Stummfilm und Live-Dialoge
Donnerstag, 20. August 2026, 18 Uhr
Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstraße 35, Gießen
Weitere Aufführung: Samstag, 14. November 2026, 19 Uhr, TU Braunschweig
Wie führt man ein Theaterstück auf, das nur noch in Fragmenten überliefert ist? Dieser Frage widmet sich die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einer außergewöhnlichen Inszenierung von »Esther« des Basler Humanisten Caspar Wolf als zweites Stück in diesem Sommer.
Die Aufführung entsteht im Rahmen des DFG-Projekts »Theatrale Aushandlungen interreligiösen oder interkonfessionellen Zusammenlebens. Deutschsprachige Esther-Dramen des 16. Jahrhunderts«. Das Projekt erforscht die Rezeption des biblischen Esther-Stoffes im frühneuzeitlichen Theater und fragt danach, wie historische Dramen religiöse und gesellschaftliche Konflikte ihrer Zeit verhandeln.
Ausgangspunkt der Inszenierung ist eine Basler Handschrift aus dem Jahr 1601. Von Caspar Wolfs »Esther« sind lediglich die sogenannten Argumenta – dialogisch gestaltete Inhaltsangaben der fünf Akte – erhalten, während der eigentliche Spieltext verloren ist.
Um dieses exzeptionelle Werk dennoch auf die Bühne zu bringen, hat die Theatergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Cora Dietl ein innovatives Aufführungskonzept entwickelt: Ein eigens produzierter Stummfilm erzählt die Handlung von Thomas Naogeorgs lateinischer Esther-Tragödie Hamanus, deren Stoff Caspar Wolfs Werk zugrunde liegt. Die überlieferten Zwischendialoge werden anschließend live präsentiert und verbinden sich mit dem Film zu einem spannenden Medienexperiment. Das Drehbuch stammt von Karina Fischer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt; gedreht wurde auf dem Schiffenberg.
Anlass der Aufführung ist ein internationaler Workshop des DFG-Projekts, der vom 19. bis 21. August 2026 an der Justus-Liebig-Universität Gießen stattfindet. Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Theologie, Jiddistik, Kunst- und Literaturgeschichte diskutieren dort die Rezeption des Esther-Buches im deutsch-, niederländisch-, englisch- und jiddischsprachigen Raum des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Veranstaltung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Hessischen Landestheater Marburg gefördert und findet in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen statt.
Der Eintritt ist frei.