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Karl Wolfgang Flender | Greenwash, Inc. 

Dumont 2015
392 Seiten
19.99 Euro

ISBN 978-3-8321-9764-3

von Svenja Gabriel-Jürgens | Download

Schamlos, bitterböse und außerordentlich zynisch – mit diesen Worten lässt sich Karl Wolfgang Flenders Debütroman Greenwash, Inc. treffend beschreiben. Erschienen im DuMont-Verlag entführt Flender seine Leser in die mitleidlose Welt der Werbebranche.

Zu diesen Menschen gehört auch der Protagonist Thomas Hessel. Als Angestellter bei der Agentur Mars & Jung will er Karriere machen. Die Mittel dafür sind dem ehemaligen Journalisten vollkommen egal. Spezialisiert hat sich Hessel auf den Bereich der Öko-PR. Gemeinsam mit seinem ebenso skrupellosen Kollegen Christoph entwickelt er sogenannte ‚Hope-Stories‘. Das sind inszenierte Geschichten, die in Verruf geratene Firmen wieder in das ‚rechte Licht‘ rücken oder Umweltskandale verbergen sollen.

Mit der Wahrheit haben die ‚Hope-Stories‘ jedoch gar nichts gemein, wie der Leser bereits relativ zu Beginn erfahren muss. Um die Gesellschaft von den Gefahren der Brandrodung zu überzeugen, reist Hessel in den brasilianischen Regenwald. Vor den Augen zahlreicher Journalisten fallen eine Frau und ihr Baby der Brandrodung um ein Haar zum Opfer. Das Pikante an der Situation: Hessel selbst hat für das Feuer gesorgt und die Journalisten eingeladen, um ihnen dieses grauenvolle Theater vorzuspielen. Dass es sich bei der Frau um eine bezahlte Schauspielerin handelt und das Baby aus einem Waisenhaus geliehen wurde, passt einmal mehr zu der entsetzlichen Abgeklärtheit des Protagonisten.

So sind es diese Inszenierungen, die den Mittelpunkt von Greenwash, Ink. bilden. Thomas Hessel inszeniert mit seiner PR nicht nur eine vermeintlich bessere, grünere Welt. Auch sich selbst weiß er äußerlich hervorragend durch Sport oder durch sein regelmäßiges Sprechtraining schön zu färben. Innerlich wirkt er hingegen antriebslos. Als seine Freundin ihm nach und nach zu entgleiten beginnt, entwickelt Hessel keinen Kampfgeist. Lebendig wird er nur für das Wetteifern mit seinen Kollegen. Hessel will – ja, muss – der Beste sein. Und genau dieses Streben wird Hessel schließlich beruflich wie privat zum Verhängnis.

Karl Wolfgang Flender ist es gelungen, einen zutiefst zynischen Roman zu verfassen. Natürlich erfindet Flender mit Greenwash, Inc. das Rad nicht neu. Autoren wie Christian Kracht haben die Kaltschnäuzigkeit in der Popliteratur bereits vorgemacht. Auch der Vorwurf, Flenders Protagonist Hessel mache keine Veränderung durch, steht im Raum. Doch schadet dies dem Roman in keinster Weise. Greenwash, Inc. ist kurzweilig, schonungslos und absolut lesenswert.

Der 1986 in Bielefeld geborene Autor Karl Wolfgang Flender studierte Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim. Er war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste und Mitglied der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2014 – einem Festival für junge Literatur in Hildesheim. An der Universität der Künste in Berlin promoviert Flender in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Zudem ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.

(Svenja Gabriel-Jürgens)


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