Bärenzart. Lesung mit Alexandra Lüthen in Einfacher Sprache 

Montag, 28.1., 18 Uhr

Bildungszentrum Gießen Nord
Reichenberger Str. 15
35396 Gießen

Gästebuch | GA

Eintritt frei

 

In Kooperation mit dem Bildungszentrum Gießen Nord und dem Institut für Germanistik.

Am Montag, den 28.01., fand die Lesung in Einfacher Sprache mit Alexandra Lüthen statt. Nicht zum ersten Mal machten sich Interessierte auf den Weg zum Bildungszentrum Gießen Nord, um an einer Veranstaltung des LZG teilzunehmen. Das Bildungszentrum Gießen Nord, altbekannter Kooperationspartner des LZG, spricht eine breite Zielgruppe an, die sich auch unter den Anwesenden widerspiegelt. Rund 50 Besucherinnen und Besucher verschiedener Altersgruppen lauschten den Geschichten von Alexandra Lüthen. Markus Lepper betonte in seiner Begrüßung, dass die Nordstadt sich um Verständlichkeit und Mehrsprachigkeit bemühe und deshalb einen großen Wert darauf lege, eine solche Veranstaltung in Einfacher Sprache anzubieten, die keinesfalls „arm“, sondern eine „reiche“ Sprache sei.

Unter der Moderation von Prof. Jacob (Institut für Germanistik der JLU Gießen) las die aus Berlin stammende Autorin Alexandra Lüthen einige Geschichten über das Leben und die Liebe. Seit 2014 veröffentlicht sie interessante Titel wie Smartphone-Liebe oder Bärenzart und gewann im Jahr 2015 den Preis „Die Kunst der Einfachheit“. Mit der ihrem Erzählband namensgebenden Geschichte Bärenzart begann Alexandra Lüthen ihre Lesung. Urso bedeutet Bär und die Stärke eines Bären findet sich auch in dem Protagonisten wieder, der in einer Umzugsfirma tätig ist. Täglich schleppt er Kühlschränke, Waschmaschinen und andere schwere Gerätschaften aus fremden Wohnungen, doch zarte Berührungen fallen ihm nicht so leicht. Als Urso nach einem Konzertbesuch mit seiner großen Liebe auf einer Wiese liegt, traut er sich nicht, ihre Hand zu fassen. Als er sich schließlich doch überwinden kann, bekommt er von seiner Begleiterin die Worte „Du bist so bärenzart“ entgegnet. Dieses Wort, das es gar nicht gibt, beschreibt genau, wie Liebe sein kann: stark wie ein Bär und zart wie der Wind.

Mit Geschichten wie diesen möchte Alexandra Lüthen alle Menschen erreichen und zum Nachdenken anregen. Für die Form der Einfachen Sprache hat sie sich entschieden, nachdem sie an einem Wettbewerb teilnahm, für den sie einen Text in Einfacher Sprache schreiben sollte. Sie war zunächst fasziniert von den Regeln und fragte sich, ob man gute Geschichten schreiben könne, mit Sätzen die höchstens aus sieben Wörtern bestehen, keine Fremdwörter enthalten, keine Nebensätze und keine Konjunktive. Schnell fand sie Gefallen an dieser Form des Schreibens: „Ich muss mir nur die Arbeit machen, die Regeln zu lernen, dann kann ich erzählen, was ich will.“ Bewusst entschied sie sich für die Einfache Sprache, um auch Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderung Freude am Lesen zu bereiten. Wenn sie anfängt zu schreiben, hat Alexandra Lüthen häufig nur eine Idee. Sie sieht beispielsweise jemanden auf der Straße, der immer denselben Pullover trägt und denkt sich eine Hintergrundgeschichte aus. Am Anfang weiß sie selbst nicht mehr über die Figur, die vor ihr steht und lernt sie erst während des Schreibens kennen.

Als zweiten Einblick in ihr Werk las die Berlinerin die Kurzgeschichte mit dem Titel Die Nummer von Frau König vor. Eine junge Frau hat endlich eine Antwort auf die Frage von Frau König, ob es etwas Neues gäbe und verkündet, dass sie eine Stelle gefunden habe. Ob die Angestellte vom Arbeitsamt das versteht oder nicht, spielt keine Rolle. Die Protagonistin hat den Wald und das Meer in sich gefunden und einen Freund, mit dem sie eine Sprache teilt.

Auf einen Einblick aus Lüthens unveröffentlichtem Roman Zum ersten Mal ans Meer musste das Publikum auch nicht verzichten und bekam gleich zwei Stellen vorgelesen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer lernten die Figuren Fatih und Ela kennen, die sich bei ihrer ersten Begegnung in einem Behindertentransport direkt ineinander verlieben. Auf einfühlsame und zugleich humorvolle Weise schildert Alexandra Lüthen die Hürden in der angehenden Liebesbeziehung zwischen Fatih und Ela, die sich erst einmal gegenseitig beibringen müssen, wie das Küssen überhaupt funktioniert.

Die Lesung in Einfacher Sprache endete mit einer Geschichte über die 21-jährige Felicitas, die dringend eine Herztransplantation benötigt. Sie kämpft dafür, dass die Linie wieder zur Kurve wird, kann aber auch verstehen, dass man ein Herz nicht einfach so verschenken kann. Mit diesem ernsten Thema entließ Alexandra Lüthen ihr Publikum nachdenklich in den Rest des Abends und wird uns allen mit ihren poetischen Texten sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben.

 

(Sophia Trogemann)


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