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Simone Lappert | Der Sprung 

Diogenes Verlag 2019
336 Seiten
22 Euro

ISBN 978-3-257-07074-3

von Lea Kunz | Download

»Wie wäre es mit einer Frage, die Ihr Leben verändern wird? Sind Sie bereit für eine solche Frage?«

Die junge Frau Manu steht im Mittelpunkt des Romans und auf dem Dach eines Wohnhauses. Dort rebelliert sie und wirft Ziegel auf Passanten. Was ist passiert?

Manu ist wie Moos. Sie wächst mal hier, mal da, aber richtig verwurzeln kann sie sich nie. Die Störgärtnerin belebt Grünflächen, denn nur mit dem richtigen Maß an äußeren Einflüssen kann sich die Natur in Städten optimal entfalten. Und genau so wird Manus verzweifelter Ausbruch auf dem Dach des Wohnhauses der Störfaktor im Leben der Menschen, deren Eindrücke der Roman beschreibt. Die Handlung erstreckt sich über drei Tage, in denen sich für alle Beteiligten viel verändert. Zum Positiven wie zum Negativen.

Es geht los mit dem Polizisten Felix, dessen Nachmittag mit einem Tomatensaft bei Roswitha beginnt und mit einem abgeschossenen Ohr endet. Zuhause erwarten ihn die Elektrogeräte, an denen er in seiner freien Zeit bastelt, und seine schwangere Freundin Monique, von der er sich immer weiter abwendet. Am nächsten Tag wird er zum Einsatz gerufen und soll die Frau, die auf dem Dach rebelliert, zum Herunterkommen bewegen. 

Außerdem ist da Astrid, die Manu eigentlich um ihre Bereitschaft, Dummheiten zu begehen, beneidet. Jetzt möchte sie zur Bürgermeisterwahl in Freiburg antreten und sieht ihr Image in Gefahr, sollte der Aussetzer ihrer rebellierenden Halbschwester mit ihr in Verbindung gebracht werden. Ihr Wahlslogan verspricht: »Astrid Guhl, für eine Stadt, die niemanden im Stich lässt.«

Eine Menge Geld verdienen Theres und ihr Mann Werner, die die schaulustige Menge mit belegten Broten versorgen. Die Beziehung der beiden blüht durch die Ereignisse rund um Manu wieder auf und Theres plant eine Reise nach New York. Doch diese finanziert sie nicht mit Broten, sondern mit Figuren aus Überraschungseiern, denn in ihrer Fähigkeit, diese in den verschlossenen Eiern erkennen zu können, hat sie sich über die vergangenen Jahrzehnte hinweg eine Trefferquote von 90 Prozent erarbeitet.

Auch Maren beginnt ein neues Leben. Sie wohnt im Wohnhaus, auf dessen Dach Manu steht. Nach den drei ereignisreichen Tagen findet sie die Kraft, ihre Koffer zu packen und endlich ihren Mann Hannes zu verlassen, der wiederum selbst schon vor längerer Zeit ein neues Leben ohne Maren und dafür mit Astrid begonnen hat.

Und während man durch den raschen Perspektivenwechsel die Protagonisten teils bis in ihre Gedankenwelt hinein kennenlernt, wird Manu selbst in diesem Roman kein eigenes Kapitel gewidmet. Sie wird lebendig allein durch die Blickwinkel der anderen. Sie ist das Gegenstück, das sich nicht an die Gesellschaft anpassen will. Die Gesellschaft, die sich vor dem Haus versammelt, die Handys zückt und den Zwischenfall auf so verstörend beschriebene Weise begafft.

Simone Lappert greift in ihrem Roman Der Sprung Problematiken wie Lebensmüdigkeit, Sensationsgier und Empathielosigkeit auf, ohne, dass die Kunst des schönen Erzählens in den Hintergrund gerät. Die zahlreichen Kapitel des Romans profitieren insgesamt alle von Leerstellen und offenen Fragen, ähnlich denen, die der wohnungslose Henry auf der Straße an Passanten verkauft. Der Sprung erzählt nicht nur die berührende Geschichte der jungen Störgärtnerin Manu, sondern zeichnet das Porträt diverser Einzelschicksale, die in dieser Kleinstadt alle mehr oder weniger miteinander verwoben sind, wie das Wurzelgeflecht der Pflanzen, mit denen Manu sich so gern umgibt.

 

Über die Autorin:

Die Autorin Simone Lappert (*1985 in Aarau, Schweiz) studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Heute lebt und arbeitet sie in Basel und Zürich. Nachdem ihr Debütroman Wurfschatten auf der Shortlist des »aspekte«-Preises stand, erschien 2019 ihr Roman Der Sprung, der für den Schweizer Buchpreis nominiert ist.

(Lea Kunz)


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