Ex-Gießenerin Walburga Hülk beschreibt den tiefgreifenden und
nachhaltigen Wandel von Paris zur „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“

Gemessen an der Anzahl internationaler Besucher – 2018 waren es mehr als 93 Millionen – führt Frankreich seit mehreren Jahren die Rangliste der beliebtesten Reiseziele aller Nationen weltweit an. Maßgeblich dafür ist die Anziehungskraft von Paris, der nach wie vor und über Generationen hinweg faszinierenden Metropole. Die Gründe für diesen Zuspruch mögen immer auch in der Gegenwart liegen, an aktuellen Reizen – aber nicht minder in der Vergangenheit. Es gibt eine Epoche, die zweifelsohne als „Geburtsstunde des modernen Paris“ betrachtet werden darf. Von den Fünfziger- und Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts leitet sich so ziemlich alles ab, was die Stadt fortan und immer noch so fesselnd macht.

Wer sich dieser Betrachtung nähern will, der sollte sich den Abend des 12. Februar freihalten: In der Gießener Stadt-Bibliothek am Berliner Platz (Rathaus) ist die Literaturwissenschaftlerin Walburga Hülk zu Gast. Sie stellt von 19:30 Uhr an ihr literarisches Meisterwerk „Der Rausch der Jahre“ vor.

Paris, im Dezember 1851: Louis Napoleon, Neffe des weit bekannteren Napoleon Bonaparte, putscht sich an die Macht. Mit ihm wird Frankreich zum Zentrum der Welt. Es ist die Zeit der Gegensätze: Dekadenz und Reichtum auf der einen Seite, Unterdrückung und unmenschliche Arbeitsverhältnisse auf der anderen. Inmitten dieser turbulenten Zeiten kämpfen die Brüder Goncourt mit der Zensur, Victor Hugo muss das Land verlassen, Gustave Flaubert („Madame Bovary“) treibt sich im Bordell herum und Charles Baudelaire („Les Fleurs du Mal“) raucht Haschisch. Chopin-Freundin George Sand macht sich Sorgen um das Klima.

Neben wegweisender Kunst und Literatur der Moderne entstehen im Zweiten Kaiserreich ein gigantisches Eisenbahnnetz, Frachthäfen, Fabriken und Bergwerke, Boulevardpresse und Spekulationsblasen. Präfekt Haussmann walzt weite Teile des mittelalterlichen Paris‘ nieder und durchzieht die Stadt mit breiten Boulevards. Der Krimkrieg ist der erste nach modernen Maßstäben geführte Krieg, der Suezkanal verändert den Welthandel nachhaltig, die Kolonialisierung weitet sich aus. Kurz: Alles ändert sich rasend schnell. Bis sich Napoleon 1870 von der »Emser Depesche« provozieren lässt ...

Die aus Münster/Westfalen stammende und dort lebende Autorin (*1953) ist Professorin für romanische Literaturen an der Universität Siegen. Zuvor lehrte sie in Freiburg und Gießen, war Gastprofessorin an der University of California in Berkeley sowie in Valenciennes und Paris. Sie gilt, so sagt ihr Verlag Hoffmann und Campe, als Expertin für das 19. Jahrhundert in Frankreich. In Mittelhessen hatte Hülk von 1986 an eine Assistentenstelle an der Liebig-Universität Gießen inne, an der sie sich 1993 habilitierte.


Die Präsentation von „Der Rausch der Jahre“ ist
die dritte Gemeinschaftsveranstaltung von Stadt-Bibliothek,
Zentrum für interkulturelle Bildung & Begegnung (ZiBB) und
Deutsch-Französischer Gesellschaft Wettenberg / Die Deutschfranzosen.
Eintritt 8 Euro, inkl. einem Getränk (Wasser/Wein) und einer Leckerei.


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