nachts leuchten die schiffe. Lesung und Gespräch mit dem Lyriker Nico Bleutge 

Donnerstag, 14.11.18 – 19 Uhr

Kunsthalle Gießen
Berliner Platz 1
35390 Gießen

 

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Eintritt frei

Moderation: Peter Reuter (LZG)

In Kooperation mit der Kunsthalle Gießen.

 

Bericht: nachts leuchten die schiffe. Lesung und Gespräch mit dem Lyriker Nico Bleutge

 

Am Donnerstagabend, den 14.11., war Lyriker Nico Bleutge für Lesung und Gespräch zu Gast beim LZG. In der Kunsthalle Gießen, die dieses Jahr ebenfalls 10-jähriges Jubiläum unter dem Motto Kooperationen feiert, las der gebürtige Münchener im Rahmen der Kunstausstellung des neuseeländischen Künstlers Matthew Cowan namens The Scream of the Strawbear aus seinem neusten Gedichtband nachts leuchten die schiffe.

 

Eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung hatten die Besucher die Möglichkeit, an einer von Kuratorin Nadia Ismail geleiteten Führung durch die Ausstellung teilzunehmen. Viele, der nicht nur durch die visuellen, sondern vor allem aufgrund der akustischen Effekte neugierig gewordenen Gäste nahmen an der Führung teil. Mit seiner Ausstellung möchte Cowan den Besuchern die Bräuche aus der Umgebung Gießens näherbringen – unter anderem den sogenannten Strohbären. Nach der Führung folge dann die offizielle Begrüßung durch Nadia Ismail, die das Wort an Moderator und LZG-Vorstandsmitglied Dr. Peter Reuter weitergab. Es folgten eine erneute Begrüßung, ein Dank an die Kunsthalle anlässlich der ersten Kooperation zwischen Kunsthalle und LZG und die Vorstellung Bleutges. »Lyriklesungen haben eine gewisse Sonderstellung«, so Reuter. Er erläuterte, dass läge an ihrer Seltenheit und den intensiven und einzigartigen Leseerlebnissen, die sie brächten.

 

Bleutge erzählte daraufhin von einigen seiner eigenen Erinnerungen an den Brauch des Strohbären, den es wohl auch in Tübingen gibt, wo er studierte und 15 Jahre lang lebte. Danach sprach er über seine Inspirationsquellen: Aufenthaltsorte, persönliche Erinnerungen, aber auch die momentane Lektüre seien von großer Bedeutung für seine Schreibarbeit.

Dabei gab er einige Beispiele für solche »Sprungbretter«, wie er sie nannte: zum Beispiel der Blick auf den Bosporus und die darauf fahrenden Kräne und Dampfer, die er während seines Aufenthaltes in Istanbul beobachtete, oder seine Besuche in der Wohnung seiner Großeltern in Mainz, von der aus man ebenfalls direkt aufs Wasser sehen könne. Vor allem seine Beobachtungen im Ausland veranlassten Bleutge dazu, sich intensiv mit Themen wie der Flüchtlingskrise, Globalisierung und ihren Folgen auseinanderzusetzen.

 

Das Wasser und Schiffe spielen in nachts leuchten die schiffe – wie bereits im Titel deutlich wird – eine große Rolle. Vor allem im ersten der Zyklen, in die der Gedichtband eingeteilt ist, kommen diese Worte häufig vor. Andere Passagen, die er las, heißen zum Beispiel »grasen mit grisu« oder »gradierwerk«. Besonders der Zyklus über den Drachen Grisu, der Feuerwehrmann werden möchte, zeigt die humorvolle Seite des Lyrikers.

 

Doch seine Gedichte sind alles andere als gewöhnlich, gleichen schon beinahe Prosagedichten. Sie besitzen zwar einen formalen Rhythmus und sind in Zyklen mit jeweils gleicher Zeilenanzahl eingeteilt, jedoch fehlen von Reimen und Metrik jede Spur. Trotzdem lassen sich die nur in Kleinbuchstaben geschriebenen, einzigartigen Gedichte flüssig und klangvoll lesen und die von Bleutge passend eingesetzten Pausen zwischen den Passagen schufen eine gemütliche Atmosphäre, dank der man die Eindrücke in Ruhe auf sich wirken lassen konnte.

 

An einem Essayband, den er während seines Stipendiums in der Villa Massimo in Rom zu schreiben begann, arbeite er zurzeit. Dieser solle zwischen 20 und 40 Druckseiten umfassen, sei viel Arbeit und die Gäste müssten sich wahrscheinlich noch eine Weile mit der Vorfreude darauf begnügen, da er ein »langsamer Schreiber« sei, der einen klaren Plan als schlimm empfinde, auf »euphorische Schreibmomente« hoffe und versuche »komplexe Gebilde« zu schaffen. Nach einer abschließenden Fragerunde nahm sich Bleutge Zeit, um Exemplare seines Gedichtbandes zu signieren und die zufriedenen Besucher in den Abend zu verabschieden.

 

(Johanna Becker)


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