Leipziger Buchmesse 2017 

Tag 1: 23.03.2017

Erster Tag der Leipziger Buchmesse 2017 - eine vielfache Betrachtung

Das LZG besuchte auch in diesem Jahr wieder die Leipziger Buchmesse. Eindrücke, Erfahrungen und noch mehr "Lesenswertes" finden Sie in den folgenden Berichten. Viel Vergnügen beim Lesen! 




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Strahlender Sonnenschein auf dem Weg zur Messe und auf dem Messegelände

 

Anna-Lena Heid und Madelyn Rittner präsentieren das LZG bei der ALG

 

 

Lange Leipziger Lesenacht 2017 in der Moritzbastei

 

Mein Buchmessetag - von Saskia Langstrof 

Mit dem neuen Programm im Gepäck und voller Vorfreude ging es am Donnerstag endlich los auf die Leipziger Buchmesse – leider zu einer schwierigen Uhrzeit für Morgenmuffel. Über die knapp 360 Kilometer hinweg konnten wir uns aber zum Glück entspannt zurücklehnen und das schöne Wetter genießen. Gleich nach der Ankunft wurde nur schnell die neue Unterkunft für die kommenden Tage bezogen und schon waren wir auf dem Messegelände mit Presseausweisen und stürzten uns voller Erwartungen in das Getümmel. Bei dem riesigen Angebot, das die Leipziger Buchmesse zu bieten hat, fiel die erste Auswahl sehr schwer. Aus diesem Grund begann der erste Messetag sehr ruhig, zunächst musste ich lernen, mich zurecht zu finden: Die ersten Eindrücke sammelte ich in Halle 1. Nicht nur weil sie sehr nah am Pressezentrum lag und deshalb der erste Anlaufpunkt war, sondern auch weil die bunten Kostüme der Cosplayer gepaart mit den vielen Merchandise-Artikeln zu Serien, Filmen und Comics eine Reise in diese etwas andere Welt es wert waren.

Die Zeit verging wie im Flug, die unterschiedlichen Angebote luden zum Stehenbleiben und Verweilen ein, das bunte Treiben auf der Messe zog mich sofort in seinen Bann und schon war es 15:30 Uhr und das LZG nutze die Möglichkeit, um den Verein am Stand der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) vorzustellen – dort durften die Praktikanten zur tatkräftigten Unterstützung natürlich nicht fehlen. Dem Publikum berichteten Anna-Lena Heid und Madelyn Rittner nicht nur von Besucherzahlen bei den Veranstaltungen und über allgemeine Fakten zum Verein, wie unter anderem die Anzahl der Mitglieder, sondern auch über die Entwicklung des LZG, realisierte Projekte und generelle Schwerpunkte wurde gesprochen. Ein interessanter Überblick im Schnelldurchlauf, der auch noch einige neue Informationen für die Praktikanten bereit hielt!

Schnell wurde ich dann auch schon wieder von der Masse weitergetragen zu der Preisverleihung der Leipziger Buchmesse, die sehr feierlich in der Glashalle abgehalten wurde – als Pressemitglied durfte ich weit vorne in einem abgetrennten Bereich Platz nehmen und das Spektakel aus der Nähe erleben.

Doch nach der Preisverleihung war der Tag noch lange nicht vorbei, es wechselte sich nur der Ort. Die Lange Leipziger Lesenacht fand in der Moritzbastei im Zentrum von Leipzig statt, eine festivalähnliche Veranstaltung, auf der Autoren unterschiedlicher Genres auf vier Bühnen einen Einblick in ihre Werke gaben – dazu ein leckeres Getränk und man konnte sich entspannt zurücklehnen, um den Abend literarisch gebührend ausklingen zu lassen. Das tolle Ambiente rundete das Gesamtbild der Veranstaltung ab: ein wunderbares Kellergewölbe und mit wenigen Scheinwerfern dezent in Szene gesetzte Bühnen. An diesem Abend konnte ich insgesamt acht Autoren lauschen, wobei keiner dem anderen glich. Meine drei Favoriten erlebte ich dann kurz vor Ende der Veranstaltung, bevor ich mich glücklich auf den Heimweg und in das wohlverdiente Bett begeben konnte: Stephan Lohse, Kristina Pfister und Fabian Hischmann, die auf einer Bühne ihre Romane vorstellten – allen gemeinsam war das Thema des Erwachsenwerdens. Stephan Lohse, ein langjähriger Schauspieler, fasst mit seinem Debütroman Ein fauler Gott gerade Fuß in der Literaturszene. Er hatte das Publikum an diesem Abend sofort auf seiner Seite: Sein Talent im Umgang mit gesprochenen wie auch geschriebenen Worten wurde nach wenigen Momenten bereits deutlich, sein Charme und Witz brachte ihm aber auch einige Lacher ein. Der Roman behandelt den Verlust eines geliebten Mitmenschen, des kleinen Bruders, und die Herausforderung, die das Leben an einen Jungen stellt, der selbst noch ein Kind ist. Der Schmerz aber auch die Freude im Alltäglichen wurden von Lohse so liebenswert beschrieben, dass sich die Geschichte sofort in mein Herz geschlichen hat und ich sie unbedingt lesen möchte. Aber auch die anderen zwei Autoren, Kristina Pfister mit ihrem Debütroman Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten und Fabian Hischmann mit Das Umgehen der Orte, standen der ersten Geschichte in Nichts nach. Diese drei Lesungen rundeten den gelungenen Tag und eindrucksvollen Abend ab und erlaubten mir, meine Buchliste um drei weitere Einträge zu erweitern.
 

 

Buntes Treiben auf der Leipziger Buchmesse

 

Erfolgsautor Martin Suter liest aus seinen neuen Roman Elefant

 

 

 

 

Preisverleihung der Leipziger Buchmesse

 

 

 

 

 

 

 

 

Lange Leipziger Lesenacht 2017 in der Moritzbastei

Mein Buchmessetag - von Friederike Rademacher 

Strahlender Sonnenschein und keine einzige Wolke am Himmel – das Wetter an unserem Anreisetag spiegelt meine Vorfreude auf die Leipziger Buchmesse wider. Nach Ankunft auf dem Messegelände und der Aushändigung meines Presseausweises, stürze ich mich beschwingt und voller Neugier ins große Abenteuer Buchmesse. Auf dem Weg zur Glashalle, von der aus man Zugang zu allen fünf Hallen hat, komme ich zunächst an Halle 1 vorbei. Dort begrüßen mich unzählige mystische Wesen: elfengleiche Geschöpfe mit leuchtenden Flügeln und bunten Haaren, furchteinflößende Krieger und putzige Tierfiguren. Ist es denkbar, dass meine Traumvorstellungen wahr geworden und jegliche Fabelwesen aus allen Büchern dieser Welt zum Leben erweckt worden sind? Ich bin von ihnen so beeindruckt, dass ich mir für einen Augenblick ernsthaft diese Frage stelle, als ich mir durch die bunt kostümierten Cosplayer und Comic-Begeisterten meinen Weg bahne.

In der Glashalle angekommen, verschaffe ich mir zunächst einmal einen groben Überblick über das Messegelände, die vielen Hinweisschilder helfen mir dabei. Als erstes steht heute eine Lesung mit Martin Suter auf meinem Plan, also folge ich dem Pfeil, der in Richtung Halle 4 weist. Am Messestand angekommen, ergattere ich – trotz des Riesenandrangs – noch einen guten Platz für die Lesung. Suter ist mir auf Anhieb sehr sympathisch; er ist in Leipzig, um seinen neuen Roman Elefant vorzustellen. Darin geht es um einen kleinen, rosarot leuchtenden Elefanten, der die Menschen verzaubert. Woher das kleine Fabelwesen stammt, weiß nur der skrupellose Genforscher Roux, der mit dem kleinen Geschöpf hauptsächlich Geld verdienen möchte, doch es wird ihm gestohlen. Ein Elefantenpfleger, eine Tierärztin und ein Obdachloser versuchen, das zauberhafte Wesen vor der Geldgier des Forschers zu schützen. Wie ist Martin Suter auf diese Romanidee gekommen? Der Erfolgsautor verrät es im Gespräch mit der Moderatorin: Ein Professor hat ihn auf die Idee gebracht, indem er ihm erklärte, dass es gentechnisch möglich sei, einen winzigen, rosaroten Elefanten zu erzeugen. Diese Vorstellung habe ihn fasziniert und einfach nicht mehr losgelassen, erklärt der Autor.

Im Anschluss an Suters äußerst spannende Lesung geht es für mich direkt weiter zur feierlichen Preisverleihung der Leipziger Buchmesse in der Glashalle. Ich finde es beeindruckend, eine solch besondere Feierlichkeit einmal live miterleben zu können. Eine fachkundige, siebenköpfige Jury kürt die diesjährigen Preisträger. Den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Belletristik erhält in diesem Jahr Natascha Wodin mit ihrem Roman Sie kam aus Mariupol. Darin erzählt die Autorin die Geschichte ihrer eigenen Mutter, die als junge Frau den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror erlebt und 1944 von Nationalsozialisten als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wird. Zwölf Jahre später nimmt sie sich das Leben. Eine bewegende literarische Biografie, die an das Schicksal der Zwangsarbeiter erinnert. Die Auszeichnung in der Kategorie Sachbuch/Essayistik geht an Babara Stollberg-Rilinger für ihr Buch Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit, in dem sich eine ganze Epoche widerspiegelt. Das Werk erzählt auf ganz neue und ungewöhnliche Weise das Leben einer der mächtigsten Frauen der Geschichte. Eva Lüdi Kong erhält für Ungewisser Verfasser: Die Reise in den Westen den Preis für die beste Übersetzung. Dank Eva Lüdi Kong ist uns nun eines der großen Werke der chinesischen Literatur zugänglich: Die Geschichte vom Affenkönig, der sich zu einer abenteuerlichen Fahrt aufmacht, um die Schriften Buddhas zu holen.

Das Highlight meines ersten Messetages steht mir noch bevor: die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei, die wir am Abend besuchen. Auf vier Bühnen wird eine Vielfalt junger deutscher Literatur dargeboten; insgesamt zwanzig unterschiedliche Lesungen stehen zur Auswahl – und ich vor der Qual der Wahl. Ich entscheide mich für drei Lesungen und lausche in der urigen Atmosphäre der Kellergewölbe fasziniert den Autoren. Besonders angetan bin ich von Kristina Pfisters Debütroman Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten. In ihm erzählt die junge Autorin auf faszinierend poetische Weise von der Leere am Ende der Jugend, die ihre Protagonistin Annika verspürt. Auch die Lesung von Stephan Lohse aus seinem Debütroman Ein fauler Gott überzeugt mich und lässt mich an diesem Abend herzhaft lachen. Lohse erzählt mit anrührender Komik von Teenagernöten und dem Trost der Freundschaft, vor allem aber auch vom Mut und dem Einfallsreichtum seines Protagonisten, der seiner Mutter das Trauern lehrt und ihr zeigt, dass das Glück, am Leben zu sein, auch dem größten Schmerz standhält.

 

 

Mein Presseausweis 

 

Ellen Lugert stellt ihr Buch Russland Яückwärts. Tagebuch einer Reise vor

 

Cosplayer in Halle 1

Mein Buchmessetag - von Luisa Marie Wagner

23. März 2017, der erste Tag der Leipziger Buchmesse. Voller Spannung habe ich diesem Tag entgegengeblickt. Früh morgens geht es los, mit dem Auto nach Leipzig, Unterkunft beziehen und dann so schnell wie möglich auf das Messegelände. Das erste Herzklopfen bekomme ich ehrlicherweise schon, bevor ich die Messehalle überhaupt betreten habe. Denn Dank des LZGs habe ich die große Ehre einen Presseausweis tragen zu dürfen. Dies hat zum einen den ungemein praktischen Vorteil, nicht an den langen Besucherschlangen warten zu müssen, da ich den Presseeingang benutzten kann. Zum anderen bin ich seltsamerweise auch ein wenig stolz: Ein Presseausweis, der belegt, dass ich nicht nur hier bin, um mich von der Fülle von Literatur überrollen zu lassen, sondern auch um zu bloggen und andere für das zu begeistern, was in den nächsten Tagen im Fokus meiner Aufmerksamkeit stehen wird: Literatur. Mich erwarteten drei Tage angefüllt mit Büchern, Verlagen, Interviews, Lesungen, mit ernsten, traurigen, lebensfrohen und witzigen Geschichten, umgeben von Menschen, die sich von dieser einzigartigen Atmosphäre begeistern lassen wollen. Und mitten im Getümmel ich, mit dem Presseausweis um den Hals und einem Notizblock in der Hand.

Als ein Plan-Mensch habe ich mir Lesungen und Veranstaltungen aufgeschrieben, die ich besuchen möchte. Mir war klar, dass sich sicherlich nicht alles wie geplant abspielen würde, doch dass mich an diesem Tag eine spontane Aktion am meisten berühren würde, habe ich nicht erwartet. Denn plötzlich habe ich noch eine halbe Stunde Zeit, bevor meine nächste Veranstaltung beginnen würde. Ich bin noch voller Energie und will die Zeit – umgeben von so vielem Interessanten – nicht ungenutzt vorübergehen lassen, weshalb ich kurzerhand im Programmheft nach der zu dieser Zeit anstehenden kürzesten Veranstaltung suche. Und so stehe ich um 15 Uhr an dem Stand des Größenwahn Verlags, auf dem Ellen Lugert ihr Buch Russland Яückwärts. Tagebuch einer Reise vorstellte. Da ich dieses Interview nur aufgrund seiner Kürze ausgewählt habe, bin ich sehr gespannt, was mich wohl erwartet und wie es mir gefallen wird. Nachdem Ellen Lugert auf die erste Frage, nämlich die nach dem Titel ihres Buches, antwortet, dass sie ihre ersten Reisen nach Russland im Zug rückwärtsfahrend erlebte, da sie sich als Studentin nur die billigsten Tickets leisten konnte, hat die blonde Autorin mit dem Kurzhaarschnitt meine volle Aufmerksamkeit. 15 Minuten lang spricht sie offen und voller Begeisterung von ihrem Buch, das aus ihren Tagebucheinträgen entstand, da sie – wie jedes Mädchen – Tagebuch geschrieben habe, um keine Eindrücke ihrer Zeit in Russland zu vergessen. Zuerst blieb es auch bei diesen Tagebucheinträgen, die sie schließlich ihrer Mutter zum Geburtstag schenkte. Die Mutter sei voller Verwunderung gewesen, als sie von den Erlebnissen ihrer Tochter las, so die Autorin. Nachdem sie von ihrer Familie zu der Veröffentlichung ihrer Geschichte angeregt worden war, fand sie vor 3 Jahren auf der Leipziger Buchmesse mit Größenwahn einen Verlag, der ihre Geschichte unverändert übernahm. So kann Ellen Lugert nun einem breiten Publikum von dem Land erzählen, dessen Weite sie fasziniert, von den Holzhütten, die für sie „das wahre Russland sind“, dort „wo sich das Leben wirklich noch auf den Straßen abspielt“. Sie möchte mit den Erfahrungen, die sie als 25-Jährige machte, davon berichten, mit welch großer Gastfreundschaft ihr in Russland begegnet wurde und wie offen, nett und freundlich die Menschen dort waren.

Als ich am Ende dieses ersten Messetages das Gelände verlasse und in eine überfüllte Straßenbahn steige, schwirrt mein Kopf von vielen neuen, bereichernden Eindrücken, und ich freue mich schon auf den nächsten Tag – aber auch auf mein Bett.


Tag 2: 24.03.2017

Zweiter Tag der Leipziger Buchmesse 2017 - eine vielfache Betrachtung

Auch am zweiten Tag gab es für uns ein umfangreiches Programm und vielseitige Veranstaltungen auf dem Messegelände zu entdecken.




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Mira Magén stellt ihren Roman Zu blaue Augen vor

 

 

Am Stand vom Traumfänger Verlag wurden indianische Märchen erzählt 

Mein Buchmessetag – von Luisa  Wagner

Den zweiten Tag der Leipziger Buchmesse habe ich mit so vielen Lesungen gefüllt, dass ich zeitweise selbst nicht sicher war, wie ich das bewältigen sollte. Doch im Rückblick bin ich froh, an diesem Tag so viele einmalige Eindrücke gesammelt zu haben.

Die Lesungen führen mich ein in die unterschiedlichsten Geschichten: die erste nach Israel, in den Körper einer 77-jährigen Frau. Sie betrügt das israelische Gesundheitssystem, indem sie sich tagsüber als zu gebrechlich gibt, um ihren Rollstuhl zu verlassen, doch nachts diese Fassade ablegt, sich in schicke Kleider hüllt und sich in Bars mit Männern und Alkohol amüsiert. In wunderbar eindrücklicher Sprache erzählt Mira Magén von ihrem Roman Zu blaue Augen, in dem eine alte Frau ihre Träume lebt und damit schlicht ihrem Willen folgt. Nachts geht sie ihrer Sehnsucht nach Leben und Liebe nach, doch ihr Doppelleben muss unentdeckt bleiben, besonders da ihr Haus verkauft werden soll, in dem außer ihr noch ihre Töchter und eine rumänische Pflegerin leben…

Die nächste Lesung ist für mich nur ein paar Schritte entfernt, doch geografisch ein großer Sprung: Die finnische Autorin Katja Kettu liest eine kurze Passage ihres Romans Feuerherz auf Finnisch vor, einer Sprache, die mich, obwohl ich kein Wort verstehe, mit seiner fremden Melodie in ihren Bann zieht. Dann liest die Moderatorin – nun auf Deutsch – den Beginn der Geschichte eines 15-jährigen schwangeren Mädchens, das um 1930 auf Skiern von Lappland bis nach Russland flieht. Im Gespräch mit der Autorin erfährt das gespannte Publikum von der zweiten Zeitebene im Jahr 2015, die im Laufe des Romans noch hinzukommt. Ebenso spricht Katja Kettu über das Volk der Mari, das ebenfalls einen Platz in ihrer Geschichte einnimmt. Die Mari gehören zu den Wolga-Finnen und faszinieren die Autorin, da sie das letzte heidnische Volk sind, das es geschafft hat, sich seinen Naturglauben über die Jahrhunderte zu bewahren. Voller Faszination berichtet sie von einem Aspekt des Mari-Glaubens, der besagt, dass jeder Mensch drei Seelen habe. Eine davon verlässt nachts den Körper und verwandelt sich in einen Nachtfalter. Die Träume der Menschen sind damit das, was der Nachtfalter auf seinem Flug sieht.

Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag ist die PIPER-Fantasy-Nacht, die im wunderbar passenden Schiller-Theaterhaus in der Leipziger Innenstadt stattfindet. Auch wenn ich nur noch einen Platz vor den Sitzplätzen auf dem Boden bekomme, kann das meine Freude an diesem Abend nicht trüben – und außerdem bin ich so noch näher an den drei Autoren, die ihre Neuerscheinungen vorstellen. Den Beginn macht Robert Corvus mit dem Science-Fiction Roman Feuer der Leere, der hauptsächlich in Großraumschiffen spielt. Nachdem die Figuren darüber gegrübelt haben, ob der Mensch mehr aus Materie oder Leere besteht, unterhalten sich die Autoren unter der Moderation von Christian Handel über die kuriosesten Dinge, die sie bereits recherchiert haben. Das führte zu solch spannenden Fragen wie „Wie stirbt man im Vakuum?“ oder „Wie lange dauert es, jemanden zu erwürgen?“.

Auch über die Praxis des Roman-Schreibens wird gefachsimpelt und besonders Brandon Sanderson freut sich, mit zwei Autoren am Tisch zu sitzen, die ebenfalls ihren vollständigen Roman planen, während er in den USA häufig als einziger diese Technik nutzt, da viele andere Autoren erst während des Schreibens ihre Geschichten entdecken. Um all die Details der Geschichten dann passend im Kopf zu behalten und sich nicht selbst zu widersprechen, beschäftigt Brandon Sanderson einen Mann namens Peter. Peter weise ihn auf mögliche Fehler hin, was im lieber sei, als wenn dies die Fans tun würden, da auch diesen jede Ungereimtheit auffalle, so der Autor. Während das Publikum noch lachend Applaus spendet, erkundigt sich Michael Peinkofer schmunzelnd, ob er die Nummer von Peter haben könne, worüber erneut herzlich gelacht wird. Danach liest Michael Peinkofer aus dem Buch Tote Helden: Die Legenden von Astray, das sich um die Frage dreht, was mit den Helden passiert, nachdem das Böse besiegt ist. Zum Abschluss liest erst Brandon Sanderson auf Englisch eine Seite aus Schatten über Elantel. Ein Nebelgeborenen-Roman, die er in Europa verfasst hat. Darauf gibt eine Leipziger Schauspielerin weitere Einblicke aus der Übersetzung. Sein neues Werk erinnert ein wenig an einen Western, womit Sanderson eine neue Richtung des Fantasy-Genres öffnen will, die nicht gefangen in der Tolkien-Fantasy ist, auch wenn das, was Tolkien gemacht habe, großartig gewesen sei. Denn – und darüber sind sich alle drei Autoren einig –Fantasytexte dringen in den Kern des Menschen vor und bilden damit ein weitgreifendes Genre.
Als ich an diesem Abend schlafen gehe, denke ich noch einmal an die Legenden der Mari und frage mich unwillkürlich, was mein Nachtfalter nach diesem ereignisreichen Tag wohl in der Nacht sehen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ulf Stark präsentiert sein neues Werk Was wir uns wünschen 

 

 

 

Cosplay Wettbewerb in Halle 1 

 

Laura Kuhn präsentiert ihren Debütroman We could be heroes

Mein Buchmessetag - Lilli Peters

Mein zweiter Tag auf der Leipziger Buchmesse stand ganz im Zeichen der Kinder- und Jungendliteratur: von Kindern, die mit Schuhen reden, männlichen Wonderwomen und Tagebucheinträgen, die zum ersten Roman führten.
Nach einer erholsamen Nacht begann mein zweiter Messetag stressig, hektisch und vor allen Dingen laut. Auf dem Bahnhof angekommen sahen meine Mit-Praktikantin und ich uns von einer erheblichen Menschenmasse konfrontiert, die genau dasselbe Ziel hatten wie wir: das Messegelände. Nach drei verpassten, übervollen Trams und den monotonen, aber doch recht lauten Ansagen des Schaffners, von den Gleisen zurückzutreten, schafften wir es schlussendlich doch noch in eine Tram. Körper an Körper gepresst, brauchten wir uns da nicht einmal festhalten: Fallen konnten wir hier sowieso nicht.
Auf dem Messegelände angekommen begab ich mich zuerst zu einer Lesung von dem Kinderbuchautor Ulf Stark aus seinem Buch Was wir uns wünschen. Darin geht es um den kleinen Fred, der mit Nachnamen zwar Frieden heißt, jedoch im Krieg leben muss. Angesiedelt ist der Roman in Schweden zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, in dem sich auch Freds Vater als Soldat befindet. Der kleine Junge ist zu jung, um zu begreifen, warum sein Vater nicht bei ihm sein kann und dadurch, dass er ihn so vermisst, beginnt Fred mit Gegenständen zu sprechen, die seinem Vater gehören. So auch mit dessen Schuhen. Ulf Stark sagte im Interview, dass es für ihn wichtig sei, die ganze Bandbreite des Lebens in seinen Büchern widerzuspiegeln. Und auch Krieg gehöre zum Leben dazu. Trotz der schwierigen Thematik erzählt das Kinderbuch auch von den schönen Seiten des Lebens. So ist Fred im Buch auch das erste Mal verliebt, nämlich in seine Klassenkameradin Elsa. Ein schönes Kinderbuch, das trotz aller Ernsthaftigkeit mit Witz erzählt und einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Ein weiteres Highlight des Tages war der Cosplay Wettbewerb, bei dem die vielen Verkleidungskünstler ihre DC- und Marvel-Heldenkostüme präsentieren konnten. Von Spiderman mit seiner Black Cat über Deadpool mit einem Luftgitarren-Solo bis hin zu einer männlichen Wonderwoman war alles dabei. Die Teilnehmer zeigten eindrucksvoll, wie viel Hingabe, Arbeit und vor allem Spaß sie in ihre Kostüme stecken. So nähte beispielsweise ein Teilnehmer sein Kostüm von Agent Venom komplett selbst, während das Netz auf Spidermans Kostüm in feinster Zeichenarbeit von einem Teilnehmer mit Silikon aufgetragen wurde. Schlussendlich wurden die männliche Wonderwoman von DC und Spiderman mit seiner Black Cat von Marvel mit dem ersten Platz ausgezeichnet.
Zum Abschluss meines Messetages besuchte ich noch eine Lesung von Laura Kuhn und ihrem Debütroman We could be heroes. Kuhn gewann 2016 den Tolino Media Impress Schreibwettbewerb und veröffentlichte nun ihren ersten eigenen Roman. Sie selbst sei schon seit drei Wochen aufgeregt gewesen, sagte sie, weil sie Auszüge aus ihrem Roman auf der Buchmesse lesen sollte. Sie betonte auch, dass ihr Buch kein gewöhnlicher Coming-out Roman sei, weil es vor allem darum ginge, zu erkennen und anzunehmen, wer man sei und das nach außen zu tragen. Bemerkenswert ist, dass ihr Roman aus anfänglichen Tagebucheinträgen hervorgegangen ist. Die Auszüge, die Kuhn las, waren wortgewandt, authentisch und einfühlsam. Ein toller Abschluss für meinen zweiten Messetag


Tag 3: 25.03.2017

Dritter Tag der Leipziger Buchmesse 2017 - eine vielfache Betrachtung

Am Ende dieser ereignisreichen Tage sagt das LZG der Messe auf Wiedersehen und tritt den Heimweg an – gut gelaunt und voller Vorfreude auf das nächste Jahr. 




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Das Messe Maskottchen

 

 

Neuland 2.0 in Halle 5

 

 

 

Poetry-Slammer Lars Ruppel stellt sein neues Werk Die Kuh vom Eis vor 

 

 

 

 

Mein Buchmessetag - von Saskia Langstrof 

Obwohl ich dachte, dass ich bereits in den vergangenen Tagen alle Eindrücke über die Messe, ihre Aussteller und Veranstaltungen gesammelt hatte, belehrte mich der Samstag eines Besseren: Heute konnte ich mit Anna-Lena Heid zwei Verlagstermine besuchen, innovative Ideen im Neuland 2.0 bewundern und meine Begeisterung für Poetry Slams entdecken.

Die Verlagstermine beim Aufbau Verlag und der Frankfurter Verlagsanstalt waren sehr interessant – die Vorschauen für das Herbstprogramm weckten sofort den Drang in mir, viele neue Bücher zu kaufen und ich wünschte mir die Erscheinungstermine herbei. Zudem war die Begeisterung ansteckend, mit der über die Romane, Sachbücher und deren Autoren gesprochen wurde – wir erhielten viele neue Ideen für künftige Veranstaltungen des LZG. Am Ende bleibt es zum Glück Anna-Lena Heid überlassen, das breite Angebot einzugrenzen und realisierbare Lesungen herauszukristallisieren, mir würde eine Entscheidung schwerfallen. Vor allem aber begeisterte mich die Art und Weise, wie die Verlagssprecher über ihre Autoren redeten: Natürlich wollten sie die Geschichten vermarkten, aber es wurde in den meisten Fällen auch eine fast schon freundschaftliche Beziehung deutlich. Wenn man neben einem interessanten Inhalt zusätzlich noch hört, dass die AutorInnen freundlich und umgänglich sind, dann bekommt man sofort noch mehr Lust darauf, das neue Werk in den Händen zu halten.

Mit diesem Erlebnis war der Tag aber noch lange nicht zu Ende: In Halle 5 befand sich die Ausstellung zu Neuland 2.0, einer Plattform für innovative Ideen für die Buch- und Medienbranche. Im Vorfeld der Buchmesse wählte eine fachkundige Jury insgesamt 15 Aussteller aus und ermöglichte ihnen, den Besuchern ihre unterschiedlichen Projekte und Produkte vorzustellen. Neben dem Jurypreis, der 3.000 Euro Unterstützung bedeutet, wird auch der Publikumspreis vergeben, für den jeder Messebesucher zwei Stimmen in Form von Styroporkugeln an die interessanteste oder praktischste Idee vergeben konnte. Ich habe auch abgestimmt und nach reiflicher Überlegung meine Stimmen an Mapmind und WaveFont verteilt. Mapmind plant digitale Inhalte kontextspezifisch aufzubereiten, so dass die Informationen einzelner Werke, zum Beispiel mit Blick auf das Genre der Texte, spezifischer werden und durch Kundeninformationen eine Datenbank eröffnet werden kann, die es dem Kunden erleichtern soll, Bücher in seinem Interessensgebiet zu finden. WaveFont ist ein neues Verfahren des Silicon Surfer Startups aus Karlsruhe. Durch WaveFont lassen sich Eigenschaften der Stimme, zum Beispiel Betonung, Geschwindigkeit oder Emotionen, auf der Schrift abbilden, wodurch die eigene Sprache ein visuelles Konstrukt erhält und der Unterhaltungswert beim Lesen intensiviert werden soll. Natürlich haben mich auch die anderen Projekte begeistert, die zum Beispiel die Buchherstellung erleichtern, das Fremdsprachenlernen verbessern oder ältere Generationen beim Lesen unterstützen sollen. 

Mein absolutes Highlight auf der Messe fand ich nur durch einen Zufall. Ich besuchte eine Veranstaltung mit dem Titel Die Kuh vom Eis. Neue Gedichte über Redensarten auf der Leseinsel „Autorengemeinschaftspräsentation“. Die Stühle um mich herum füllten sich schnell und zu Beginn der Veranstaltung gab es bereits einen lauten Applaus für den Redner – den dreifachen Deutschen Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel. Als absoluter Neuling im Bereich des Poetry Slams hatte ich wenig Vorstellung davon, was in der folgenden halben Stunde auf mich zukommen würde. Generell war ich nicht abgeneigt von Lyrik, wusste aber nicht, ob man diese Werke auf anschauliche Weise vor einem so breiten Publikum präsentieren konnte. Lars Ruppel hatte mich binnen Sekunden für sich gewonnen, als er das Gespräch damit eröffnete, dass er aus Gambach stamme, einem Ort nicht weit entfernt von meiner eignen Heimat. Lars Ruppel begeistert mit seinem neuen Werk Die Kuh vom Eis, dem zweiten Teil über Redensarten nach Holger, Die Waldfee, nicht nur durch seine Sprachgewandtheit und seine Fantasie sondern auch durch die Vortragsweise. Er stellte dem Publikum an diesem Tag „Wie ein Schneekönig“, „Die Kuh vom Eis“ und „Alter Schwede“ vor und betonte seine Achtung für die eigene Sprache. Später erhielt ich noch die Gelegenheit, mich kurz mit ihm zu unterhalten – nicht nur über seine Werke, sondern auch über die Heimat. Smalltalk mit einem begabten und sehr sympathischen Mittelhessen. 

Mit diesem Erlebnis ging die Messe für mich zu Ende und ich freute mich bereits darauf, endlich wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen. Wer davon ausgeht, dass die Buchmesse nur mit Spaß verbunden ist, die begeisterten Leseratten sowieso nur „ein bisschen herumlaufen und Geld ausgeben“, der irrt sich vollkommen: ein Messebesuch bedeutet auch körperliche Anstrengung. Mit wunden Füßen und schmerzenden Rücken – aber auch erfüllt von neuen Ideen, Eindrücken, Lesewünschen, Veranstaltungsplänen und einem breiten Lächeln auf dem Gesicht – machte sich das Team des LZG wieder auf die Heimreise.
 

 

Buchaustellung "Schönste Bücher aus aller Welt"

 

Poetry-Slam-Lesung mit Annika Blanke und Insa Kohler

 

 

Bücher über Bücher 

 

Auf Wiedersehen Leipzig! 

 

Mein Buchmessetag - von Friederike Rademacher 

Meinen letzten Buchmessetag beginne ich ausnahmsweise nicht mit einer Lesung, sondern – ganz entspannt – mit einem Besuch der Ausstellung "Schönste Bücher aus aller Welt/ Best Book Design from all over the World" in Halle 3. In der Ausstellung werden über 600 international prämierte schö-ne Bücher aus rund dreißig Ländern präsentiert. Ich bin begeistert von der gestalterischer Vielfalt und nehme mir die Zeit, die einzelnen Buchdesigns jedes Landes in Ruhe auf mich wirken zu lassen. Von farbenfroh-lebendigen über futuristisch-reduzierte bis hin zu Gestaltungsdesigns in schwarz-weiß – wahrhaft ein Paradies für alle Liebhaber schöner Bücher!

Nun mache ich mich auf den Weg zur Leseinsel der Jungen Verlage in Halle 5, wo ich mir die Poetry-Slam-Lesung von Annika Blanke und Insa Kohler anhöre. Ihren neuen Lesestoff präsentieren die Slammerinnen mit sehr viel Dynamik – das Publikum ist begeistert, ich bin es auch. Vor allem der von beiden gemeinsam vorgetragene Text über die Zeitschrift freundin bringt mich immer wieder zum Lachen. In ihm führen Blanke und Kohler auf amüsante Weise die angepriesenen „Weiblichkeitsrezepte“ der Zeitschrift ad absurdum und rebellieren damit charmant gegen die Alltäglichkeit sexistischer Fremdbestimmung. So rufen beide Slammerinnen z.B. mit Nachdruck in ihren Stimmen und im Chor, dass sie eine Freundin wollen, „die weiß, wie man mit Spachtelmasse umgeht. Und zwar nicht im Gesicht!“

Bis zu den Verlagsgesprächen, zu denen ich die Programmleiterin des LZG, Anna-Lena Heid, heute begleiten darf, habe ich noch ein wenig Zeit. Ich nutze sie, um einmal ganz in Ruhe (und nicht unter Zeitdruck, wie am Vortag) durch die Halle 4 zu schlendern. Dort sind alle großen Verlage, wie z. B. diogenes, rowohlt, dtv, oder Fischer mit jeweils einem Stand vertreten, sodass ich mich über ihre Neuerscheinungen ganz entspannt informieren kann. Zu entdecken gibt es reichlich Lesestoff und oft sehr phantasievolle und originelle Buchpräsentationen. So entdecke ich Bücher in einer Art Rundbogenregal übereinander gestapelt oder in einem Eulenregal präsentiert; die Verlage tun alles, um ihre Exponate möglichst kreativ in Szene zu setzen. Auch lasse ich es mir nicht nehmen, einen Abstecher in die Messebuchhandlung zu machen. Dort „stolpere“ ich wieder über Kristina Pfisters Roman Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten, der mich auf der Langen Leipziger Lesenacht am ersten Abend so begeistert hat. Obwohl in meinen Regalen zu Hause noch diverse Bücher sehnsüchtig darauf warten, von mir gelesen zu werden, komme ich nicht umhin, auch diesen Roman zu kaufen. Aber man kann ja nie genügend Bücher besitzen, richtig?

Glücklich über die neue Errungenschaft für mein Bücherregal, mache ich mich auf zu den Terminen mit unserer Programmleiterin Anna-Lena Heid. Ich begleite sie zu ihren Gesprächen bei den Verlagen Schöffling & Co. und rowohlt. Wir lassen uns das jeweilige Programm der Verlage vorstellen und uns beraten, welche Autoren bzw. welche Romane für zukünftige LZG-Programme geeignet seien. Es sind für mich sehr interessante Gespräche, die mir einen guten Eindruck davon vermitteln, wie das LZG mit den jeweiligen Verlagen zusammenarbeitet!

Zwar ziemlich müde und mit schmerzenden Füßen, aber reich an schönen Erinnerungen, neuen Erfahrungen und Leseinspirationen mache ich mich am späten Nachmittag auf zur Garderobe. Drei für mich unvergessliche Tage in Leipzig gehen zu Ende – und ich bin mir sicher, nicht das letzte Mal auf der Buchmesse gewesen zu sein. Kurz bevor sich die Sonne für diesen Tag aus Leipzig wieder verabschieden will, treten auch wir die Heimreise an.
 

 

Wake-Up Slam mit Lars Ruppel 

 

 

 

 

Leseinsel Junge Verlage 

Mein Buchmessetag - von Lilli Peters

Mein dritter Messetag begann mit einer unerwartet entspannten (weil früheren) Hinfahrt zum Messegelände. Anders als gestern wurde ich nicht – wie eine Sardine in der Dose – bei gefühlt 40 Grad Celsius an andere gequetscht. Das änderte sich auf dem Messegelände jedoch schnell: Menschenmassen wohin man schaute, abgesperrte Durchgänge wegen des großen Andrangs und – natürlich, wie könnte es anders sein – meterlange Warteschlangen vor den Damentoiletten. Nichtsdestotrotz hatte ich Gelegenheit, an einigen interessanten Lesungen teilzunehmen. So begab ich mich zuerst zur Lesung von Miriam Sieber, die aus ihrem Werk Wildes Gras gelesen hat. Schonungslos, hart und auch traurig beschreibt die Autorin darin das Leben der Protagonistin Emmy, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und Bilanz mit ihrem Leben zieht. Besonders interessant ist dabei der immer wieder auftretende Perspektivenwechsel. So erfährt der Leser sowohl etwas über die Gefühle und Erinnerungen aus Emmys Jugend als auch aus ihrem späteren Erwachsenenalter, in dem sie die Diagnose erhält.

Im Anschluss daran las Martina Mosebach aus ihrem Werk Die Grenzschwimmerin. Darin geht es um Katharina, die auf die bemerkenswerte Geschichte ihrer Mutter Mischa stößt, die in der DDR Leistungsschwimmerin gewesen ist. Für Katharina ist die Vergangenheit ihrer Mutter auch eine Art der Identitätsfindung, denn sie weiß, aufgrund des frühzeitigen Tods ihrer Mutter, nur sehr wenig von ihr. Ein interessanter Roman, der sich mit der Frage beschäftigt, wie viel wir eigentlich über die Vergangenheit unserer Eltern wissen. Die Lesepassagen waren sehr gut ausgewählt und durch die völlige Hingabe beim Lesen, schaffte es die Autorin, die Zuhörer zu fesseln und ihnen Lust auf mehr zu machen.

Nach den eindrucksvollen und spannenden Lesungen wollte ich zum Abschluss der Buchmesse 2017 noch einmal über die einzelnen Stände in den unterschiedlichen Hallen schlendern, obwohl schlendern – in Anbetracht des riesigen Besucheraufkommens – vielleicht das falsche Wort ist. Trotzdem schaffte ich es noch in Halle 1 zu den Comics, Mangas und Cosplayern, die unermüdlich für Fotos posierten oder vom Security Personal von Stand zu Stand begleitet wurden, denn einige Kostüme waren so ausgefallen, dass es schwierig war, sich darin gefahrlos in der Menschenmenge zu bewegen. Für mehr war leider keine Zeit mehr, denn die Rückfahrt stand kurz bevor. Halle 1 musste ich vor Abfahrt aber definitiv noch einmal durchstreifen, da ich selbst in meiner Jugend gerne Mangas und Comics gelesen habe und mich die Cosplayer unheimlich faszinieren.

Alles in allem vergingen meine Buchmessetage in Windeseile und ich hoffe, dass ich meine, um gefühlt 100 Bücher angewachsene Leseliste bis zur nächsten Buchmesse abarbeiten kann. Denn die nächste Buchmesse kommt bestimmt!



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