Das flüssige Land. Lesung und Gespräch mit Raphaela Edelbauer 

Dienstag, 14.1., 20 Uhr

Ulenspiegel
Seltersweg 55
35390 Gießen

 

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Eintritt: 10 € | 8 € erm. | 6 € für LZG-Mitglieder

VVK: Tourist-Info Gießen
Für LZG-Mitglieder über das LZG-Büro

Moderation: Christina Hohenemser (LZG)

 

Es war eine Lesung, die zum Nachdenken anregte, an einigen Stellen wundern ließ, an anderen amüsierte, dann wieder betroffen machte. Mit der Lesung aus Das flüssige Land nahm Raphaela Edelbauer am 14.01. die viel erschienenen Gäste mit an einen Schauplatz der skurrilen Superlative: Ein fiktives Land namens »Groß-Einland«, das den Nationalsozialismus nachahmt und kritisiert, und inspiriert ist von echten Begebenheiten, die sich zur NS-Zeit abgespielt hatten.

In einem lebhaften Gespräch zwischen Autorin und Moderatorin Christina Hohenemser vom LZG, die mit teils provokanten Fragen, das Gespräch leitete, zeigte sich Raphaela Edelbauer sehr bewegt zur Thematik und Hintergrundgeschichte ihres Buches. Auf eine Frage hin, versicherte sie, dass jede Szene in ihrem Roman auf einer wahren Geschichte beruhe. Bei den von ihr gelesenen Szenen, die sofort nach sprachlicher Überzeichnung klangen, ließ das erst einmal staunen und schlucken.

Der Ulenspiegel bot als Lesungsort ein Ambiente, das mit seinem alten Gemäuer und der dunkelroten Beleuchtung ideal war, um sich auf die Situation der Protagonistin, aber auch auf die Schrecken, wie sie Edelbauer im Roman ausführte und im Gespräch erläuterte, einlassen ließ.

Vermehrt schmunzelten einige Gäste bei manchen Szenen, die aufgrund ihrer Absurdität fast lächerlich wirkten, aber damit gerade umso deutlicher einen Standpunkt erzeugen konnten. In Das flüssige Land geht es um Ruth, eine Akademikerin, deren Eltern auf mysteriöse Art und Weise sterben. Ruth erfüllt ihnen den zuvor bekannten Wunsch und lässt sie in ihrem Heimatort »Groß-Einland« begraben. Der Ort bringt Ruth jedoch schnell aus der Fassung. Es regiert eine Gräfin ein Regime, das einem Überwachungsstaat gleich kommt und gepaart ist mit einem hohen Maß an Vertuschung. Edelbauer klärte auf, dass ihr fiktiver Ort ein Produkt verschiedener Erlebnisse sei, die es zu diesem intensiven Schauplatz gemacht hätten. Darin verschmelzen jegliche Epochen ineinander. Auch ein Sinnbild der Österreichischen Geschichte solle er darstellen, gab die Wienerin, die im Gespräch scharfsinnige Kritik und eingehende Sentenzen zur österreichischen Politik und zum Nationalsozialismus äußerte, zu verstehen. Eine Verklärung ihrer eigenen Heimat sei ihr fern und auch dafür stehe ihr Roman. Sie selbst betitelte ihn als »Anti-Heimat-Roman« und erklärte ihre Einstellung mit der Aussage » Viel wird auf dem ‚Wir‘ beharrt, wo es etwas zu verbergen gibt.« Im Hinblick auf die Vertuschung wie sie in »Groß-Einland« geschieht – ein weiteres Sinnbild für die Handlungen während und nach der NS-Zeit – war dies ein Punkt, der nachdenklich machte. Das Nachdenken, vielmehr das Hinterfragen, stellte Edelbauer klar, sei ihr mit ihrem Roman besonders wichtig. Aus diesem Grund gibt es in Das flüssige Land einige Einschübe, beispielweise Zeitberichte des Nationalsozialismus, die nicht zuletzt den Leser im Redefluss behindern und zum Nachdenken anregen sollen. Zu Erzählungen an sich, so sagte sie, hielte sie es für gut, wenn diese grundsätzlich als Instanz angezweifelt werden.

An diesem Abend wurde das große Interesse an Edelbauers Roman und der Thematik so nicht nur durch die Moderation deutlich, auch das Publikum stellte abschließend zur gelungenen Veranstaltung Fragen „die ihnen unter den Nägeln brannten“, wie es ein Gast beschrieb. Besonders interessiert waren die Zuhörer vor allem, tiefer in das Werk einzusteigen, indem sie Edelbauer nach einzelnen Details in ihrem Roman befragten, oder ihren Schreibstil mit weiteren deutschen und österreichischen Schriftstellern verglichen. Der Begriff kafkaesk fiel dabei mehrmals - eine Bezeichnung, die Edelbauer schon öfter in Bezug auf Das flüssige Land gehört hatte. Bei ihrer Vorliebe für Kafka, die sie darauf äußerte musste die Rückmeldung zufrieden stimmen, doch intendiert war diese Ähnlichkeit nicht, so stellte sie schnell klar.

 

(Melanie Stolz)


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