neuestes Buch "Nullzeit" besprach, wurde kurz unterbrochen von der Bekanntgabe des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers, dem Chinesen Mo Yan. Juli Zeh wollte und musste ich dann aber frühzeitig verlassen, um mich gemeinsam mit L. und M. zum Weltempfang der Buchmesse aufzumachen.

 

Der Weltempfang, der das Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung ist, befindet sich bei den internationalen Verlagen. Im Vergleich zum Menschenmassen umwälzenden Trubel, dem man sich in den anderen Hallen gegenübersieht, ist es hier angenehm ruhig. Für die Podiumsdiskussion, für die auch wir gekommen waren, hatte sich dennoch ein großes Publikum eingefunden. Es ging um Weißrussland und den Widerstand, den man als Autor in diesem Land leisten kann. Moderiert wurde das Ereignis vom LZG-Vorsitzenden Prof. Dr. Sascha Feuchert, der derzeit die Position des Writers-in-Prison-Beauftragten des PEN-Zentrums Deutschland bekleidet. Neben dem weißrussischen Schriftsteller Ljavon Barsceuski hatet sich auch Buchmesse-Direktor Juergen Boos an dem Gespräch beteiligt und setzte damit ein Zeichen. Kritisch wurde gesprochen, nicht nur über die weißrussische Politik, sondern auch die deutsche Indifferenz gegenüber diesem Thema, über das ich bis dato selbst auch erschreckend wenig wusste. Es war schockierend zu erfahren, dass es bis in die 90er Jahre nur ein Sachbuch über Weißrussland gab und dass dieses auf dem Jahr 1943 datierte! Nach einer Stunde, die zumindest ein bisschen meinen Nachholbedarf gedeckt hat, brachen wir auf zu einem ganz anderen und weniger ernstem Thema.

 

Peter Probst und Amelie Fried unterhielten sich mit Dieter Moor über die Ehe und das gemeinsame Buch, das sie zu diesem Thema geschrieben haben: "Verliebt, verlobt... verrückt?" Peter Probst sah ich damit diese Woche zum zweiten Mal, denn er hatte, wie sich Fans des Gießener Krimifestivals sicherlich erinnern werden, am Dienstag seinen Kriminalroman "Im Namen des Kreuzes" im LZG vorgestellt. Dass es sich bei Peter Probst um einen wahrhaft emanzipierten Mann und nicht den übliche ‚Showwickler‘ handelt, erfuhr das zahlreich erschienende Publikum und Amelie Fried stellte trocken fest, dass es sich beim ersten hormonalen Verliebt sein ja eigentlich nur um einen Anfall von Geisteskrankheit handelt. Unter Beifall verließen sie die Bühne und machten Platz für Denis Scheck und den US-amerikanischen Autor Richard Ford.

 

Auch wenn ich ersterem wenig abgewinnen konnte, war mir Richard Fords offene und entspannte Art sehr sympathisch. Denis Scheck brachte nochmals den Nobelpreis zur Sprache, für den er Richard Ford als heißen Kandidaten betrachtet hatte und anschließend ging es auch um Politik und die Wahlen in den USA. Richard Ford erklärte gleich, er habe seine Stimme schon Obama gegeben und auf die Frage, ob er sich davon etwas erhoffe, antwortete er mit einem bekräftigenden „Hell, yes!“ Die Lacher kamen dabei aber leider leicht versetzt, denn viele mussten schließlich erst auf die Übersetzung warten.

Nach all diesen Eindrücken gönnte ich mir eine kurze Pause auf dem Außengelände mit Rostbratwurst, die gar nicht so überteuert war, wie erwartet und einem Blick auf die maorische Handwerkskunst, denn Neuseeland ist schließlich der Ehrengast in diesem Jahr. Besonders gemütlich erschienen mir auch die Bibliotels, bei denen sich, trotz des eher kalten Wetters, Leser und Leserinnen auf Kissen mit Büchern in der Hand entspannten.

Ich machte mich aber auf zur Bekanntgabe der Nominierten für den Astrid Lindgren Memorial Award 2013, den mit 500.000€ höchst dotierten Kinderbuchpreis weltweit. Der diesjährige Preisträger Guus Kuijer war leider nicht persönlich anwesend, sodass die Veranstaltung dann doch etwas trocken war und zugleich überwältigend, wenn man bedenkt, dass für das kommende Jahr 207 Kandidatinnen und Kandidaten nominiert wurden! Aber immerhin gab es ein Büchlein mit Astrid Lindgrens berühmter Rede zum Erhalt des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1978, während man am Anfang zudem nebenan noch Paul Maar beim Büchersignieren zuschauen konnte.

 

Zum Abschluss und persönlichem Höhepunkt des Tages habe ich den Weg zum blauen Sofa gefunden und Teresa Präauer, die diesjährige Gewinnerin des aspekte Literaturpreises für ihren Roman Für den Herrscher aus Übersee, gesehen. Mit ihrer lockeren Art und dem österreichischen Akzent hat sie das ganze Publikum begeistert und sich sogar von Christhard Läpple zu einer spontanen Kurzlesung überreden lassen, vorausgesetzt er spielte die ‚Vorband‘. Gelesen hat sie, wie auch der Moderator anmerkte, mit ganzem Körpereinsatz. Mit Ernst Jandl Zitaten und Erzählungen ums Schreiben hat sie mich heute wohl am meisten begeistert und meine Bücherwunschliste um einen weiteren Titel bereichert. Erschöpft, aber zufrieden bin ich nach meinem ersten Tag und freue mich auf morgen!


Tag #3 (12.10.2012)

Dritter Tag der Buchmesse Frankfurt 2012

Mein Buchmessetag - von Madelyn Rittner

Nach gestrigen Lesungen, Diskussionen und der Bekanntgabe des Nobelpreisträgers war ich gespannt was die Buchmesse heute Neues an Erlebnissen mit sich bringen würde.

Bereits um 6 Uhr früh bin ich heute aus dem Bett gekrochen, um mir Judith Schalansky, die über Der Hals der Giraffe und die Kunst schöne Bücher zu machen um 9 Uhr mit ihren Verlegern sprach, auf keinen Fall entgehen zu lassen. Zum zweiten Mal hat sie mittlerweile den Preis für das schönste deutsche Buch bekommen. Über die Gestaltung von Büchern wird eigentlich sonst fast nie nachgedacht und umso spannender war der Einblick in dieses Thema.




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Juli Zeh

 

Das Buchcover der Autobiographie von Mark Twain

 

Sascha Lobo und Kathrin Passig

 

Neuseeländische Handwerkskunst

 

Ursula Krechel

Auch finanziell ist das natürlich ein Aspekt und so hätte der Suhrkamp Verlag auch die problematische Frage zu beantworten gehabt, wie über Nacht 60.000 neue Exemplare gedruckt werden sollen, hätte Clemens J. Setz den Deutschen Buchpreis erhalten. Bei seinem Buch Indigo, dessen Gestaltung übrigens ebenfalls auf Judith Schalanksys Konto geht, wird das Bild auf der Vorderseite nämlich in der Tat per Hand angebracht. Zuletzt wurde auch ich desillusioniert, denn meine Kopie des Buches trotz tollem Inhalt hat das ‚falsche‘ Leinen. Von den verschiedenen Variationen aufgrund des Baumwollmangels (der landet eher in der Textilindustrie) habe ich nicht die gewünschte abgegriffen. Signieren lassen habe ich mir mein Buch dennoch und von Judith Schalansky zum Trost sogar noch einen Schneckenstempel in mein Exemplar gesetzt bekommen.

 

Ein wenig später finde ich erneut Juli Zeh, die ich gestern schon gesehen hatte, dieses Mal auf dem blauen Sofa und mit mehr Zeit zum Zuhören. Es geht natürlich immer noch um ihren Roman Nullzeit, über das Tiefseetauchen und die Figuren, die darin vorkommen und ich bin heute offenbar auf Autogrammjagd, denn auch ihr Buch lasse ich mir signieren.

 

Ein wenig später bin ich gemeinsam mit J. bei "3sat liest", wo der Übersetzer Hans-Christian Oeser über die geheime Mark Twain Autobiographie spricht. Der Autor hat seine Biographie unter der Bedingung geschrieben, dass sie hundert Jahre unter Verschluss bleiben müsse, bevor sie gelesen werden soll, um völlig ‚frank und frei‘ schreiben zu können. Was zunächst als feige von Oeser angesehen wurde, musste er als mutig revidieren, schließlich ging Twain davon aus, dass er in hundert Jahren immer noch so bekannt sein würde, dass die Autobiographie Leser fände. Auch Oeser liest dem Publikum einen Ausschnitt vor und guckt dabei so oft in die Menge, dass man meint, er habe das ganze Werk auswendig im Kopf.

 

Eher enttäuschend war aber das sich anschließende Programm mit Kathrin Passig und Sascha Lobo, die ihr Buch Internet. Segen oder Fluch vorstellten. Wobei die Schuld wohl eher dem Moderator zuzuschreiben ist, der sich dann doch nicht so ganz sicher war, was die Namen der Autoren angeht... Unterhaltsam wurde die Veranstaltung dann aber doch durch einen Flitzer (ich hatte keine Ahnung, dass es die auch auf der Buchmesse gibt!), der kurz auf der Bühne Hände schütteln durfte sowohl mit Passig als auch mit Lobo. (Später sollte es sich herausstellen, dass es sich dabei um eine Aktion der FAZ-Buchmesse-Zeitung handelte, die junge deutsche Literaten zu Mutproben aufforderte, in diesem Fall Florian Weber)

Auch die Ausstellung zu Neuseeland will ich mir heute genauer anschauen. Auf dem Weg dorthin komme ich an derselben Maorikunstwerkstatt wie gestern vorbei und die Statue, an der bereits da gearbeitet worden war, lässt mittlerweile schon viel deutlichere Formen erkennen. Der Neuseelandbereich liegt im Dunkeln und bevor ich eintrete, schallt mir die Warnung vor den Wasserflächen entgegen. Die sehen wirklich wie Spiegel aus, sodass ich sonst mit Sicherheit mit nassen Füßen den Saal verlassen hätte. Neuseeland bei Nacht scheint es, denn die Lichter wirken wie Sterne und der Mond hängt auch an der Decke (oder dem Himmel), schließlich ist Neuseeland ja auch auf der anderen Seite des Planeten, natürlich auch zeitzonentechnisch. Auf den übergroßen Leinwänden wechseln die Eindrücke mit Zitaten neuseeländischer Literatur sowie Bildern von Comics und Filmen – mysteriös, fremdartig und geheimnisvoll wirkt es.

 

Auf meinem weiteren Weg über die Buchmesse mache ich mir gedanklich Notizen, welche Bücher ich nun alle lesen will, die Liste sprengt mittlerweile jeden Rahmen, insbesondere nachdem ich in den Titeln der Long- und Shortlist des Deutschen Buchpreises im Paschen Literatursalon blättern konnte. Der Deutsche Buchpreis ist dann auch der Anlass meines nächsten und für den heutigen Tag letzten Stops.

 

Bei 3sat angekommen stehe ich hinter einer riesigen Menschentraube, die sich anlässlich Martin Walsers Auftritt gebildet hat. Aber selbst als dieser geht, werden die freiwerdenden Sitze sofort mit von weitem voran geschleuderten Mänteln gesichert, denn die Menschenmasse wird nicht kleiner, da als nächstes Ursula Krechel, die Gewinnerin des diesjährigen Deutschen Buchpreises zu sehen ist. Wer die Preisverleihung gesehen hat, weiß, dass sie eine Rede direkt parat hatte und darauf wird sie auch als erstes angesprochen. Durchaus pragmatisch erklärt sie, dass das nichts mit Sicherheit auf den Preis getan hat, sondern um nicht vier Minuten nichts sagen zu können, die schwerlich nur mit ‚Stottern und Tränen drücken‘ zu überbrücken seien.

 

Zwischen Autoren, Verlagen, Ländern und vor allem Büchern ging so ein toller zweiter Tag auf der Buchmesse für mich zu Ende. Ob die ersten Tage mich für die Publikumsmassen, die morgen, wenn die Messe für alle geöffnet wird, zu erwarten sind, vorbereitet hat, bleibt abzuwarten. Die Vorfreude auf den letzten Tag für mich ist aber auf jeden Fall schon da.


Tag #4 (13.10.2012)

Vierter Tag der Buchmesse Frankfurt 2012

Mein Buchmessetag - von Madelyn Rittner

Lauter, bunter und vor allem voller erlebe ich die Frankfurter Buchmesse an meinem letzten Tag dort.

Bereits am Frankfurter Hauptbahnhof merkt man, dass heute die Messe die Türen für alle Besucher geöffnet hatte. Immer wieder höre ich das Wörtchen Buchmesse und natürlich sind auch die Cosplayer in ihren Kostümen nicht zu übersehen. Aus der aus allen Nähten platzenden Bahn ergießt sich der Schwall an Menschen dann schließlich auf das Messegelände. 




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Durch die Menschenmassen finde ich meinen Weg zum Wallstein-Verlag, denn ich darf heute nochmal ein Treffen zwischen LZG und einem Verlag miterleben. Danach kommt die Herausforderung: Erneut im Zick-Zack-Muster durch die Hallen laufend versuche ich nämlich einen Freund zu finden (vorbei an Roger Willemsen, der bei 3sat auftritt und jedoch so von Zuschauern umringt ist, dass ich einen Blick auf ihn nur auf dem Bildschirm erhaschen kann), mit dem ich mich auf der Messe verabredet habe – es empfiehlt sich gemeinsam anzureisen.

 

Nach langem hin und her ist aber auch diese Hürde überwunden und wir machen uns gemeinsam auf zum Paschen Literatursalon, wo eine Kandidatin der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises liest. Milena Michiko Flas─âr spricht über ihren Roman Ich nannte ihn Krawatte, in dem sich zwei einander fremde Menschen begegnen und ihre Geschichten austauschen. Eine Idee, die die Schreiberin persönlich schön findet und die manchmal – wenn auch selten – so im wahren Leben vorkommt. Ein Fremder, dem man im Zug begegnet und Dinge erzählt, über die man noch nie zuvor gesprochen hat und der dann mit einem Stück der eigenen Geschichte davonfährt. Die junge Schriftstellerin liest auch Ausschnitte aus ihrem Roman vor, die zum Weiterlesen anregen.

 

Im Anschluss geht es auf zu Clemens J. Setz, dessen Roman Indigo es sogar bis auf die Shortlist geschafft hat. Trotz ausgefeilter Lückenlauftechnik komme ich aufgrund der überfüllten Gänge heute mehr als einmal zu spät bei Wunschterminen an, so auch bei Clemens J. Setz am Stand der FAZ. Der Autor spricht über seinen mönchartigen Schreibstil, in dem er früh am Morgen per Hand die ‚heilige Schrift‘, wie er sie (ironisch?) nennt, niederschreibt. Auch er liest aus seinem Roman vor, allerdings den letzten Absatz, der so tiefsinnig und eigenwillig ist, dass er nicht unbedingt einen Abschluss darstellen müsste.

Von dort mache ich mich auf in die Mittagspause auf die Agora, den Außenbereich. Zunächst einmal werde ich dort von Eindrücken erschlagen, denn draußen sind mittlerweile wesentlich mehr Menschen, als ich am Morgen von der Terrasse aus sehen konnte. Vorbei an Harry Potter, Pikachu und Super Mario Verschnitten finde ich den Weg zur Imbissstandschlange, die fast genauso lang ist wie die vor dem Signierzelt nebenan, in dem gerade Martin Suter im Akkord sein neuestes Buch für die vielen Fans signiert. Nach einer Viertelstunde habe ich dann aber doch mein Mittagessen erobert und setze mich auf eine der Bänke, um zu essen, während im Hintergrund ein Sänger mit seiner Akustikgitarre zu hören ist.

 

Im Anschluss sprach Stephan Thome, der ebenfalls auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises war, im ARD Forum über seinen Roman Fliehkräfte. Wenn auch spannend, so hätte ich mir doch gewünscht, dass der Moderator zumindest um kurze Lesung von fünf Minuten gebeten hätte, doch diese Hoffnung blieb dann unerfüllt. Von der ARD ging es dann direkt zum ZDF weiter, denn dort sprach Martin Walser auf dem blauen Sofa über sein neuestes Werk Das dreizehnte Kapitel. Völlig von Menschenmassen umringt konnte man ihn zwar auf den Bildschirmen sehen, aber leider nur schwer verstehen. Was hörbar war, war das lachende Publikum ob der Widersprüche, die Martin Walser offenbar seinem Gegenüber bot. Als es um anschließende Autogramme ging, gab es so manche Kabbelei in der Schlange und der Autor musste im wahrsten Sinne Fließbandarbeit leisten, während ihm von einer Mitarbeiterin kontinuierlich Bücher aus den Händen der Leserinnen und Leser vorgesetzt wurden.

 

Von Martin Walser auf dem blauen Sofa, trieb es mich nun zur Insel der unabhängigen Verlage und Stevan Pauls Lesung, die weit weniger überlaufen, aber damit auch wesentlich genießbarer war. Genuss ist dabei auch ein gutes Stichwort, denn Stevan Pauls neuestes im mairisch Verlag erschienenes Buch hat den Titel Schlaraffenland und dreht sich in seinen Erzählungen rund ums Essen und Kochen, denn Stevan Paul selbst ist nicht nur Schriftsteller, sondern in erster Linie auch Koch. Wie bereits in seinem vorherigen Erzählband Monsieur, der Hummer und ich ist jeder Erzählung wieder komplementär ein Rezept dazugestellt. Ich setze mich in die erste Reihe, denn das Publikum ist hier wesentlich kleiner, was aber nichts über die Veranstaltung selbst aussagt. Im Gegenteil, „Revolution“, die Geschichte, die Stevan Paul vorliest, bringt das Publikum, mich eingeschlossen, mehr als einmal zum Lachen mit seiner urkomischen Geschichte, deren Protagonist doch einfach nur ebenso politisch korrekt wie sein Ökonachbar sein will und Hackfleischpackungen unter Supermarktregalen verschwinden lässt. Ein echter Spaß!

 

Ich entschied mich dann aber für eine kurze Pause von all den Lesungen und Gesprächen und schaute mir einmal die Antiquariatsmesse in Halle 6 an, der ich mich bisher noch gar nicht genähert hatte. Vor allem für Sammler, aber auch für alle Bibliophile ist das ein erholsamer Ort. Die Hallen sind weniger überfüllt und man kann sich die wunderschönen Bücher, die so aussehen, wie man sie sich eben in alten Bibliotheken vorstellt, in Ruhe ansehen. Hier entdecke ich auch das teuerste Buch, das mir bisher auf der Messe begegnet ist, mit einem stolzen Preis von 12.500€. Wer eine Verschnaufpause von der Hektik der anderen Hallen braucht, ist in jedem Fall gut damit beraten, sich in den antiquarischen Bereich zu begeben.

 

Zum Abschluss dieses nochmal prallgefüllten Tages führt es mich ins Lesezelt, wo Wäis Kiani, Sarah Diehl und Anthony McCarten ihre neuesten Titel vorstellen. Wäis Kiani spricht als erstes über ihr Buch Hinter dem Mond und bringt das Publikum zum Lachen, wenn sie in ihrer trockenen Art von ‚Hasenkackkrümeln‘ und den Erfahrungen der 14-jährigen Protagonistin, die zwischen deutscher und iranischer Kultur in beiden Ländern aufwächst, erzählt. Ihr folgt Anthony McCarten, der zwar mittlerweile in London lebt, aber auch aus dem Ehrengastland Neuseeland kommt. Er spricht über seinen Roman Ganz normale Helden und die digitale Revolution, die er in ihm hinterfragt. Ist wirklich alles besser nur weil es neu ist? Die Frage führt er in absurd-komischer Art aus, wenn er Gutenbergs und Steve Jobs Rollen tauscht und letzterer nun nach Jahrhunderten des E-Books die neueste Innovation ‚das Buch‘ vorstellt – ein nie dagewesenes und völlig revolutionäres Produkt. Beifall und Gelächter ertönen gleichzeitig bei seiner – sehr überzeugenden – Steve Jobs Imitation. Zuletzt stellt Sarah Diehl ihren Roman Eskimo Limon 9 vor, dessen Titel auf die Eis am Stiel Reihe der 80er verweist, die tatsächlich ursprünglich aus Israel stammt. Um Israel in Deutschland dreht sich auch der Roman, der – wäre das Publikum nicht mittlerweile erschöpft – sicherlich ein paar mehr Lacher bekommen hätte.

 

Mittlerweile ist es Abend und mit dieser letzten, noch einmal sehr vergnüglichen Veranstaltung als Erinnerung verlasse ich das Buchmessegelände. Ganz zu Ende ist der Tag dann aber doch noch nicht, denn am Ausgang erwartet einen dann noch ein Bücherflohmarkt, den auch ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Und so verlasse ich dann Frankfurt und die Buchmesse für dieses Jahr mit ein paar Büchern mehr in der Tasche und einer langen, von den letzten Tagen inspirierten Wunschliste für die kommende Zeit.

Ein paar meiner Favoriten noch zum Schluss, für die, die selber gerade nach Lesestoff für die nächste Zeit suchen:

 

  • Teresa Präauer Für den Herrscher aus Übersee
  • Clemens J. Setz Indigo
  • Stevan Paul Schlaraffenland
  • Anthony McCarten Ganz normale Helden
  • Mark Twain Meine geheime Autobiographie (übersetzt von Hans-Christian Oeser)

 

 

 

 

 

Mein Buchmesse Tag - von Anja Schäfer

Für mich begann mein Tag auf der Frankfurter Buchmesse überraschender Weise sehr entspannt. So war es wohl der frühen Zeit geschuldet, dass ich durch die noch recht leeren Gänge der Messehallen schlurfen und mir in Ruhe die Präsentationsstände anschauen konnte. Nach meinem ersten Verlagsgespräch mit Manuel und dem Piper Verlag war es mit dieser Ruhe aber schlagartig vorbei und die breite Masse erstürmte die Hallen. So entschied ich mich den Tag gebührend mit einem Wake-Up Slam zu beginnen, wo rund um das Thema Sprache diverse Werbejingles oder Facebook-Einträge veralbert und kritische Töne an der zunehmenden Digitalisierung unserer Zeit laut wurden.

 

Danach begab ich mich in das Comic-Zentrum, um mir die neuesten Graphic-Novels, aber natürlich auch die vielen Manga-Kostümierungen anzusehen. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellte! Hier bewegte sich nämlich nichts mehr. Rechts und links von rotäugigen, beflügelten und mit Schwertern versehenen Gestalten eingeschlossen, ergab ich mich der Situation, fürchtete mich vor und erstaunte gleichzeitig über die detailgetreue Auslegung vieler Figuren. Schließlich schaffte ich es mit Tippelschritten zu einem weiteren Verlagsgespräch und stand daraufhin vor der Frage, was ich mir als nächstes anschauen könnte. Den Veranstaltungskalender aufgeschlagen, bot sich mir eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Wahl fiel schwer und zunächst auf den arte-Stand. Hier stellte die Autorin Daniela Dröscher zum Thema „Grenzgänger“ ihr Buch „POLA“ vor. Dieses handelt von der bekannten Polin Pola Negri, einer Schauspiel-Diva, die in den 1930ern versucht ihre längst erloschene Karriere in Deutschland wieder aufleben zu lassen und sich immer weiter in ihren Lebenslügen und politischen Intrigen verstrickt. Im anschließenden Gespräch beschrieb die Autorin eindrucksvoll ihre Rechercheerfahrungen in Polen und die Schwierigkeit beim Schreiben mit einem fremden Blick auf die deutsche Identität zu schauen.

 

Als Kunststudentin zog es mich natürlich auch in den Hallenabschnitt „Design, Kunst und Buchkunst“. Hier hätte man stundenlang in wunderschön illustrierten Bild- und Kunstbänden schmökern oder über karikaturistische Buchstützen von Literaten wie Kafka schmunzeln können. Weiterhin weckte mein Interesse die regelmäßig stattfindende Vorführung des Buchdruckverfahrens nach Gutenberg, dass das gleichnamige Museum vorstellte.

Mein Highlight sollte sich jedoch in der ARD-Halle finden. Kurzfristig hatte sich ergeben, dass an der hr2 Bühne im gläsernen Studio der bekannte Schauspieler Daniel Brühl sein Erstlingswerk „Ein Tag in Barcelona“ vorstellte. Drei Jahre arbeitete er an dem Buch, das wie ein Stadtspaziergang anmuten soll und zwischen einem Reisebericht, persönlichen Erinnerungen und lustigen Anekdoten changiert. Daniel Brühl berichtete darüber hinaus nicht nur von seinem Leben zwischen Berlin und Barcelona, den kulturellen Unterschieden, sondern beantwortete auch viele Fragen zu seiner Schauspielkarriere: von seinem Durchbruch mit „Good Bye Lenin“, zum gefährlichen Dreh des spanischen Films ‚Salvador‘ und der Arbeit mit Quentin Tarentino, die ihm die Türen nach Hollywood öffnete. Trotzdem war es schön, einen höchst bodenständigen Schauspieler wahrzunehmen, der immer wieder einen Scherz auf den Lippen hatte.

 

Einmal in der Nähe ging es also weiter zur Neuseeland-Halle, die vor allem durch ihre außergewöhnliche Himmelskonstruktion beeindrucken konnte. Schließlich zog es mich aber zurück zu der deutschsprachigen Literatur. Hier huschte ich kurz an der Biographie-Vorstellung der Skifahrerin und Olympia-Siegerin Maria Höfl-Riesch vorbei, um endlich am Stand der Frankfurter Allgemeinen und der Buchvorstellung der Jugendbuch-Autorin Ursula Poznanski zu verweilen. Nach Erfolgen wie ‚Saeculum‘ und ‚Erebos‘ stellte sie ihr neues Werk „Die Verratenen“ vor und erörterte den Rollenspielcharakter ihrer Bücher. Darüber hinaus scheute sie nicht davor, den Zuhörern Einblicke in ihre Arbeitsweise zu gewähren.

Die diesjährige Frankfurter Buchmesse bot schließlich für jeden Geschmack etwas und man konnte sich von einer Veranstaltung zur nächsten treiben lassen. Immer wieder luden neue Stände zum Verweilen ein und überraschten mit den verschiedensten Präsentationen. So strömten aus jeder Ecke eine Unmenge von bunten Eindrücken auf einen ein, die wieder ins Bewusstsein rücken, wie spannend das Medium Buch doch sein kann.



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