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Peter Stamm | Auf ganz dünnem Eis 

S. Fischer Verlag
191 Seiten
24 Euro
ISBN: 9768-3-10-397127-9

 

von Lothar Schneider

 

 

      

Schweizer, so sagt man, sind meist wortkarg und bedächtig, dann aber auch wieder insistierend bis zur Grobheit und von grimmigem Humor. Peter Stamm ist Schweizer. Man merkt es seinen Texten an – und man merkt an seinen Texten: Schweizer-Sein ist eine sehr gute Voraussetzung für sehr gute Literatur.

1963 geboren, hat sich Stamm nach eigener Aussage schon in seinem (abgebrochenen) Psychologie- und Psychopathologie-Studium mit Menschen beschäftigt, um über sie schreiben zu können – doch er schreibt keine dickleibigen psychologischen Romane, sondern knappe Texte und Erzählungen in nüchtern protokollierenden Sätzen. Dieses Interesse für Personen, für die Gründe und Konsequenzen ihres Handelns und dessen beabsichtigte und unbeabsichtigte Auswirkungen auf ihre ungewusst fragile Identität ist ein Kardinalthema Schweizer Literatur spätesten seit Dürrenmatt und Frisch, im Grunde aber schon bei Gottfried Keller. Bei Stamm erfährt es eine neue, zeitgemäße Wendung.  

Seit seinem ersten, 1998 veröffentlichten Roman Agnes und dem im Literarischen Quartett emphatisch besprochenen Erzählungsband Blitzeis aus dem folgenden Jahr zeichnet Stamm Menschen, die auf den ersten Blick normale und alltägliche Probleme haben und sie auf gewöhnliche Weise zu lösen versuchen, die aber, wie vermutlich alle Menschen, um so merkwürdiger erscheinen, je näher man sie in den Blick nimmt: Man will sie verstehen, macht sich ein Bild von ihnen, was fast mühelos gelingt - aber dann machen sie eine falsche Bewegung, verstören, werden fremd und bleiben doch seltsam vertraut.

Man darf Stamms Geschichten nur vage umreißen, da sich das Profil seiner Helden erst allmählich aus den aufgezeichneten Beobachtungen und Gedanken fügt. So gibt es eine Frau, die ihren gespielten Gefühlen bedrohlich nahekommt; einen Vater, der seinen Sohn bei einem irrwitzigen Experiment unterstützen zu müssen glaubt; einen Skilehrer in Bottrop; eine Frau, die auf dem Balkan bei der KFOR eingesetzt ist; einen Mann, der in einer zunehmend vergletschernden Landschaft ausharrt und schließlich mit Unglaublich und emotional und fantastisch eine Geschichte, die so verrückt ist, wie es nur das Leben selbst sein kann.

Stamms Geschichten muss man lesen.


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