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Markus Flohr | Wo samstags immer Sonntag ist. Ein deutscher Student in Israel. 

Rowohlt Verlag GmbH 2011
256 Seiten
14.95 €
ISBN: 978-3-463-40591-9

von Ekatherina Doulia| Download

Ein deutscher Student fliegt für ein Jahr nach Israel. Während seines Aufenthaltes wird er sich nicht nur mit seinem Geschichtsstudium beschäftigen, sondern auch die gegenwärtige politische Situation, das Judentum und das Leben zwischen Tradition und Moderne werden ihm begegnen.

Nach einem anstrengenden Flug und einer ebenso beschwerlichen Taxifahrt erlebt ein Student bei seiner Ankunft in Jerusalem einen Schock. Das Zimmer, das er über das Internet in Deutschland gemietet hatte, entpuppt sich als dreister Betrug. Die 400 € sind weg und er steht an seinem ersten Tag auf der Straße. Friedrich, ein junger Deutscher, der in Jerusalem arbeitet, bietet ihm für den Übergang einen Schlafplatz an. Nach wenigen Tagen findet er ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft, in die er zu einem recht guten Preis direkt einziehen kann. Das einzige Manko: Er muss koscher leben. Mit der Unterzeichnung des Mietvertrages beginnt für den jungen Studenten das Abenteuer in Israel. Neben Kommunikationsschwierigkeiten mit älteren Israelis und einem Kulturschock beim Autofahren mit seinem Mitbewohner Simson, versucht er, sich in der WG und Israel zu integrieren. Er nimmt Arabischunterricht, spielt mit Freunden Fußball, besucht ein Konzert in der Wüste, geht auf ein christliches Oktoberfest in Palästina und versucht sich an diversen kulinarischen Köstlichkeiten. Währenddessen lernt er Noa kennen. Sie ist Jüdin und studiert ebenfalls in Jerusalem. Schon nach kurzer Zeit gehen die beiden eine Beziehung ein, trotz des Widerstandes von Noas Eltern. Sie lernen sich besser kennen und damit auch die Kultur und Lebensweise des anderen. Nachdem einige Monate der Glückseligkeit und Zufriedenheit vergehen, brechen Noa und der deutsche Student auf, um Noas Großmutter aus dem Gaza-Streifen zu holen. Kurzerhand findet er sich mitten im Bürgerkrieg wieder und riskiert sogar sein Leben, um die alte Dame zu retten.

In seinem autobiographischen Reisebericht erzählt Markus Flohr von seinem Studienaufenthalt in Israel. Dabei beschreibt er das Leben in einem anderen Land, einer anderen Kultur und den auftretenden Schwierigkeiten, die sich für alle Beteiligten ergeben. Auch die politische Lage wird von ihm thematisiert, ebenso die historische Bedeutung vieler Orte Israels. Zentrales Thema seiner Schilderungen ist das Leben der jungen Israelis. In vielen Situationen stellt er Bezüge zu Deutschland her und vergleicht seine kulturellen Erlebnisse in Israel mit jenen aus seiner Heimat. Mehrfach beschreibt er den Alltag der jungen Israelis und geht genauer darauf ein, welche Schwierigkeiten sie haben, sich ihrem religiösen Umfeld zu behaupten. Die ältere Generation stellt er in seinen Schilderungen nicht als verstaubt oder rückschrittig vor, sondern führt ihre Situation lediglich dar und gibt auch ihnen den Freiraum, ihr Leben so zu leben, wie sie es wollen. Weiterhin beschreibt er aber auch seine dortige Situation, von den Schwierigkeiten mit einer fremden Kultur zu leben und diese nicht zu verurteilen. Positiv fällt dabei Flohrs Schreibstil vor. Sein Reisebericht gleicht einer freundschaftlichen und überaus humorvollen Erzählung; der Leser bekommt das Gefühl, mit dem Erzähler persönlich zu sprechen. Dabei kritisiert er nicht die Umstände in Israel, sondern stellt sie dem Leser vor und überlässt diesem das Fällen eines Urteils.

Markus Flohr schafft es in seinem Reisebericht, Israel von einer anderen Seite zu zeigen. Ohne irgendjemanden zu verurteilen, beschreibt er das Leben der jungen Israelis und welchen Konflikten sie sich ausgesetzt sehen. Während sie sich der westlichen Moderne hingezogen fühlen und ihr Leben frei von Zwängen gestalten wollen, werden sie von der religiösen Tradition ihrer Familie eingeholt. Für alle aufgeschlossenen Leser, die einen eher humorvollen und selbstironischen Bericht über Israel lesen möchten, ist dieses Buch eine klare Empfehlung.  

(Ekatherina Doulia)


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