WEISSE WOLKEN. Matinée-Lesung mit der Offenbacher Autorin Yandé Seck 

© Hannah Brahm© Hannah Brahm

Sonntag, 25.5., 11 Uhr

Palmenhaus im Botanischen Garten

Eingang Sonnenstraße

35390 Gießen

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Eintritt frei, keine Anmeldung notwendig

Veranstaltungsbericht

Konflikte, Machtstrukturen und verschiedene Formen der Diskriminierung. Am Sonntag, den 25.5.2025, las die Schriftstellerin, Erziehungswissenschaftlerin und ausgebildete Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Yandé Seck im Palmenhaus des Botanischen Gartens aus ihrem Debütroman Weisse Wolken (2024) und machte damit auf bedeutende Themen unserer Gesellschaft aufmerksam. Besonders zentral war der Begriff der Intersektionalität, der im Roman vor allem die beiden Schwestern betrifft. Die Veranstaltung wurde von Lisa Wächter (LZG) und Vera Stelter (Bfl) moderiert.

Während Dieo versucht, mit ihrem Mann und ihren drei Kindern ein bürgerliches Familienleben zu führen, setzt sich ihre jüngere Schwester Zazie als Antirassismus-Aktivistin gegen soziale Ungleichheiten ein. Das Verhältnis zwischen den Generationen war für die Autorin von großem Interesse, wie sie im Gespräch mit den Moderatorinnen erklärte. Dabei beschäftigte sie die Frage, ob der Altersunterschied zu einem Clash führt und auf welche Weise Themen wie Klassismus, Rassismus, Sexismus, aber auch Mutterschaft verarbeitet werden; auch wenn dies natürlich nicht nur eine Altersfrage sei, betonte Seck. Die Verschiedenheit wird an den Lebensentwürfen der beiden Schwestern deutlich: Die eine verhandelt Identität politisch über ihr Schwarzsein, die andere dagegen über ihr Muttersein. Seck beschrieb die Beziehung zwischen den Geschwistern als »konflikthaft, aber verbunden« ‒ Aggression und Nähe lägen eng beieinander, weshalb selbst kleine Differenzen ein »brennendes Potenzial« hätten.

Hinsichtlich Dieos Mutterschaft wurde auch das Thema Einsamkeit diskutiert. Seck wies darauf hin, dass ihre Romanfigur zwar nicht einsam sei, es jedoch durchaus ein weit verbreitetes Problem in unserer heutigen Gesellschaft darstelle: »Mutterschaft kann in dieser gesellschaftlichen Struktur sehr einsam machen.« Insbesondere der Druck zur Selbstoptimierung verstärke dieses Gefühl, das vor allem junge Mütter stark betrifft, so die Autorin. Allerdings könne Verbundenheit, die Einsamkeit ein Stück weit tilgen. Im Roman gehe es eben auch darum: Stärke und Rückhalt aus Freundschaft, Familie und Solidarität zu ziehen. 

Die Bedeutsamkeit von Empfindungen zeigt sich ebenso im Entstehungsprozess des Romans. Die Autorin erklärte, dass sich bei der Beschäftigung mit wissenschaftlichen Texten immer mehr Bilder und Ideen zusammengesetzt hätten, weshalb sie während der Pandemie schließlich beschlossen habe, dem literarischen Schreiben Raum zu geben und damit auch der Verarbeitung von eigenen Emotionen.

Secks Schreibstil bezeichnete Lisa Wächter als eine »Ästhetik des Verweisens«. Gemeint ist damit, Orte, Namen oder auch Begriffe für sich sprechen zu lassen, da sie immanente Bedeutungen besäßen, die mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Zugehörigkeitsgefühlen verknüpft seien. Als zentrale Schauplätze des Romans werden beispielsweise das Frankfurter Nordend, das sich durch seine innerstädtische Lage und sein akademisches Milieu auszeichnet sowie Offenbach als Stadt am Rande der eigenen Wahrnehmung, mit hohem Migrationsanteil und symbolisch aufgeladen. Besonders aufschlussreich war die Erläuterung des Romantitels: Mit »Weisse Wolken« bezeichnet man weiße Flecken auf den Fingernägeln, die jedoch nicht durch  Kalziummangel verursacht werden, sondern für vergangene und minimale Verletzungen in der Nagelstruktur stehen. Yandé Seck stellt diese als  eine Metapher für »die Spuren, die unsere sogenannte Identität bei uns hinterlässt« dar.

 

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe »Ein Tag für die Literatur« von hr2-kultur Literaturland Hessen, gefördert durch den Hessischen Literaturrat mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, in Kooperation mit dem Büro für Integration der Universitätsstadt Gießen im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Diverse Stadt« und der Justus-Liebig-Universität Gießen im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Kultur im Garten«

                                                                                                         Von Sophie Alles

 


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