Für Sie gelesen: LZG-Vorstand und Team empfehlen... 

Am heutigen Welttag des Buches stellen wir Ihnen unsere persönlichen Buchtipps vor. 
Viel Freude beim Schmökern!

 

Arno Geiger: Unter der Drachenwand

Veit Kolbe ist ein knapp 24-jähriger Soldat, der Ende 1943 an der Ostfront verwundet wird. Er kehrt zur Erholung zunächst in seine Heimatstadt Wien zurück, hält es aber schon bald bei den Eltern nicht mehr aus und darf sich mit Erlaubnis der Wehrmacht an den Mondsee ins Salzkammergut begeben, wo sein Onkel einen Gendarmerie-Posten leitet. Fast ein Jahr wird er dort verbringen und auf Margot und Margarete treffen, zwei jungen Frauen, die wie er noch nicht recht zu wissen scheinen, wohin die eigene Lebensreise gehen kann unter den schrecklichen Bedingungen des Krieges. Neben Kolbe gibt es aber noch drei weitere Ich-Erzähler in diesem großartigen Roman, darunter Oskar Meyer, der aus derselben Wiener Gasse stammt wie Veit Kolbe (ohne ihn zu kennen) und als Jude mit seiner Familie fliehen muss. Ausgerechnet Ungarn sucht er sich als Exilort aus, das 1944 von den Deutschen besetzt wird…  Für mich ist das einer der wichtigsten Romane der letzten Jahre, der in beispielloser Weise vom Krieg erzählt und vom Holocaust, ohne je ins Klischee abzudriften oder konventionell zu werden. Ganze große Literatur!

Arno Geiger: Unter der Drachenwand. München: Hanser 2018.




Carmen Buttjer: Levi.

Klappentext: 

»Ein Zelt auf einem Hausdach in Berlin - es ist Sommer und Levi ist abgehauen. Zwar wohnt ein paar Stockwerke unter seinem Lager immer noch sein Vater, aber von dem hat er  noch nie viel mitbekommen. Und jetzt, nachdem er die Urne seiner Mutter auf der Beerdigung  gestohlen hat, kann er sich sowieso nicht mehr blicken lassen. Tigerschatten springen zwischen den Dächern, sitzen Levi im Nacken und streifen um die Urne – derselbe Tiger, der seine Mutter getötet hat, davon ist Levi überzeugt, auch wenn er in letzter Zeit viel zu schnell erwachsen werden musste und es eigentlich besser weiß. Im Kampf mit dem Verlust sucht der Junge sich seine eigenen Verbündeten: Das ist der mysteriöse Vincent, der mit ihm durch die Stadt fährt und im selben Haus wohnt, aber bis auf ein paar zwielichtige Geschäfte kaum etwas von sich preisgibt. Und Kolja, der Kioskbesitzer, für den Gedächtnisschwund noch immer die beste Art ist, sein Leben zu bewältigen – ausgelöst durch jede Menge Whiskey. Aber die Erinnerungen tauchen genauso hartnäckig aus der Vergangenheit auf wie Koljas Bilder aus seiner Zeit als Kriegsfotograf, die er in seinem Hinterzimmer seines Kiosks immer noch entwickelt.«

Treten im Roman ausschließlich männliche Personen auf, so spielt Levis Mutter und ihr mysteriöser Tod – hat ihn Levi miterlebt? – eine zentrale Rolle; für ihn und seinen Vater. Gerade dieses problematische Vater-Sohn-Verhältnis ermöglicht es der Autorin, Charaktere und deren Veränderungen gelungen darzustellen. Vieles wird im Roman lediglich angedeutet, so dass Raum für eigene Assoziationen und Interpretationen bleibt. Dies trifft nicht nur, aber ganz besonders, auf die Figur des Tigers zu. Im weitesten Sinne ist Levi als ein Entwicklungsroman zu sehen, auch wenn die erzählte Zeit nur wenige Tage umfasst.

Mit vielen Relativsätzen erreicht Carmen Buttjer, dass der Lesefluss etwas gehemmt wird, jedoch wird dadurch konzentriertes Lesen erforderlich. Kritisch anzumerken ist die Person des elfjährigen Levi insofern, als seine Sprache und sein Verhalten möglicherweise kaum als altersgerecht bezeichnet werden können.

Carmen Buttjer: Levi. Berlin: Galiani 2019.




Judith Kuckart: Kein Sturm, nur Wetter

SIE, die namenlose Protagonistin des im Jahr 2019 erschienenen Romans von Judith Kuckart, ist 54 Jahre, studierte Medizinerin ohne Ambitionen. Sie ist einsam, sucht und erinnert Liebe. Am Flughafen Tegel, wo sie sich öfter aufhält und das Ankommen und Weggehen der Reisenden beobachtet, lernt sie zufällig den 18 Jahre jüngeren Robert Sturm kennen, der für eine Woche beruflich unterwegs in Sibirien sein wird, und erfährt, indem sie ihm seine Visitenkarte entwendet, dass er 36 Jahre ist.

Kuckart lässt SIE in den folgenden sechs Tagen bis zur Rückkehr von Robert Sturm die beiden wichtigsten Männerbeziehungen in ihrem Leben reflektieren, auch die Frage, warum alle ihre Männer 36 Jahre waren, sie entweder 18 Jahre jünger oder aber gleichalt war. Und jetzt Robert, 18 Jahre jünger als sie.

Die Protagonistin besticht durch eine offene, kritische Selbstreflexion, die nie lamentierend ist. SIE ist wach in den Erinnerungen, die offensichtlich zur wesentlichen Erfahrung werden. SIE stellt sich in beeindruckender Weise ihrem Leben, dem Altern und auch den Gedanken an den Tod. Neben den für die*den Leser*in schmerzhaft scheinenden Erinnerungen wird man aber andererseits verblüfft durch die Fähigkeit der Protagonistin, sich den Möglichkeiten einer neuen Liebe gedanklich zu nähern, aber auch vor lauter Sehnsucht zu verirren, SIE projiziert mittels Fragen an sich selbst, wie es wäre, wenn …

Sprachspiele, Zahlenspiele, der fragende Stil und die Wiederholungen, die sich dem Erinnern und dem Vergessen widmen, haben mich in den Bann gezogen, ein Entziehen kaum ermöglicht.

Der Titel Kein Sturm, nur Wetter ist vielleicht ein Bekenntnis zur Normalität, zu einem unfreiwilligen Arrangement, eine Haltung also, die am Ende des Leseprozesses unbefriedigend bleibt.

Judith Kuckart: Kein Sturm, nur Wetter. Köln: DuMont 2019.




Mai Thi Nguyn-Kim, Komisch, alles chemisch!

Eigentlich wäre die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim im Mai im Rahmen der OVAG-Lesereihe LeseLand nach Laubach gekommen, nun liest man ihr Buch alleine zu Hause. Mit Komisch, alles chemisch! ist sie angetreten, um auch Chemiemuffeln aufzuzeigen, dass Chemie nicht nur überall ist, sondern auch faszinierend sein kann: Das reicht von der Erklärung der Funktionsweise eines Akkus (und wie man dessen Lebenszeit verlängern kann) bis hin zum chemisch-korrekten Gelingen eines Fondant au Chocolat. Und fast ohne es zu merken, beginnt man dabei die Grundprinzipien der Chemie (neu) zu begreifen.

Wer Mais Youtube-Channel MaiLab kennt, in dem sie über populärwissenschaftliche Themen auf Basis wissenschaftlicher Studien informiert, wird sich im Buch gleich zuhause fühlen. Sie schreibt im gleichen Plauderton und nimmt dadurch auch chemischen Theorien den Schrecken. Aber auch denjenigen, die sie noch nicht kennen, sich aber gerne einmal überzeugen lassen möchten, die Welt mit einer naturwissenschaftlichen »Brille« neu zu erleben, sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Mai Thi Nguyn-Kim, Komisch, alles chemisch!, München: Droemer Knaur 2019

 




Norbert Scheuer: Winterbienen

Es ist das letzte Kriegsjahr 1944/45: Während unten in der Eifel seine Bienen schwärmen, fliegen alliierte Bomber über den Himmel. Ägidius Arimond versucht im Chaos zu überleben, denn längst darf der als ‚Volksschädling‘ stigmatisierte Epileptiker nicht mehr unterrichten. Ein paar wenige Einnahmen für die dringend benötigten Medikamente  kann er lediglich mithilfe seiner Honigbienen generieren, die sich im Verlauf der Handlung zudem als überaus wertvolle Fluchthelfer erweisen: So gelingt Arimond das abenteuerliche und gefährliche Unterfangen, jüdische Flüchtlinge aus der Nazihölle zu befreien und sie in präparierten Bienenstöcken über die belgische Grenze in die Freiheit zu schmuggeln.

Mit Winterbienen gelingt Norbert Scheuer der Entwurf eines unglaublich facettenreichen, tiefgründigen, leisen und doch sehr kraftvollen Kriegstagebuchs. Trotz der thematischen Wucht – so geht es neben Krieg, Verfolgung, Flucht und Tod auch um Liebe, Hoffnung und das Leben – bleibt der Roman leicht und flüssig lesbar. Mich hat das Buch tief beeindruckt!

Norbert Scheuer: Winterbienen. München: C.H. Beck 2019.




Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller

Ich liebe @the_zuckergoscherl und ihren neuen Roman Das Licht ist hier viel heller. Darin erzählt sie die Geschichte von Maximilian Wenger, ein ehemals erfolgreicher Autor in der Midlife-Crisis, dessen Frau sich von ihm getrennt hat, und von seiner Tochter Zoey, die wesentlich mehr mit dem Erwachsenwerden und der Liebe kämpft als sie augenscheinlich zeigt. Beide befinden sich in einer schwierigen Zeit und finden letzten Endes Hilfe durch die Briefe einer unbekannten Frau. Beide werden an einen Scheideweg geführt und brechen aus dem heraus, was sie belastet hat.

Mareike Fallwickl schreibt über ein Thema, das nie so aktuell war wie jetzt. Machtmissbrauch, die Liebe mit all ihren Seiten und Selbstbestimmung über den eigenen Körper werden in ihrem Roman mit einer solchen Empathie und Authentizität thematisiert, dass kein Auge trocken bleibt. Aber nicht nur das sensible Thema wird von ihr gekonnt angesprochen. Mit ihrem einzigartigen Stil schafft sie es, dass man nicht nur mit einem, sondern mit beiden (sehr unterschiedlichen) Charakteren sympathisiert und am Ende für beide nur das Beste will!

Den Roman kann ich definitiv empfehlen und freue mich schon auf weitere Werke von Mareike Fallwickl!

Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller. Frankfurt a.M.: Frankfurter Verlagsanstalt 2019.




Oliver Scherz: Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika

Was bleibt einem anderes übrig, wenn abends ein Elefant ans Fenster klopft und dringend nach Afrika möchte? Da muss man doch helfen. Auf dem Globus sieht der Weg zudem recht überschaubar aus. Also hinterlassen Joscha und Marie den Eltern eine beruhigende Nachricht, packen Kekse ein und machen sich auf den Weg. Joscha, der sich gut auskennt mit der Welt, und seine Schwester Marie, die sich sympathischerweise nicht ganz so gut auskennt, wollen Abuu, der vor lauter Sehnsucht dem Zoo entflohen ist, sicher nach Afrika zu seiner Familie zu bringen. Konnte ja keiner ahnen, dass es am Ende doch so weit ist bis Afrika…

Eine Reise voll interessanter Begegnungen, schlau bewältigter Abenteuer und jeder Menge Humor beginnt, begleitet von liebevollen Illustrationen. Dabei schafft die Geschichte den seltenen Spagat spannend, aber dennoch niemals richtig gruselig zu sein. 

Ein rundum tolles Kinderbuch über eine gigantische Rettungsaktion, eine dicke Freundschaft und darüber, dass gemeinsam kein Weg zu weit ist.

Oliver Scherz, illustriert von Barbara Scholz: Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika. Stuttgart: Thienemann-Esslinger 2014.




Ingo Schulze: Die rechtschaffenen Mörder

Klappentext: 

Bücherliebhaber steigen die Treppen hinauf in das Reich des berühmten Antiquars Norbert Paulini. Der beliebte und höfliche Herr lebt mit den Büchern, die sich von den Ladenräumen in seine Wohnung ausgebreitet haben. Als Hüter der Literatur versucht er, einen Gegenentwurf zur Gesellschaft zu verkörpern. Ist das ein fataler Irrweg?

»Ich wollte eine Erzählung schreiben über das Lesen und die Leser, und ich wollte fragen, ob man durch Lesen sein Leben verfehlen kann oder warum es Leser gibt, die plötzlich zu verraten scheinen, was ihnen ihr Leben lang wichtig war. Vor allem aber wollte ich auch eine Liebeserklärung an das Papierbuch schreiben. Gerade durch Literatur können wir besser erkennen, in welcher Zeit wir leben.« Ingo Schulze

 

Das in drei Teile aufgeteilte Buch beginnt nach einer kurzen liebevollen Beschreibung des Protagonisten mit der Erzählung von dessen Kindheit, Jugend  und seiner mehrfach gebrochenen Karriere als Antiquar. Über einen Zeitraum von etwa vierzig Jahren, beginnend mit des Protagonisten Norbert Pauli Geburt, wird dessen Leben in der damaligen DDR mit den politischen Entwicklungen, der Wende, seinen persönlichen Schicksalen und seine Hinwendung zu  Ausländerfeindlichkeit auf mehreren Erzählebenen dargestellt.

Gerade der letzte Aspekt wird möglicherweise etwas überraschend eingeführt, da die politische Wende Paulis kaum vorbereitend dargestellt wird. Hingegen ist die Schilderung der Jugend des Protagonisten und dessen Liebe zur Literatur und zu Büchern fulminant gelungen. Hier wird sich der eine oder andere Leser durchaus wiedererkennen können.

Ingo Schulze: Die rechtschaffenen Mörder. Frankfurt a.M.: Fischer 2020.




Marie Jalowicz Simon: Untergetaucht

50 Jahre danach erzählt Marie Jalowicz Simon erstmals ihre bewegende Geschichte. 77 Tonbänder entstehen – sie sind die Grundlage dieses einzigartigen Zeitdokuments einer jungen Frau, die 1942 als Jüdin in Berlin untertaucht. Offen und schonungslos schildert sie, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin durchzuschlagen. Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke und sie braucht Menschen, die ihr helfen. Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen oder über Bulgarien nach Palästina zu fliehen. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit – der authentische Bericht einer außergewöhnlichen jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.

Ihr Sohn, Hermann Simon, Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum, bat sie kurz vor ihrem Tod, die Geschichte ihres Überlebens auf Band zu sprechen. Auf dieser Grundlage hat die Autorin Irene Stratenwerth zusammen mit Hermann Simon die veröffentlichte Fassung erstellt. Marie Jalowicz Simon starb 1998 in Berlin. Für mich war dieses Buch ein wichtiger Roman, der nach so vielen Jahren die vielen Erlebnisse durch die Aufzeichnungen wiedergibt.

Marie Jalowicz Simon: Untergetaucht. Frankfurt a.M.: Fischer 2015




Giovanni Boccaccio: Das Dekameron

Im Jahre 1348 fliehen vier junge, wohlhabende Adlige, sieben Damen und drei Herren, vor der Pest (nicht Corona-Virus) aus Florenz auf das Landgut einer der Damen. Hier und abwechseln auf anderen Gütern verbringen sie zehn Tage mit einem sehr geregelten Tagesablauf. Höhepunkt jeden Tagesablaufs ist ein nachmittägliches Treffen im Garten, um reihum Geschichten zu erzählen. Somit werden während der zehn Tage insgesamt einhundert Geschichten vorgetragen, die  fast immer einem jeweiligen Tagesthema untergeordnet sind. Die Damen und Herren versichern, dass ihre Erzählungen nicht fiktiv sind, sondern sich die Inhalte genauso zugetragen haben.

Boccaccios Werk gilt als erster Sammelband von Novellen, wobei er Quellen, teilweise aus der Antike stammend, benutzte. Erstaunlich ist, wie kritisch und offenherzig Boccaccio die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Moralvorstellungen und vor allem den Klerus und das Mönchstum seiner Zeit darstellt.

Vor allem die fast in jeder Geschichte ausführlich geschilderten erotischen Verwicklungen sind, aus der Perspektive des heutigen Lesers, erstaunlich detailliert und freizügig dargestellt, wobei  der Autor ebenso humorvoll wie ideenreich das letztendliche Ziel der Bemühungen der jeweiligen Personen zu umschreiben vermag. Fast immer geht es um gehörnte Ehemänner, erschlichenen Geschlechtsverkehr und auf erotischem Gebiet überaus aktive Damen. Letztere werden zumeist  als sehr attraktiv, wohlhabend und fromm charakterisiert. Niemals wird ein Ehebruch, ein außereheliches Verhältnis  usw. kritisch bewertet. Im Gegenteil. Die Zuhörerinnen akklamieren den Verhaltensweisen, ja, beneiden oft die Protagonistinnen der Geschichten.

Überaus kritisch wird, wie schon oben angedeutet, der Klerus und das Mönchstum dargestellt. Fast alle Priester und Mönche haben nichts als Wohlleben, Vermeiden von richtiger Arbeit, Betrug, Erschleichen von Geld und Gut und vor allem die Verführung von Frauen im Sinn.

Dieses Werk aus dem vierzehnten Jahrhundert zu lesen, verlangt wegen des ungewohnten Stils, des Satzbaus und gelegentlicher ungewohnter Ausdrucksweisen langsames und aufmerksames Lesen. Hat man sich nach wenigen Seiten eingelesen, bringt Das Dekameron ein großes und aufschlussreiches Lesevergnügen, auch als Kontrast zur zeitgenössischen Literatur.

Giovanni Boccaccio: Das Dekameron. Frankfurt a.M.: Fischer 2013.




Typografische Bibliothek (Editionsprojekt)

Wer viel liest, kriegt müde Augen. Doch glücklicherweise gibt es hiergegen eine Medizin: Die „Typografische Bibliothek“, ein gemeinsames Editionsprojekt des Wallstein Verlags und der Büchergilde Gutenberg ist eine bibliophile Erfrischung der besonderen Art. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was sonst gerne überlesen wird: Schrift und Typographie. 

Die Seite wird hier zur Spielfläche für neue Text- und Buchstabenanordnungen, die den eigenen Lesefluss und erlebbar machen und neue Sinnzusammenhänge stiften. So versucht die bereits 2014 erschienene Ausgabe von Hugo von Hofmannsthals „Ein Brief“ den sprachlichen Zusammenhang von Sinnentzug und Sinnformierung in Seitenaufbau und Wortanordnung aufzunehmen. Jede Seite ist anders gestaltet –Überraschungen beim Umschlagen der Seite, eigene Assoziationen und langsames Lesen stiften ein ganz eigenes Lektüreverhältnis zwischen Lord Chandos‘ Brief und den Lesenden.

Aber auch die weiteren Veröffentlichungen (so kürzlich Samuel Becketts Der Verwaiser) ermöglichen ein Erlebnis jenseits der linear vorwärts getriebenen Lesegewohnheit.





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