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Nina George | Das Lavendelzimmer 

Knaur Taschenbuch Verlag 2013
384 Seiten
9.99 Euro

ISBN 978-3-426-50977-7

von Luisa Marie Wagner | Download

»Die Bekanntschaft mit einem einzigen guten Buch kann ein Leben ändern«, hat der französische Schriftsteller Marcel Prévost einmal gesagt. Und jeder Bücherliebhaber kann diesen Satz bestätigen. So gibt es Bücher, die schlicht wundervolle Stunden in bequemen Lesesesseln bescheren; oder Bücher, die erzählend Hinweise geben, wie wir handeln sollen; oder Bücher, in denen wir uns selbst erkennen und spüren, dass wir nicht alleine sind.

Diese Gedanken greift Nina George in ihrem Roman Das Lavendelzimmer auf. Sie lässt ihre Hauptfigur, den Bücherhändler Monsieur Perdu, Bücher wie Arzneien verkaufen. Sie sollen Halt geben in den Lebenslagen, für die es in der Medizin kein Mittel gibt. Und Monsieur Perdu ist wie geschaffen für diese Aufgabe. Er betrachtet die Menschen, die sein Bücherschiff am Ufer der Seine betreten, und spürt dank seiner Beobachtungsgabe oft sehr schnell, was sie bedrückt und welches Buch sie aufmuntern könnte. Er weiß um die Besonderheit der Bücher, die immer da sind, um einen Lesenden zu verzücken und dabei helfen, Liebeskummer, Einsamkeit und Sehnsucht zu lindern, Abenteuerlust zu befriedigen und der Freiheit Flügel zu verleihen.

Diese fast fantastische Macht der Bücher verortet Nina George in einer ganz realen Umgebung, denn Monsieur Perdu lebt in Paris im Haus No. 27, wo er der Liebe seines Lebens nachtrauert, die ihn vor über zwanzig Jahren verlassen hat. Sein Leben ändert sich, als eine neue Mieterin in das Haus No. 27 zieht, die ebenfalls verlassen wurde und wegen ihres überstürzten Auszugs nicht einmal einen Küchentisch besitzt. Als Perdu ihr nun seinen alten Küchentisch überlassen möchte, muss er das Lavendelzimmer öffnen, das Zimmer, das er 20 Jahre nicht mehr betreten hat. Denn in diesem Zimmer hatten die Treffen mit seiner Geliebten stattgefunden. Die verlassene Dame, Catherine, entdeckt in diesem Tisch den Abschiedsbrief der Geliebten, was Perdu schließlich zwingt, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Denn er hatte den Brief nie gelesen und erfährt erst jetzt, warum er verlassen wurde.

Darauf kappt Monsieur Perdu nicht nur metaphorisch die Taue seines Bücherschiffs und fährt los, immer noch verwundet von der Liebe und auf der Suche nach sich selbst. Durch einen Zufall wird ein junger Autor sein Begleiter, der in einer Schreibkrise steckt und vor seinen Fans flieht. Die beiden ungleichen Männer kommen sich näher und entwickeln während ihrer Reise eine tiefe Freundschaft. Perdu landet schließlich in der Provence, wo er versucht, seinen Platz in der Welt wiederzufinden. Und währenddessen berichtet er Catherine durch Briefe von allen seinen Erlebnissen.

Nina George schildert ihre Figuren so vielschichtig, dass sich der Leser in mehr als einer ihrer Facetten wiederfinden kann. Auch werden die Bücher und ihre Fähigkeiten mit so viel Einfallsreichtum und Witz, aber auch dem entscheidenden Körnchen Wahrheit geschildert, dass man sich ebenfalls das Buch herbeisehnt, das Perdu für die Linderung der eigenen Seelenschmerzen empfehlen würde. Neben ihrer wunderbaren Beschreibung der Bücher erzählt Nina George von den traurigen und schönen Seiten der Liebe, aber auch von den großen und kleinen Suchen des Lebens, auf denen sich ihre Romanfiguren befinden. Gleichzeitig sind Orte wichtig – Orte, an denen man zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden kann. Nina George schafft hier ein wunderschönes Szenario, wo besonders die Provence eine besondere Rolle spielt. Das Lavendelzimmer ist daher auch ein Urlaubsbuch, das Lust auf ruhige Abende mit Wein und einer geliebten Person macht. Es ist aber auch ein »Trost-Buch«, wie es die Autorin bezeichnet, das gegen Liebeskummer und beim Schließen der Lücke hilft, die ein Mensch hinterlässt.

Die Autorin Nina George wurde 1973 geboren. Seit 1992 arbeitet sie als Schriftstellerin und freie Journalistin und schreibt Romane, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten und Kolumnen. Sie erhielt für ihren Roman Die Mondspielerin 2011 den Preis für den besten Liebesroman und 2012 für den Kurzkrimi Das Spiel ihres Lebens den Glauser-Preis. Das Lavendelzimmer erschien 2013, stand 63 Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde in 35 Sprachen übersetzt. Unter ihrem Pseudonym Anna West gehört sie zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Erotikautorinnen. Mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens J. Kramer, schreibt sie unter dem Doppel-Pseudonym Jean Bagnol Provencethriller. George engagiert sich für die Rechte und Interessen von Autorinnen und Autoren und ist unter anderem Beauftragte des Womens Writers Commitee des PEN-Zentrums Deutschland. Sie lebt in Berlin und in der Bretagne.

(Luisa Marie Wagner)


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