Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich. Lesung und Gespräch mit Luna Al-Mousli 

Dienstag, 7.5., 19 Uhr

ZiBB (Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung)
Hannah-Arendt-Str. 10
35394 Gießen

Gästebuch | GA | GAZ

Eintritt: 5 € | 3 € erm. | LZG-Mitglieder frei

VVK: Tourist-Info Gießen
Für LZG-Mitglieder über das LZG-Büro

Moderation: Janna Thonius (LZG | Fachschaft Germanistik)

In Kooperation mit der Fachschaft Germanistik, dem Institut für Germanistik und dem ZiBB.

Im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung empfangen gespannte Gäste die junge Wiener Autorin Luna Al-Mousli. Mindestens so melodisch wie ihr Name war auch die Lesung an diesem Abend, denn neben deutschen Textpassagen wurden auch die Arabischen vorgetragen. „Dem Klang der Sprache lauschen“, rief Al-Mousli das Publikum auf, und dem wurde nachgegangen. Es wurde nur wenig verstanden und man fragte sich als Ahnungsloser der arabischen Sprache, wo die einzelnen Worte begannen und endeten, trug es eine gewisse Magie mit sich, verträumt und friedlich  nur melodischen Lauten zuzuhören. Diese arabischen Passagen waren aus Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus, ihrem ersten Buch, in dem die frühe Kindheit der Autorin dargestellt wird. Kurze Sätze und Beschreibungen dessen, was einem jungen Mädchen im Alltag begegnete, reichten schon, um aussagekräftige Bilder in den Köpfen der Gäste zu projizieren.
Der Vortrag des Arabischen kam den Hörer*innen nicht wie eine Unterbrechung vor, ganz im Gegenteil:  man freute sich auf den nächsten arabischen Abschnitt und war gespannt, wie dieser sich anhören würde. Auf eine gewisse Art und Weise überkam den Hörer*innen das Bedürfnis, die Sprache wie die eigene fließend zu beherrschen. Man verstand nicht jedes Wort, aber alle verstanden eben doch sehr wohl.

Man lernte, dass Al-Mousli früher im Sommer mit den Wassermelonen, die zur Kühlung im Pool schwammen, gespielt hat, dass sie während Gebeten Worte von sich gab, die für sie noch keine Bedeutung trugen, denn Religion traf in dieser Zeit auf die kindliche Naivität eines kleinen Mädchens.

Im Laufe des Interviews mit der LZG-Volontärin Janna Thonius erfuhr das Publikum von dem eigentlichen Entstehen des kleinen Meisterwerks: Als Abschlussarbeit hat Al-Mousli dieses Buch – Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus – selbst gebunden, mit Fotos zwischen den Text- Seiten ausgeschmückt und als Buchcover sogar ein Papier ausgesucht, was genauso weich ist, wie der Teppich ihrer Oma. Diese Sonderedition ist schon vergriffen, aber die Ausgabe mit dem roten Buchcover ist nicht weniger schön, denn auch hier zieren Illustrationen die Seiten. Warmherzig und liebevoll sprach sie über ihre Familie und die Erinnerungen an die alltäglichen Familienzusammenkünfte. Hinzu kam ein weiteres Geheimnis, welches gelüftet wurde: Das Original ist eigentlich auf Post-It’s entstanden, denn diese hat sie in jede Tasche und an unzähligen Orten bereit gelegt, damit sie keine Erinnerung vergisst. Und was da nicht fehlen darf, ist ein funktionierender Kugelschreiber, denn die Enttäuschung über das Verfliegen eines Gedankens, einer Idee, einer Erinnerung ist andernfalls zu groß.

Wieso aber gibt es die Textpassagen im Buch sowohl auf Arabisch, als auch auf Deutsch? „Es gehört zu meiner Identität dazu“, sagte Al-Mousli. Beide Sprachen haben unabhängig voneinander ihre eigene Zielgruppe, und so ist es unvermeidlich, dass das Arabische persönlicher ist, weil sie sich im Schreibprozess vorstellte, dass sie zu ihrer Familie spricht. So wie sie selbst Diversität verkörpert, so musste es auch das Buch tun. Aus diesem Grund kam es für die Autorin nicht in Frage, eine der beiden Sprachen wegzulassen.

Einige Fragen und Vorträge später ging es dann über zum eigentlichen Buch dieser Lesung: Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich. Die Wienerin scherzte, dass das Buch etwas dicker ausgefallen ist, als ursprünglich geplant und dass es somit ihren kompletten deutschen Wortschatz beinhalte.

Die Zuhörer*innen wurden Zeugen von Lunas erster Koranstunde, von den Reisen nach Mekka, die die Erwachsenen immer machten, während die Kinder der Familie zur Oma geschickt wurden und dort Frisör spielten, Choreografien einlernten und zu Britney Spears, Eminem und den Backstreet Boys tanzten und sangen. Ihre Tanten spielen in den Geschichten eine besonders erheiternde Rolle: so spielten diese immer Streiche, wenn potenzielle Ehemänner zu Besuch waren, waren nicht mit den besten Fahrkünsten gesegnet und überspielten Kassetten von Eminem, und die Reinheit ihrer Sprösslinge zu wahren, und diese nicht durch böse Schimpfwörter zu beschmutzen. Sympathisch kamen den Hörer*innen die Tanten vor, ein Leben in einer großen Familie schien chaotisch, aber umso erlebnisreicher.

Anders als bei ihrem ersten Buch erschien ihr zweites – im schönen Türkis gebunden – nur auf Deutsch. Ein Widerspruch zu dem, was sie vorher gesagt hatte, könnte man meinen, aber dem ist ganz und gar nicht so: Das Arabische bräuchte seinen eigenen Raum bei der Fülle an Erinnerungen und bei der Menge an Text, erklärte die Autorin.

Eine Frage aus dem Publikum lautete, dass im Titel auf die Religion eingegangen wird, die Texte dies aber nur in alltäglicher Form zu umspannen scheinen. Genauso ist es. Die Religion ist Teil des Alltags, Routine eben. So ist die Religion in ihrem Leben gefestigt. Es geht um das Zusammenspiel der Kultur und der Religion.

Und obwohl es diese deprimierenden Tage im Leben eines/einer  jeden Autor*in und einer jeden Autorin gibt, an denen das weiße Blatt sich einfach nicht mit schwarzer Farbe beschriften lässt (oder lassen will), gab Al-Mousli bekannt, dass das nächste Buch sicher bald erscheinen wird – aber erst nach einer kleinen Pause. Und wenn es dann soweit ist, dann erscheint und erstrahlt es in einem kräftigen Gelb.

Im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung empfangen gespannte Gäste die junge Wiener Autorin Luna Al-Mousli. Mindestens so melodisch wie ihr Name war auch die Lesung an diesem Abend, denn neben deutschen Textpassagen wurden auch die Arabischen vorgetragen. „Dem Klang der Sprache lauschen“, rief Al-Mousli das Publikum auf, und dem wurde nachgegangen. Es wurde nur wenig verstanden und man fragte sich als Ahnungsloser der arabischen Sprache, wo die einzelnen Worte begannen und endeten, trug es eine gewisse Magie mit sich, verträumt und friedlich  nur melodischen Lauten zuzuhören. Diese arabischen Passagen waren aus Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus, ihrem ersten Buch, in dem die frühe Kindheit der Autorin dargestellt wird. Kurze Sätze und Beschreibungen dessen, was einem jungen Mädchen im Alltag begegnete, reichten schon, um aussagekräftige Bilder in den Köpfen der Gäste zu projizieren.
Der Vortrag des Arabischen kam den Hörer*innen nicht wie eine Unterbrechung vor, ganz im Gegenteil:  man freute sich auf den nächsten arabischen Abschnitt und war gespannt, wie dieser sich anhören würde. Auf eine gewisse Art und Weise überkam den Hörer*innen das Bedürfnis, die Sprache wie die eigene fließend zu beherrschen. Man verstand nicht jedes Wort, aber alle verstanden eben doch sehr wohl.

Man lernte, dass Al-Mousli früher im Sommer mit den Wassermelonen, die zur Kühlung im Pool schwammen, gespielt hat, dass sie während Gebeten Worte von sich gab, die für sie noch keine Bedeutung trugen, denn Religion traf in dieser Zeit auf die kindliche Naivität eines kleinen Mädchens.

Im Laufe des Interviews mit der LZG-Volontärin Janna Thonius erfuhr das Publikum von dem eigentlichen Entstehen des kleinen Meisterwerks: Als Abschlussarbeit hat Al-Mousli dieses Buch – Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus – selbst gebunden, mit Fotos zwischen den Text- Seiten ausgeschmückt und als Buchcover sogar ein Papier ausgesucht, was genauso weich ist, wie der Teppich ihrer Oma. Diese Sonderedition ist schon vergriffen, aber die Ausgabe mit dem roten Buchcover ist nicht weniger schön, denn auch hier zieren Illustrationen die Seiten. Warmherzig und liebevoll sprach sie über ihre Familie und die Erinnerungen an die alltäglichen Familienzusammenkünfte. Hinzu kam ein weiteres Geheimnis, welches gelüftet wurde: Das Original ist eigentlich auf Post-It’s entstanden, denn diese hat sie in jede Tasche und an unzähligen Orten bereit gelegt, damit sie keine Erinnerung vergisst. Und was da nicht fehlen darf, ist ein funktionierender Kugelschreiber, denn die Enttäuschung über das Verfliegen eines Gedankens, einer Idee, einer Erinnerung ist andernfalls zu groß.

Wieso aber gibt es die Textpassagen im Buch sowohl auf Arabisch, als auch auf Deutsch? „Es gehört zu meiner Identität dazu“, sagte Al-Mousli. Beide Sprachen haben unabhängig voneinander ihre eigene Zielgruppe, und so ist es unvermeidlich, dass das Arabische persönlicher ist, weil sie sich im Schreibprozess vorstellte, dass sie zu ihrer Familie spricht. So wie sie selbst Diversität verkörpert, so musste es auch das Buch tun. Aus diesem Grund kam es für die Autorin nicht in Frage, eine der beiden Sprachen wegzulassen.

Einige Fragen und Vorträge später ging es dann über zum eigentlichen Buch dieser Lesung: Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich. Die Wienerin scherzte, dass das Buch etwas dicker ausgefallen ist, als ursprünglich geplant und dass es somit ihren kompletten deutschen Wortschatz beinhalte.

Die Zuhörer*innen wurden Zeugen von Lunas erster Koranstunde, von den Reisen nach Mekka, die die Erwachsenen immer machten, während die Kinder der Familie zur Oma geschickt wurden und dort Frisör spielten, Choreografien einlernten und zu Britney Spears, Eminem und den Backstreet Boys tanzten und sangen. Ihre Tanten spielen in den Geschichten eine besonders erheiternde Rolle: so spielten diese immer Streiche, wenn potenzielle Ehemänner zu Besuch waren, waren nicht mit den besten Fahrkünsten gesegnet und überspielten Kassetten von Eminem, und die Reinheit ihrer Sprösslinge zu wahren, und diese nicht durch böse Schimpfwörter zu beschmutzen. Sympathisch kamen den Hörer*innen die Tanten vor, ein Leben in einer großen Familie schien chaotisch, aber umso erlebnisreicher.

Anders als bei ihrem ersten Buch erschien ihr zweites – im schönen Türkis gebunden – nur auf Deutsch. Ein Widerspruch zu dem, was sie vorher gesagt hatte, könnte man meinen, aber dem ist ganz und gar nicht so: Das Arabische bräuchte seinen eigenen Raum bei der Fülle an Erinnerungen und bei der Menge an Text, erklärte die Autorin.

Eine Frage aus dem Publikum lautete, dass im Titel auf die Religion eingegangen wird, die Texte dies aber nur in alltäglicher Form zu umspannen scheinen. Genauso ist es. Die Religion ist Teil des Alltags, Routine eben. So ist die Religion in ihrem Leben gefestigt. Es geht um das Zusammenspiel der Kultur und der Religion.

Und obwohl es diese deprimierenden Tage im Leben eines jeden Autors und einer jeden Autorin gibt, an denen das weiße Blatt sich einfach nicht mit schwarzer Farbe beschriften lässt (oder lassen will), gab Al-Mousli bekannt, dass das nächste Buch sicher bald erscheinen wird – aber erst nach einer kleinen Pause. Und wenn es dann soweit ist, dann erscheint und erstrahlt es in einem kräftigen Gelb.

(Inga Movsisyan)


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