Berlin. Der amerikanische Comic-Autor Jason Lutes im Gespräch über seine Trilogie 

Mittwoch, 6.2., 19:30 Uhr

KiZ (Kongresshalle)
Südanlage 3a
35390 Gießen

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Eintritt: 5 € | erm. 3 € | LZG-Mitglieder frei

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Moderation: Martin Spies (Institut für Anglistik)
Lesung: Matthias Wieland

Am Mittwoch, den 6. Februar, begrüßte das LZG den amerikanischen Comic-Autor Jason Lutes im KiZ. In multimedialer Aufbereitung stellte er seine Trilogie Berlin vor, die den Untergang der Weimarer Republik beschreibt. Mit Unterstützung von Soundeffekten und Bildern las Martin Wieland mit vollem Körpereinsatz aus der Graphic Novel. Er faszinierte das Publikum und nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer ab der ersten Seite mit auf einen Streifzug durch das Berlin Ende der 20er Jahre. Auch für Lutes sind diese Lesungen etwas Besonderes und er hat großen Spaß daran, Martin Wieland bei der Umsetzung der Charaktere zuzuhören. Der erste Band der Comic-Reihe trägt den Titel Steinerne Stadt und beginnt im Jahr 1928. Die zwei Hauptfiguren, Kurt Severing und Marthe Müller, begegnen sich auf einer Zugfahrt und kommen schnell miteinander ins Gespräch. Marthe Müller, eine aus Köln stammende Künstlerin, trifft auf den in Berlin ansässigen Autor Kurt Severing, der Berlin als kulturelles Zentrum Europas beschreibt.

Viele schnell aufeinander folgende Szenen geben einen Einblick in die Figurenvielfalt des Werks und vermitteln dem Publikum eine Idee der zahlreichen parallelen Handlungsstränge. Ein Junge wird von seinem Vater belehrt, dass ein guter Deutscher an der Front kämpfe und nicht schlecht über „die Roten“ sprechen dürfe. Eine Mutter steht am Herd und brät Spiegeleier. Ob einfache Familien in ihrem Alltag oder komplexe Szenen einer Demonstration mit körperlicher Gewalt – Lutes gelingt eine geschickte Aneinanderreihung verschiedener Sequenzen.

Im Gespräch mit Martin Spies (Institut für Anglistik, JLU) wird deutlich, dass Jason Lutes schon immer von verschiedenen Gruppen, die sich in der Gesellschaft finden, fasziniert war und gerne das Porträt einer Stadt verfassen wollte – aber warum ausgerechnet die deutsche Hauptstadt Berlin in den 20er/30er Jahren? Noch zu Schulzeiten habe Lutes so gut wie nichts über die Weimarer Republik gewusst. Heute stimme ihn traurig, dass er einen schrecklichen Geschichtslehrer gehabt habe, der einen Videorekorder in den Klassenraum schob und die Schüler*innen allein ließ, als das Thema Holocaust auf dem Unterrichtsplan stand. „Als ich 15 Jahre alt war, wusste ich nichts über den Holocaust“, so der 51-jährige Amerikaner. Dieses Wissen wollte Jason Lutes schnell aufholen und schaute sich zahlreiche amerikanische Filme über den Zweiten Weltkrieg in seiner Freizeit an. Mit seinem Projekt Berlin tauchte er immer tiefer in die Thematik ein und recherchierte zunächst zwei Jahre lang, bevor er mit dem Schreiben und Zeichnen begann. Erst zwölf Jahre nachdem er begonnen hat an seinem Projekt zu arbeiten, im Jahr 2000, war Jason Lutes selbst in Berlin. Er beschreibt, dass man diese Tatsache als Vor- oder Nachteil sehen könne, aber als er zum ersten Mal persönlich vor Ort war, habe er alles gesehen, was er sich zuvor vorstellte und es sei so „echt“ gewesen.

Das besondere Format der Graphic Novel löst bei Moderator und Publikum nicht nur Bewunderung aus, sondern wirft auch einige Fragen auf, die Spies im Gespräch zu klären versucht. So wird Lutes neben den geschichtlichen Hintergründen auch nach seiner Vorgehensweise und der konkreten Umsetzung des Projekts befragt. Der Amerikaner erklärt, dass man als Comic-Autor in sogenannten „Panels“ denke und Vorzeichnungen auf einer Doppelseite anfertige, um gesamte Szenen im Blick zu haben. Neben Diagrammen stehen Wörter, um die Figuren zum Sprechen zu bringen. Lutes erklärt, er habe mit der Graphic Novel ein Medium für sich gefunden mit dem er alles erzählen kann.

Nach der gelungenen Veranstaltung sind sich wohl alle Besucherinnen und Besucher einig – diese abwechslungsreiche Umsetzung der deutschen Geschichte im Comic-Format muss einfach gelesen werden. Nach Ende der Veranstaltung bildete sich schnell eine lange Schlange vor der Bühne. Die Geduld der Wartenden wurde vom sympathischen Autor persönlich belohnt: Er zeichnete für jede*n aus dem Stegreif eine der beiden Hauptfiguren in das signierte Exemplar.

 

(Sophia Trogemann)

 

In Kooperation mit dem Institut für Anglistik und mit freundlicher Unterstützung des Carlsen Verlags.


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