Am Tag, als Frank Z. in den grünen Baum kam. Lesung und Gespräch mit Britta Boerdner 

Donnerstag, 12.9., 19 Uhr

KiZ (Kongresshalle)
Südanlage 3a
35390 Gießen

 

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Eintritt: 6€ | 4€ erm. | LZG-Mitglieder frei

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Für LZG-Mitglieder über das LZG-Büro

Moderation: Kirsten Prinz (LZG)

Am Tag als Frank Z. in den Grünen Baum kam. Lesung und Gespräch mit Britta Boerdner

Am Donnerstag, den 12.9.2019, entführte Britta Boerdner das Publikum auf eine Reise in die Heimat der 17-jährigen Ev, genauer nach Randstetten im Wetteraukreis. Unter dem Motto des Abends „Heimat“, las Britta Boerdner aus ihrem Roman Als Frank Z. in den Grünen Baum kam, begleitet durch die Moderation von Kirsten Prinz.

Szenisch eröffnete Britta Boerdner den Abend aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur Ev, die wie jeden Abend in der familiengeführten Pension Grüner Baum sitzt. Die Kneipe mit den durch Nikotin vergilbten Vorhängen und dem beißenden Geruch von Alkohol ist nicht nur Mittel- und Treffpunkt für die Ortsbewohner, sondern besonders für Ev ein Symbol für das Bekannte. Denn obwohl die Geschichte Ende der sechziger Jahre spielt, ist die Aufbruchstimmung, die bereits deutlich in der Luft der Zeit lag, noch nicht bis nach Randstetten gelangt. Dort werden noch veraltete Denkweisen an die jüngere Generation weitergegeben, wodurch das Sehnsuchtspotenzial nach etwas Neuem oft erstickt wird. An dieser Stelle macht Britta Boerdner auch auf den Geschlechterunterschied aufmerksam, indem sie mit Ev deutlich zeigt, dass diese Sehnsucht bei den jüngeren Frauen oft stärker war als bei gleichaltrigen Männern des Dorfes. Diese würden sich leichter mit beispielsweise der Rolle ihres Vaters oder gar Großvaters identifizieren. Passend dazu antwortet Britta Boerdner auf die Frage der Moderation, ob Heimat etwas sei, dass man sich aussuchen könne mit: „Man muss sich damit abfinden, oder man wächst schnell heraus“.

Die vermeintliche Idylle endet mit dem Besuch des amerikanischen Musikers Frank Z., der durch eine Autopanne gezwungen wird im Grünen Baum Halt zu machen. Mit ihm tritt das Fremde in das Dorf – ein Prototyp des „amerikanischen Gammlers“. Ev, die durch ihn noch einmal daran erinnert wird in welch starren Rollenbildern sie lebt, verliebt sich schnell in ihn, auch weil er Musik in ihr Leben bringt. Der schale Dorfgeschmack scheint plötzlich wie erstickt durch die lauten Sounds der Beatles, die durch die Boxen der Dorfdisko „Sunnyside“ dringen.

Britta Boerdner schafft es sich mit ihrer Geschichte von einem typischen Heimatroman zu entfernen, ebenso sagt sie, dass der Fokus nicht alleine auf der Liebesgeschichte liegt, sondern, dass die Geschichte vielmehr eine Antwort darauf sein soll, wie eine ländliche Ortschaft wie Randstetten auf etwas Fremdes reagiert. Denn obwohl der Fremde eine Faszination bei Ev auslöst, trifft er bei vielen Bewohnern auf Skepsis und Unmut. Die Authentizität, die ihre Geschichte ausmacht, erreichte sie durch Recherche in alten Zeitungen des Wetteraukreises, sowie durch Erzählungen und eigene Erfahrung. Das Publikum bekam dadurch ein Gefühl der Zeitreise in eine Ära des Aufbruchs – unterlegt durch die Klänge von Volksmusik und Stevie Wonder.

(Beatrice Kaiser)


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