Pflaumenregen. Stephan Thome liest aus seinem neuen Roman 

Stephan ThomeStephan Thome

Mittwoch, 29.6., 19 Uhr

Japanischer Garten
(Kongresshalle)
Berliner Platz 2
35390 Gießen

 GAZ I GA l Gästebuch 

 

Eintritt: 12 € | erm. 10 € | LZG-Mitglieder 8 €
 

Eine ganz besondere Lesung fand am Mittwoch, den 29.6., statt. Das LZG feierte nicht nur den Geburtstag des stellvertretenden Vorsitzenden des LZG, Nicolaus Webler, sondern auch ein gelungenes Sommerfest. Im Rahmen des »Kultussommers Mittelhessen« nahm der Autor Stephan Thome das LZG-Publikum zudem auf eine spannende Zeitreise nach Taiwan mit. Stephan Thome (*1972 in Biedenkopf) studierte Philosophie und Sinologie und lebt seit vielen Jahren in Ostasien. Bevor er 2014 den Kunstpreis Berlin für Literatur erhielt, schafften es seine Romane Grenzgang und Fliehkräfte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Sein neuster Roman Pflaumenregen spielt in Taiwan. Beginnend in den 1940er Jahren – am Ende der japanischen Kolonialzeit – lebt die achtjährige Umeko in einer Kleinstadt im Norden der Insel. Ihre wohlbehütete Kindheit hört auf, als der Pazifikkrieg bedrohlich näher rückt und schließlich auch ihre Familie erreicht. Mit der Niederlage Japans ändert sich für Umeko über Nacht die ganze Welt. Taiwan gehört von nun an wieder zu China. Plötzlich hat das Mädchen das Gefühl, in einem anderen Land zu leben. Sie darf kein japanisch mehr sprechen, obwohl sie ein Jahr zuvor noch so stolz darauf war, die Sprache zu beherrschen. Es entwickelt sich ein diktatorisches Regime und ihre Familie zählt zu einer unterdrückten Minderheit. Zurück in der Gegenwart, im Jahr 2016, will die inzwischen alt gewordene Frau nicht mehr darüber sprechen. Ihr Sohn Harry versucht währenddessen mehr über seine Familiengeschichte zu erfahren und kommt schließlich einem lang bewahrten Geheimnis auf die Spur.

Thome führt seine Zuhörer*innen durch die Geschichte Taiwans, die innerhalb seines Romans eine bedeutende Rolle spielt, bis hin zur Gegenwart. Vom Beginn der 1940er Jahre bis zum Jahr 2016 zeigte der Autor, anhand sorgfältig ausgewählter Einblicke in den Roman, die Entwicklung Taiwans sowie der Figuren im Laufe der Jahre. Jede Stelle bettete er historisch ein, erklärte sowohl die politischen als auch die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen die Protagonist*innen ihre Geschichte erleben. Durch diese Exkurse kam sein Publikum nicht nur in den Genuss einer literarischen Lesung - auf spannende und fesselnde Weise ließ Thome seine Zuhörer*innen auch an der Geschichte Taiwans teilhaben, erzählte von taiwanischen Mythen und führte lebendig auf, wie die damalige Zeit in dem Land wohl gewesen sein muss. Das Publikum zeigte sich ebenso interessiert und stellten eifrig Nachfragen.

Doch nicht nur aufgrund seiner spürbar intensiven Recherche war es dem Autor möglich, sein Wissen über Historie und Land zu teilen. Thome studierte Sinologie, lebte bereits in vielen ostasiatischen Ländern und ist mit der Kultur vertraut. Seine Frau stammt aus Taiwan, wo das Ehepaar auch heute noch teilweise wohnt. Daher lehnt der Roman an das Milieu seiner Schwiegerfamilie an, die ihn mit Ratschlägen tatkräftig unterstütze. Durch diese Verbindung kam der Roman erst zu Stande. Trotz der ernsten Thematik innerhalb seines Romans, gestaltete er die Lesung mit viel Witz und Spannung. Gleichzeitig zog der Autor mit seiner Geschichte aber auch eine Parallele zur aktuellen Situation in der Ukraine. Denn auch Taiwan lebt unter der ständigen militärischen Bedrohung seines Nachbarlandes.

Wir danken dem Autor sowie den Gästen, die so zahlreich erschienen sind, für diese mitreißende Lesung und den schönen Abend, den wir mit im Rahmen von Sushi und Sekt verbringen durften.

                                                                                                                              

                                                                                                                                             Chiara Siebert

 

Eine Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers Mittelhessen. 


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