Das St. Galler Weihnachtsspiel. Weihnachtsinszenierung der Germanistik-Theatergruppe 

Montag, 10.12.18  18 Uhr
Pankratiuskapelle
Georg-Schlosser-Str. 7
35390 Gießen
Eintritt frei

GAZ | Gästebuch

 

In Kooperation mit dem Institut für Germanistik. 

Sehr gut besucht war die Dernière des St. Gallener Weihnachtsspiel der Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig- Universität Gießen am 10.12.2018 in der Pankratiuskapelle. Die vielen Rollen- und Kostümwechsel waren beeindruckend: Insgesamt sieben DarstellerInnen übernahmen 25 Rollen und auch das Publikum beteiligte sich mit drei kleineren Rollen an der Inszenierung. 

Aufgeführt hat die Theatergruppe das Stück St. Gallener Weihnachtsspiel, welches aus dem letzten Drittel des 13. Jahrhundert stammt. Das volkssprachliche Spiel ist in nur einer Handschrift erhalten, die wahrscheinlich in St. Gallen zu Beginn des 15. Jahrhunderts zu Lektürezwecken abgeschrieben wurde. In der Schrift fehlen jegliche Regieanweisungen und Lieder, welches als Beweis für die Abschrift als Lektürezweck dient. Die einzelnen Szenen sind kurz und weisen teils harte Übergänge auf. Zur Abrundung der Übergänge dienten die in der Abschrift fehlenden Lieder und vor allem dazu, die Handlung zu beschreiben, zu erklären und voranzutreiben. Um sanftere Übergänge zwischen den einzelnen Szenen zu schaffen, fügte die Theatergruppe wieder Lieder ein. Cora Dietl, die Leiterin der Theatergruppe, erklärte vor Beginn der Inszenierung, dass dieses Schauspiel früher auf einer Simultanbühne aufgeführt wurde. Am äußeren Rand einer großen Kirche standen verschiedenen Bühnen aufgebaut, auf welchen die einzelnen Szenen bespielt wurden. Die Theatergruppe hat das St. Gallener Weihnachtsspiel in Teilen modifiziert, um dem Zuschauer das Schauspiel verständlicher zu machen. Modifiziert wurde zum Beispiel das Prophetenspiel, welches in zwei geteilt und teils zu Beginn und anderen teils zum Ende des Stücks gezeigt wurde. Zum Schluss  wurde aus dem Prophetenspiel die Passion Christi und die Osterbotschaft verkündet, um die Handlung in einen Rahmen zu betten. Außerdem wurden dem Stück Dialogpassagen spontan zugefügt, in modernes Deutsch übersetzt und neu gereimt. Des Weiteren wurden einige Szenen sowie Figuren gestrichen und drei Figuren, welche nur einzelne Verse sprechen, wurden an das Publikum delegiert. Auch das Tedeum, welches am Ende stand, wurde für die Inszenierung der Theatergruppe angepasst. Gesungen wurde das Tedeum in Deutsch, obwohl die ursprüngliche Fassung in Latein verfasst ist. Das Stück selbst erzählt die Geschichte von der Geburt Jesus Christus und bleibt dabei nah an der biblischen Vorlage. Allerdings integriert das Schauspiel auch apokryphe Texte und Motive aus religiösen Hymnen und zeigt weder die üblichen Szenen der Herbergssuche noch das Kindelwiegen, welche in späteren volkstümlichen Weihnachtsspielen oft vorkommen. Im St. Gallener Weihnachtsspiel ist dafür der Plot nach der Geburt Jesu weiter ausgebaut. Die Lobpreisung der Töchter Zion, der Botenbericht über die Präsentation Jesu im Tempel sowie Rahels Tröstung durch die Verdammnis der Kindermörder sind Szenen des Stücks, die für Weihnachtsspiele eher ungewöhnlich sind. Die Handlung des Stücks beginnt nach dem Prophetenspiel mit der Verlobung Marias und Josephs. Kurz darauf verkündet der Engel Gabriel Maria, dass sie den Sohn Gottes empfangen werde. Joseph wird daraufhin von schweren Zweifeln geplagt und möchte Maria verlassen, doch in der Nacht überzeugt Gabriel ihn, dass Maria ihn nicht betrogen hat, sondern Gottes Sohn empfängt. Nachdem Jesus zur Welt kam, wurde dieser von den Hirten und den Heiligen drei Königen aufgesucht. König Herodes erfährt von der Geburt und davon, dass das Neugeborene als König der Juden tituliert worden ist, von seinem Boten. König Herodes erhofft mehr Informationen über den Standort des Neugeborgenen von den Heiligen drei Königen zu erfahren, welche jedoch von Gabriel gewarnt werden und König Herodes keine Informationen überbringen. Nachdem Herodes durch seinen Boten erfährt, dass Jesus im Tempel als Sohn Gottes gepriesen wurde, beschließt er, alle neugeborenen Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren töten zu lassen. Maria und Joseph fliehen daraufhin nach Ägypten. König Herodes muss Gottes Zorn spüren und sinkt vom Thron, woraufhin Gabriel Maria und Joseph aus Ägypten zurück ruft. Die Inszenierung endet mit dem zweiten Teil des Prophetenspiels, in welchem der Tod und die Auferstehung Christi verkündet werden.

(Amandine Olbort)


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