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John Boyne | Zu schnell 

Jugendroman
Fischer Schatzinsel 2012
112 Seiten
6.99 Euro
ISBN: 978-3596811274

von Hanna Ashour | Download

Das Leben kann sich von einer Sekunde auf die andere schlagartig verändern, das weiß eigentlich jeder und doch sind es genau diese schicksalhaften Momente, die man in seiner Vorstellung weit von sich weist und die einen unvermittelt aus dem Alltag reißen, wenn sie geschehen.

In seinem Jugendroman Zu schnell greift Bestsellerautor John Boyne, der mit Der Junge im gestreiften Pyjama einem Millionenpublikum bekannt wurde, genau solch eine Situation aus dem Leben einer Familie auf und schildert anschaulich und mitreißend, wie die einzelnen Familienmitglieder die Zeit nach einem folgenschweren Unfall erleben.

Zu Beginn der Erzählung ist die Welt des zwölfjährigen Protagonisten Danny noch in Ordnung, schließlich haben die Sommerferien gerade erst begonnen. Doch dann kommt seine Mutter eines Abends nicht wie üblich nach Hause, sondern taucht erst sehr spät in Begleitung zweier Polizeibeamter wieder auf. Sie hat bei einem Autounfall einen kleinen Jungen angefahren und diesen dabei so schwer verletzt, dass er im Koma liegt. Danny ahnt schon sehr bald, dass der Junge „nicht wieder gesund werden würde. Und dass bei uns zu Hause nichts je wieder so sein würde wie vorher.“ (S.21).

Boyne entfaltet die Geschichte aus der Perspektive des Heranwachsenden, sodass der Leser die erdrückende Atmosphäre, in der sich die Betroffenen nach dem Unfall befinden, eindringlich miterlebt. Die Darstellung, wie sich Dannys Mutter komplett aus dem Alltag zurückzieht, niemanden mehr an sich heranlässt und an der Last ihrer Schuldgefühle zu zerbrechen droht, wirkt dabei überaus glaubwürdig. Während der Vater bei dem Versuch, sich um Danny zu kümmern und die Familie zusammenzuhalten, auf ganzer Linie scheitert, muss der Zwölfjährige mit der veränderten Realität und seinem von starken Verlustängsten geprägten Gefühlsleben alleine zurechtkommen. Dass er letztlich vom völlig überforderten Vater geohrfeigt wird, führt zu seiner Flucht von zu Hause und der damit einhergehenden Erkenntnis: "So viel stand fest: Ich wollte nie nie wieder nach Hause zurückgehen." (S.87).

John Boyne lässt Danny dabei immer wieder auf die Ferienlektüre "David Copperfield" von Charles Dickens zurückgreifen. Das Buch bietet dem Jungen das, was ihm im wahren Leben fehlt, eine Identifikationsfigur und eine Rückzugsmöglichkeit aus der eigenen bedrückenden Situation.

Welche Entwicklungen Danny und die Personen aus seinem Umfeld noch erfahren werden und was für eine Rolle die Schwester des verunglückten Jungen spielt, auf die Danny im Laufe der Handlung trifft und die ebenfalls starke Schuld an dem Unfall verspürt, sei an dieser Stelle noch nicht vorweggenommen. 

Festzuhalten aber bleibt, dass John Boyne eine Erzählung gelungen ist, die die zentralen Motive Schuld, Angst und Verzweiflung mit alterstypischen Konflikten wie Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden verwebt, ohne dabei thematisch überfrachtet zu wirken. Die spannenende und prägnante Erzählweise sowie die Verwendung der Perspektive des jugendlichen Protagonisten dürfte dafür sorgen, dass nicht nur die junge Lesergruppe das Buch – einmal begonnen – nicht mehr aus der Hand legen wird.

Zudem hat der Roman auch schon Einzug in den Deutschunterricht gehalten. Der Fischer Verlag stellt auf seiner Webseite ein stimmiges Unterrichtsmodell mit Materialien für das 7. und 8. Schuljahr bereit.

Zum Autor: 
John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er ist der Autor von zehn Romanen, darunter Der Junge im gestreiften Pyjama, der sich weltweit über fünf Millionen Mal verkaufte, zahlreiche internationale Buchpreise gewann (u.a. Nominierung für den British Book Award) und mit großem Erfolg verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.


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