In Gedenken an Wolfgang Borchert 

Wolfgang Borchert - Letztes Foto als Zivilist im Sommer 1941 (c) Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von OssietzkyWolfgang Borchert - Letztes Foto als Zivilist im Sommer 1941 (c) Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky

Obwohl er mit nur 26 Jahren starb, zählt Wolfgang Borchert zu den bekanntesten Autoren der Trümmerliteratur. Am 20.5. wäre er 100 Jahre alt geworden. Das Literarische Zentrum blickt auf sein Leben zurück.

Geboren im Mai 1921, wuchs Borchert als Einzelkind in Hamburg-Eppendorf auf. Bereits in seiner Jugend begann er mit dem Verfassen von Lyrik. Inspiriert von einer Hamlet-Aufführung verfolgte er jedoch zunächst die berufliche Laufbahn des Schauspielers, absolvierte 1941 die entsprechende Ausbildung und spielte anschließend an der Landesbühne Osthannover. Noch im selben Jahr erfolgte die Einberufung zum Kriegsdienst. Dort äußerte er sich politisch kritisch, saß sechs Monate in Haft und wurde danach an die Ostfront versetzt. Während des zweiten Weltkriegs zog er sich mehrere Verletzungen und Infektionen zu, die ihn schließlich frontdienstuntauglich machten. Infolgedessen wurde er zum Fronttheater in die Truppenbetreuung versetzt. Aufgrund einer Goebbels-Parodie saß er erneut sechs Monate in Untersuchungshaft und wurde 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe sollte aufgeschoben werden und Borchert stattdessen wieder an der Front kämpfen, was jedoch wegen seines gesundheitlichen Zustands nicht möglich war. Bis zum Kriegsende war er in Jena stationiert, floh daraufhin vor der Gefangenschaft und bestritt, schwer verwundet, den Heimweg in das völlig zerstörte Hamburg zu Fuß.

Nach dem Krieg arbeitete er an seiner Rückkehr in die Theaterszene; er schrieb Texte für ein Hamburger Kabarett, trat jedoch nur ein einziges Mal im September 1945 auf, da er sich letztlich nicht von seinen Krankheiten aus dem Krieg erholen konnte. Im Dezember wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und wechselte, nun völlig fokussiert auf das Schreiben, von der Lyrik zur Prosa. Sein Prosatext »Die Hundeblume« wurde im Frühjahr 1946 in der Hamburger Freien Presse veröffentlicht und mehr Verleger wurden auf Borchert sowie seine Kurzgeschichten - unter anderem  »Das Brot« sowie »Nachts schlafen die Ratten - aufmerksam. «Zeitgleich wurde der Autor ohne Genesung aus dem Krankenhaus entlassen. Während seine Eltern ihn pflegten, verfasste er weitere Prosatexte. Bei seiner ersten Buchpublikation, erschienen im Dezember 1946, handelt es sich um die Gedichtsammlung Laterne, Nacht und Sterne. Ebenfalls Ende 1946 verfasste Borchert in nur acht Tagen sein Heimkehrerdrama Draußen vor der Tür, das als prominentestes Beispiel der Trümmerliteratur gilt. Nach dessen Rundfunk-Ausstrahlung als Hörspiel stieg erneut das Interesse an Borchert. So schloss er unter anderem einen Vertrag mit dem Rowohlt Verlag, welcher 1949 posthum sein Gesamtwerk veröffentlichte. Draußen vor der Tür wurde überdies zum Theaterstück umgearbeitet. Am 20. November 1947, nur einen Tag vor dessen Uraufführung, starb Wolfgang Borchert in Basel.

Mit seiner Trümmerliteratur kämpfte Borchert gegen Gewalt. Inspiriert von seiner Lebensgeschichte verarbeitete er in seinen Werken das unmittelbare Erleben des Krieges und Nachkrieges aus der Sicht der ‚kleinen Leute‘ und gab somit der Kriegsgeneration eine Stimme. Heute gilt Wolfgang Borchert als der Begründer des Genres der deutschen Kurzgeschichte und Vorbild für viele, die ihm folgten. »Vielleicht redet in einem Jahr kein Mensch mehr von mir«, schrieb er nur wenige Monate vor seinem Tod im Rummel um sein erfolgreiches Drama. Doch ganz im Gegenteil: Borcherts Werke werden auch an seinem 100. Geburtstag nach wie vor gelesen und finden sich in vielen Lehrplänen wieder.

                                                                                    Aenne Frankenberger


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