Die Welpen. Lesung und Gespräch mit der Übersetzerin Christiane Körner 

Dienstag, 6.11.18 19 Uhr
KiZ (Kongresshalle)
Südanlage 3a
35390 Gießen
Eintritt frei

GA | Gästebuch

Moderation: Alexander Graf (Institut für Slawistik)
In Kooperation mit dem Institut für Slawistik und dem GiZo.

Ein Roman mit einem „Mordstempo“, „unglaublich dynamisch“, „atemlos“. Aber: „Man muss es aushalten. Es geht um den Seins-Zustand in einer furchtbaren Welt.“ So beschreibt Übersetzerin Christiane Körner das Romanfragment Die Welpen von Pawel Salzman vergangenen Dienstag im KiZ. In Kooperation mit dem GiZo und dem Institut für Slawistik, vertreten durch Moderator Alexander Graf, ermöglichte Körner uns einen spannenden Einblick in ihre Übersetzertätigkeit für den russischsprachigen Kriegsroman. Die Begeisterung Körners für Salzmans Arbeit ist so groß, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Enthusiastisch und detailliert erklärt sie dem Publikum, was Salzman sich vermutlich beim Schreiben gedacht hatte: Wie er die Grenzen von Naturgesetzen, Raum und Zeit nichtig werden lässt; wie er spielerisch Poesie und Prosa mischt; wie er Stimmungen kreiert, die Steigerungen, Klanglaute, seine Erzählung pointieren; wie er unfassbar subtil den Leser anhand eines feinen, dünnen, roten Fadens durch eine nebulöse, scheinbar chaotische Welt geleitet. „Es ist ein sehr eigenwilliges Buch“, beschreibt Körner. „Tatsächlich ist es schwierig, zu sagen, wovon das Buch eigentlich handelt.“

Vermutlich handelt es von der russischen Bürger- und Zwischenkriegszeit, also etwa vom Sturz des Zaren 1917 bis Anfang des Zweiten Weltkriegs 1939. Jedoch benenne Salzman nie konkret politische Akteure oder Orte, es „geht ihm nicht um Politik oder Ideologie“, sagt Körner, für ihn zähle nur die Darstellung des Seins. Zentrales Moment des Buches sei die ungeschönte Darstellung von Gewalt und Körperlichkeit (so scheue er sich zum Beispiel nicht, von Masturbation zu schreiben), und, wie Körner es ausdrückt, „Kreatürlichkeit“: „Die Kreatur Mensch leidet so wie die Kreatur Tier. Wir befinden uns in einer Welt, in der Grundgesetze aufgehoben sind. Das ist das Grundgefühl. Etwas drastisches kann jederzeit passieren. Fragil wie in einem Bürgerkrieg.“

Salzman habe Mensch und Tier nahezu äquivalent zueinander erschaffen: Beide erführen und übten brutalste Gewalt aus, Mensch gegen Mensch, Mensch gegen Tier, Tier gegen Mensch, Tier gegen Tier, und verschmelzen sogar ihre Rollen, Mensch wird zu Tier, Tier wird zu Mensch, auch die Geschlechter wechselten. In einer Szene sterbe ein Tier wie ein Mensch denkend, in der nächsten sei es wieder lebendig. Die Sinnlosigkeit der Gewalt stehe im Vordergrund. Und das auf brutalste, martialischste Weise: „Die Figuren sind auf der Suche. Nach Liebe, Menschen, Sehnsüchten. Aber es wird umsonst danach gesucht.“

Nur selten zeige die Erzählung einen Anflug von Mitgefühl. Körner liest aus einem Abschnitt vor, in dem ein Blinder Lehm isst – sie erklärt hierbei die stichhaltige Nähe zu der Bibel-Passage, in der Gott die Schlange dazu verflucht, „Staub“ zu „fressen alle Tage deines Lebens“. Einer der seltenen Augenblicke des Buches, in dem ein Mädchen, weil es hinsieht, mitfühlend handelt und dem Blinden Essen bringt. Die Botschaft des Buches lautet, wie Körner sagt: „Wir müssen hinschauen. Nur dann sind wir barmherzig.“

(Sabrina Stünkel)


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